Tristan und Isolde” by Richard Wagner libretto (German-English)

Personen

Tristan - Tenor
König Marke - Bass
Isolde - Sopran
Kurwenal - Bariton
Melot - Tenor
Brangäne - Mezzo-Sopran
Ein junger Seemann - Tenor
Ein Hirt - Tenor
Ein Steuermann - Bariton
Schiffsvolk. Ritter und Knappen.

Schauplatz

Erster Aufzug: Zur See auf dem Verdeck vor Tristans Schiff während der Überfahrt vor Irland nach Kornwall.

Zweiter Aufzug: In der Königlichen Burg Markes in Kornwall.

Dritter Aufzug: Tristan Burg in Bretagne. 



Characters

Tristan - Tenor
King Mark - Bass
Isolde - Soprano
Kurwenal - Baritone
Melot - Tenor
Brangaene - Soprano
A young Saylor - Tenor
A Shepherd - Tenor
A Steersman - Baritone
Saylors, Knights and Squires

Scene of the action

Act One: At sea, on the deck of Tristan's ship, during the crossing from Ireland to Cornwall.

Act Two: In Marke's royal castle in Cornwall.

Act Three: Tristan's castle in Brittany.



ERSTER AUFZUG

EINLEITUNG

ERSTE SZENE

Isolde. Brangäne.

(Stimme eines jungen Seemanns)

(Zeltartiges Gemach auf dem Vorderdeck eines Seeschiffes, reich mit Teppichen behangen, beim Beginn nach dem Hintergrunde zu gänzlich geschlossen; zur Seite führt eine schmale Treppe in den Schiffsraum hinab. - Isolde auf einem Ruhebett, das Gesicht in die Kissen gedrückt. - Brangäne einen Teppich zurückgeschlagen haltend, blickt zur Seite über Bord

STIMME EINES JUNGEN SEEMANNS
(aus der Höhe, wie vom Mast her, vernehmbar)
Westwärts
schweift der Blick;
ostwärts
streicht das Schiff.
Frisch weht der Wind
der Heimat zu:
mein irisch Kind,
wo weilest du?
Sind's deiner Seufzer Wehen,
die mir die Segel blähen?
Wehe, wehe, du Wind! -
Weh, ach wehe, mein Kind! -
Irische Maid,
du wilde, minnige Maid!

ISOLDE
(jäh auffahrend)
Wer wagt mich zu höhnen?

(Sie blickt verstört um sich)

Brangäne, du?
Sag', - wo sind wir?

BRANGÄNE
(an der Öffnung)
Blaue Streifen
stiegen im Osten auf;
sanft und schnell
segelt das Schiff:
auf ruhiger See vor Abend
erreichen wir sicher das Land.

ISOLDE
Welches Land?

ACT ONE

PRELUDE

SCENE ONE

Isolde. Brangaene.

(Voice of a young sailor)

(Tent-like cabin on the fore-deck of a sea-going ship, richly hung with tapestries, at first drawn together upstage; at one side a narrow companion-way leads down to the lower deck of the ship. Isolde on a couch, her face hidden in the cushions. Brangaene, holding a curtain to one side, looking over the rail out to sea)

VOICE OF A YOUNG SAILOR
(heard from a height, as if from the masthead)
Westwards
the gaze wanders;
eastwards
skims the ship.
Fresh the wind blows
towards home:
my Irish child,
where are you now?
Is it your wafting sighs
that swell my sails?
Blow, blow, you wind!
Ah, alas, my child!
Irish girl,
you wild, adorable girl!

ISOLDE
(sturting up sharply)
Who dares to mock me?

(She looks about her, distractedly)

Brangaene, you?
Tell me, where are we?

BRANGAENE
(at the opening)
Blue shadows
are rising up in the east;
smoothly and swiftly
the ship sails on:
on a calm sea, before evening,
we shall safely reach land.

ISOLDE
Which land?

BRANGÄNE
Kornwalls grünen Strand.

ISOLDE
Nimmermehr!
Nicht heut, noch morgen!

BRANGÄNE
(lässt den Vorhang zufallen
und eilt bestürzt zu Isolde)


Was hör' ich? Herrin! Ha!

ISOLDE
(wild vor sich hin)
Entartet Geschlecht!
Unwert der Ahnen!
Wohin, Mutter,
vergabst du die Macht,
über Meer und Sturm zu gebieten?
O zahme Kunst
der Zauberin,
die nur Balsamtränke noch braut!
Erwache mir wieder,
kühne Gewalt;
herauf aus dem Busen,
wo du dich bargst!
Hört meinen Willen,
zagende Winde!
Heran zu Kampf
und Wettergetös'!
Zu tobender Stürme
wütendem Wirbel!
Treibt aus dem Schlaf
dies träumende Meer,
weckt aus dem Grund
seine grollende Gier!
Zeigt ihm die Beute,
die ich ihm biete!
Zerschlag es dies trotzige Schiff,
des zerschellten Trümmer verschling's!
Und was auf ihm lebt,
den wehenden Atem,
den lass' ich euch Winden zum Lohn!

BRANGÄNE
(im äussersten Schreck,
um Isolde sich bemühend)


O weh!
Ach! Ach
BRANGAENE
Cornwall's green coast.

ISOLDE
Never!
Not today, not tomorrow!

BRANGAENE
(lets the curtain fall back
and hurries anxiously to Isolde)


What are you saying? My mistress! Ah!

ISOLDE
(with suppressed rage)
Degenerate race!
Unworthy of your ancestors!
How, o Mother,
did you dispose of the power
of ruling sea and tempest?
O feeble art
of the sorceress,
still cooking up curative potions!
Be stirred in me once again,
bold power;
rise up from my breast
where you have lain concealed!
Give ear to my will,
half-hearted winds!
Off to battle
and turbulent elements!
To the furious vortex
of raging tempests!
Shake from her slumber
this somnolent sea,
awaken from her depths
her malevolent greed!
Show her the prize
that I have to offer!
Let her smash this insolent ship
and gorge on her shattered wreckage!
And whatever has life on her,
that faint breath
I leave as reward for you winds!

BRANGAENE
(in utmost terror,
anxiously attending Isolde)


Alas!
Ah! Ah!
des Übels, das ich geahnt!
Isolde! Herrin!
Teures Herz!
Was bargst du mir so lang?
Nicht eine Träne
weintest du Vater und Mutter;
kaum einen Gruss
den Bleibenden botest du.
Von der Heimat scheidend
kalt und stumm,
bleich und schweigend
auf der Fahrt;
ohne Nahrung,
ohne Schlaf;
starr und elend,
wild verstört:
wie ertrug ich,
so dich sehend,
nichts dir mehr zu sein,
fremd vor dir zu stehn?
Oh, nun melde,
was dich müht!
Sage, künde,
was dich quält!
Herrin Isolde,
trauteste Holde!
Soll sie wert sich dir wähnen,
vertraue nun Brangänen!

ISOLDE
Luft! Luft!
Mir erstickt das Herz!
Öffne! Öffne dort weit!

(Brangäne zieht eilig die Vorhänge in der Mitte auseinander)



The evil that I foresaw!
Isolde! My lady!
Dear heart!
What have you been keeping from me for so long?
Not a tear
did you shed for father and mother;
scarcely a parting word
did you have for those left behind.
Leaving your homeland,
cold and mute,
pale and silent
on the voyage;
without food,
without sleep,
numb and wretched,
wild and distraught.
How could I bear
to see you thus,
to mean nothing to you,
to stand before you as a stranger?
Oh tell me now
what troubles you!
Let me know
what is tormenting you!
My lady Isolde,
dearest beloved!
If she is to hold herself of worth in your eyes,
place your trust in Brangaene now.

ISOLDE
Air! Air!
My heart is stifled!
Open up! Open wide there!

(Brangaene quickly draws back the centre custain)



ZWEITE SZENE

Die Vorigen. Tristan. Kurwenal. Schiffswolk. Ritter und Knappen.

(Man blickt dem Schiff entlang bis zum Steuerbord, über den Bord hinaus auf das Meer und den Horizont. Um den Hauptmast in der Mitte ist Seevolk, mit Tauen beschäftigt, gelagert; über sie hinaus gewahrt man am Steuerbord Ritter und Knappen, ebenfalls gelagert; von ihnen etwas entfernt Tristan, mit verschränkten Armen stehend, und sinnend in das Meer blickend; zu Füssen ihm, nachlässig gelagert, Kurwenal)

Vom Maste her, aus der Höhe,
vernimmt man wieder die


STIMME DES JUNGEN SEEMANNS

Frisch weht der Wind
der Heimat zu:
mein irisch Kind,
wo weilest du?
Sind's deiner Seufzer Wehen,
die mir die Segel blähen?
Wehe, wehe, du Wind!
Weh, ach wehe, mein Kind!

ISOLDE
(deren Blick sogleich Tristan
fand und starr auf ihn geheftet blieb,
dumpf für sich)


Mir erkoren,
mir verloren,
hehr und heil,
kühn und feig!
Todgeweihtes Haupt!
Todgeweihtes Herz!

(zu Brangäne, unheimlich lachend)

Was hältst du von dem Knechte?

BRANGÄNE
(ihrem Blicke folgend)
Wen meinst du?

ISOLDE
Dort den Helden,
der meinem Blick
den seinen birgt,
in Scham und Scheue
abwärts schaut.
Sag, wie dünkt er dich?

BRANGÄNE
Frägst du nach Tristan,
teure Frau?
SCENE TWO

The previous characters. Tristan. Kurwenal. Sailors. Knights and Squires.

(The length of the ship can be seen as far as the helm and over the stern out to sea towards the horizon. Sitting on deck around the main mast are sailors working on the rigging lines; beyond them, on the poop, can be seen knights and squires at rest; at some distance from them stands Tristan, his arms folded, gazing pensively out to sea; at his feet reclines Kurwenal, relaxed.)

From above, from the masthead
we hear again the


VOICE OF THE YOUNG SAILOR

Freshly the wind blows
towards home:
my Irish child,
where are you now?
Is it your wafting sighs
that swell my sails?
Blow, blow, you wind!
Ah, alas, my child!

ISOLDE
(whose gaze immediatly falls on Tristan,
and remains coldly fixed on him,
to herself in a hollow voice)


Chosen for me,
lost to me,
splendid and strong,
bold and cowardly!
Head destined for death!
Heart destined for death!

(to Brangaene, with a dismal laugh)

What do you think of the upstart?

BRANGAENE
(following her gaze)
Whom do you mean?

ISOLDE
The hero there,
diverting his gaze
from mine,
in shame and awe
his eyes cast down.
Tell me, how does he strike you?

BRANGAENE
Do you mean Tristan,
dear lady,
dem Wunder aller Reiche,
dem hochgepriesnen Mann,
dem Helden ohne Gleiche,
des Ruhmes Hort und Bann?

ISOLDE
(sie verhöhnend)
Der zagend vor dem Streiche
sich flüchtet, wo er kann,
weil eine Braut er als Leiche
für seinen Herrn gewann!
Dünkt es dich dunkel,
mein Gedicht?
Frag ihn denn selbst,
den freien Mann,
ob mir zu nahn er wagt?
Der Ehren Gruss
und zücht'ge Acht
vergisst der Herrin
der zage Held,
dass ihr Blick ihn nur nicht erreiche,
den Helden ohne Gleiche!
Oh, er weiss
wohl, warum!
Zu dem Stolzen geh,
meld ihm der Herrin Wort!
Meinem Dienst bereit,
schleunig soll er mir nahn.

BRANGÄNE
Soll ich ihn bitten,
dich zu grüssen?

ISOLDE
Befehlen liess
dem Eigenholde
Furcht der Herrin
ich, Isolde!

(Auf Isoldes gebieterischen Wink entfernt sich Brangäne und schreitet verschämt dem Deck entlang dem Steuerbord zu, an den arbeitenden Seeleuten vorbei. Isolde, mit starrem Blicke ihr folgend, zieht sich rücklings nach dem Ruhebett zurück, wo sie sitzend während des Folgenden bleibt, das Auge unabgewandt nach dem Steuerbord gerichtet)

KURWENAL
(der Brangäne kommen sieht,
zupft, ohne sich zu erheben,
Tristan am Gewande)


Hab acht, Tristan!
Botschaft von Isolde.

TRISTAN
(auffahrend)
the marvel of all kingdoms,
supremely acclaimed above all others,
the hero without peer,
the shield and guardian of reputation?

ISOLDE
(mocking her)
Who timidly flees
from the blow whenever he can,
because he has won a corpse as a bride
for his master!
Do you think it sinister,
my tale?
Ask him yourself, then,
the free man,
whether he dares to approach me!
This bashful hero forgets
the correct address demanded by honour
and well-bred attention
to his mistress,
lest her gaze fall upon him,
the hero without peer.
Oh, he knows
well why!
To the proud one go
and tell him what your mistress says:
ready to attend me,
he is to come to me at once.

BRANGAENE
Am I to ask him
to bid you greeting?

ISOLDE
Let my command
teach the vainglorious one
to fear his mistress,
Isolde!

(At Isolde's premptory wave Brangaene withdraws and, abashed, walks along the deck, past the crew at their work, to the helm. Isolde, following her with a wild gaze, moves back towards the couch, where she remains seated during the following action, her eyes unswervingly fixed on the helm)

KURWENAL
(who sees Brangaene coming,
tugs, without getting up,
at Tristan's garment)


Watch out, Tristan,
an envoy from Isolde.

TRISTAN
(starting up)
Was ist? Isolde? -

(Er fasst sich schnell, als Brangäne
vor ihm anlangt und sich verneigt)


Von meiner Herrin?
Ihr gehorsam,
was zu hören
meldet höfisch
mir die traute Magd?

BRANGÄNE
Mein Herre Tristan,
euch zu sehen
wünscht Isolde,
meine Frau.

TRISTAN
Grämt sie die lange Fahrt,
die geht zu End';
eh' noch die Sonne sinkt,
sind wir am Land.
Was meine Frau mir befehle,
treulich sei's erfüllt.

BRANGÄNE
So mög Herr Tristan
zu ihr gehn:
das ist der Herrin Will'.

TRISTAN
Wo dort die grünen Fluren
dem Blick noch blau sich färben,
harrt mein König
meiner Frau:
zu ihm sie zu geleiten,
bald nah ich mich der Lichten:
keinem gönnt' ich
diese Gunst.

BRANGÄNE
Mein Herre Tristan,
höre wohl:
deine Dienste
will die Frau,
dass du zur Stell ihr nahtest
dort, wo sie deiner harrt.

TRISTAN
Auf jeder Stelle,
wo ich steh,
What? Isolde?

(He quickly composes himself and Brangaene
comes up to him and makes obeisance)


From my lady?
What has the faithful maid,
obedient to her,
courteously come
to tell me?

BRANGAENE
Tristan, my lord,
to see you
is the wish of Isolde,
my lady.

TRISTAN
If the long voyage irks her,
it is near its end!
Before the sun sets
we shall reach land.
May whatever my lady commands
be faithfully carried out.

BRANGAENE
Lord Tristan
is to go to her,
that is my lady's will.

TRISTAN
There where the green pastures
still appear blue to the eye,
my King is waiting
for my lady;
to escort her to him
I shall soon approach the radiant one:
to none other would I grant
this grace.

BRANGAENE
My lord. Tristan,
listen well.
The lady
requires you to attend her,
and to proceed
to where she awaits you.

TRISTAN
On this spot
where I am standing
getreulich dien ich ihr,
der Frauen höchster Ehr';
liess ich das Steuer
jetzt zur Stund',
wie lenkt' ich sicher den Kiel
zu König Markes Land?

BRANGÄNE
Tristan, mein Herre!
Was höhnst du mich?
Dünkt dich nicht deutlich
die tör'ge Magd,
hör meiner Herrin Wort!
So, hiess sie, sollt ich sagen:
Befehlen liess
dem Eigenholde
Furcht der Herrin
sie, Isolde.

KURWENAL
(aufspringend)
Darf ich die Antwort sagen?

TRISTAN
(ruhig)
Was wohl erwidertest du?

KURWENAL
Das sage sie
der Frau Isold'!
Wer Kornwalls Kron'
und Englands Erb'
an Irlands Maid vermacht,
der kann der Magd
nicht eigen sein,
die selbst dem Ohm er schenkt.
Ein Herr der Welt
Tristan der Held!
Ich ruf's: du sag's, und grollten
mir tausend Frau Isolden!

(Da Tristan durch Gebärden ihm
zu wehren sucht und Brangäne entrüstet
sich zum Weggehen wendet, singt
Kurwenal der zögernd sich Entfernenden
mit höchster Stärke nach:)


"Herr Morold zog
zu Meere her,
in Kornwall Zins zu haben;
ein Eiland schwimmt
I serve her faithfully,
the most honourable lady;
were I to leave the helm
at this very hour,
how could I safely steer the craft
to King Mark's land?

BRANGAENE
Tristan, my lord,
why do you mock me?
If the foolish maid
cannot make it clear,
then hear my lady's words!
Thus, she said, I should speak to you:
Let her command
teach the vainglorious one
to fear his mistress,
Isolde!

KURWENAL
(leaping up)
Can I give her her answer?

TRISTAN
(gently)
What would your answer be?

KURWENAL
Let her say this
to the lady Isolde!
He who Cornwall's crown
and England's succession
bestows upon the Irish girl,
he cannot be
in thrall to the maid,
he who gives her to his uncle.
A lord of the world,
Tristan the hero!
That's my call, that's what you'll say, though a
thousand Lady Isoldes should vent their rage upon me!

(As Tristan tries to subdue him
by gestures, and Brangaene indignantly
turns to leave, Kurwenal sings
after her with full voice
as she slowly moves away)


"Lord Morold went
off to sea
to exact tribute in Cornwall;
an island floats
auf ödem Meer,
da liegt er nun begraben!
Sein Haupt doch hängt
im Irenland,
als Zins gezahlt
von Engeland:
hei! unser Held Tristan,
wie der Zins zahlen kann!"

(Kurwenal, von Tristan fortgescholten, ist in den Schiffsraum hinabgestiegen; Brangäne in Bestürzung zu Isolde zurückgekehrt, schliesst hinter sich die Vorhänge, während die ganze Mannschaft aussen sich hören lässt)

ALLE MÄNNER
"Sein Haupt doch hängt
im Irenland,
als Zins gezahlt
von Engeland:
hei! unser Held Tristan,
wie der Zins zahlen kann!"



in the desolate seas,
there he now lies buried!
But his head is hanging
in Ireland
as tribute paid
to England:
hail to our hero, Tristan,
he knows how to exact tribute!"

(Kurwenal, rebuked by Tristan, has climbed down below deck; Brangaene has returned to Isolde in dismay and closed the curtain behind her, while outside the whole crew can be heard)

CREW
"But his head is hanging
in Ireland
as tribute paid
by England:
hail to our hero, Tristan,
he knows how to exact tribute!"



DRITTE SZENE

(Isolde und Brangäne allein, bei vollkommen wieder geschlossenen Vorhängen. Isolde erhebt sich mit verzweiflungsvoller Wutgebärde. Brangäne stürzt ihr zu Füssen)

BRANGÄNE
Weh, ach wehe!
Dies zu dulden!

ISOLDE
(dem furchtbarsten Ausbruche nahe,
schnell sich zusammenraffend)


Doch nun von Tristan!
Genau will ich's vernehmen.

BRANGÄNE
Ach, frage nicht!

ISOLDE
Frei sag's ohne Furcht!

BRANGÄNE
Mit höf'schen Worten
wich er aus.

ISOLDE
Doch als du deutlich mahntest?

BRANGÄNE
Da ich zur Stell
ihn zu dir rief:
wo er auch steh',
so sagte er,
getreulich dien er ihr,
der Frauen höchster Ehr';
liess' er das Steuer
jetzt zur Stund',
wie lenkt' er sicher den Kiel
zu König Markes Land?

ISOLDE
(schmerzlich bitter)
"Wie lenkt' er sicher den Kiel
zu König Markes Land?"

(grell und heftig)
Den Zins ihm auszuzahlen,
den er aus Irland zog!

SCENE THREE

(Isolde and Brangaene alone, all the curtains closed again. Isolde stands up with a gesture of hopeless rage. Brangaene falls at her feet)

BRANGAENE
Ah! Alas!
To suffer this!

ISOLDE
(on the point of a fearful outburst,
quickly pulls herself together)


Now, what of Tristan?
I want to know exactly!

BRANGAENE
Ah! do not ask!

ISOLDE
Tell me freely, without fear!

BRANGAENE
With courtly expressions
he evaded my words.

ISOLDE
But when you warned him clearly?

BRANGAENE
When I called him
here to you,
where he was standing,
he said,
he served you faithfully,
the most honourable lady;
were he to leave the helm
at this very hour,
how could he safely steer the craft
to King Mark's land?

ISOLDE
(bitter and hurt)
How could he safely steer the craft
to King Mark's land?

(harshly and violently)

To hand over to him the tribute
that he exacted from Ireland!

BRANGÄNE
Auf deine eignen Worte,
als ich ihm die entbot,
liess seinen Treuen Kurwenal! -

ISOLDE
Den hab ich wohl vernommen,
kein Wort, das mir entging.
Erfuhrest du meine Schmach,
nun höre, was sie mir schuf.

Wie lachend sie
mir Lieder singen,
wohl könnt auch ich erwidern!
Von einem Kahn,
der klein und arm
an Irlands Küste schwamm,
darinnen krank
ein siecher Mann
elend im Sterben lag.
Isoldes Kunst
ward ihm bekannt;
mit Heilsalben
und Balsamsaft
der Wunde, die ihn plagte,
getreulich pflag sie da.
Der "Tantris"
mit sorgender List sich nannte,
als Tristan
Isold' ihn bald erkannte,
da in des Müss'gen Schwerte
eine Scharte sie gewahrte,
darin genau
sich fügt' ein Splitter,
den einst im Haupt
des Iren-Ritter,
zum Hohn ihr heimgesandt,
mit kund'ger Hand sie fand.
Da schrie's mir auf
aus tiefstem Grund!
Mit dem hellen Schwert
ich vor ihm stund,
an ihm, dem Überfrechen,
Herrn Morolds Tod zu rächen.

Von seinem Lager
blickt' er her, -
nicht auf das Schwert,
nicht auf die Hand, -
er sah mir in die Augen.
Seines Elendes
BRANGAENE
At your own words,
when I repeated them to him,
his servant Kurwenal...

ISOLDE
I heard him,
not a word escaped me.
If you sensed my disgrace,
hear now what it meant for me.

As they mockingly sing
behind my back,
well might I make reply
about a boat
which, small and frail,
drifted along the irish coast.
In it a sick
and ailing man
lay miserably dying.
Isolde's crafts
became known to him;
with healing ointments
and soothing lotions,
the wound which tormented him
she faithfully nursed.
He who with sly cunning
called himself "Tantris"
Isolde soon recognised
as Tristan
since in his sword, as he lay there,
she perceived a notch
into which,
as she found with nimble fingers,
there fitted exactly a splinter
which once, in the head
of the Irish knight,
had been sent back to mock her.
Then a cry awoke
from the depths of my heart!
With the gleaming sword
I stood before him,
ready to averge on him, the presumptuous one,
Lord Morold's death.

From his bed,
he looked up -
not at the sword,
not at my hand -
he gazed into my eyes.
His wretchedness
jammerte mich; -
das Schwert - ich liess es fallen!
Die Morold schlug, die Wunde,
sie heilt' ich, dass er gesunde,
und heim nach Hause kehre, -
mit dem Blick mich nicht mehr beschwere!

BRANGÄNE
O Wunder! Wo hatt' ich die Augen?
Der Gast, den einst
ich pflegen half?

ISOLDE
Sein Lob hörtest du eben:
"Hei! unser Held Tristan" -
der war jener traur'ge Mann.
Er schwur mit tausend Eiden
mir ew'gen Dank und Treue!
Nun hör, wie ein Held
Eide hält!
Den als Tantris
unerkannt ich entlassen,
als Tristan
kehrt' er kühn zurück;
auf stolzem Schiff,
von hohem Bord,
Irlands Erbin
begehrt er zur Eh'
für Kornwalls müden König,
für Marke, seinen Ohm.
Da Morold lebte,
wer hätt' es gewagt
uns je solche Schmach zu bieten?
Für der zinspflicht'gen
Kornen Fürsten
um Irlands Krone zu werben!
Ach, wehe mir!
Ich ja war's,
die heimlich selbst
die Schmach sich schuf.
Das rächende Schwert,
statt es zu schwingen,
machtlos liess ich's fallen!
Nun dien ich dem Vasallen!

BRANGÄNE
Da Friede, Sühn' und Freundschaft
von allen ward beschworen,
wir freuten uns all' des Tags;
wie ahnte mir da,
dass dir es Kummer schüf'?
tormented me!
The sword - I dropped it!
The wound that Morold smote,
I healed it so that he recovered
and returned home...
do not accuse me with such a look!

BRANGAENE
How strange! Where were my eyes?
The guest that once
I helped to nurse?

ISOLDE
You have just heard his praises:
"Hey! Our Lord Tristan!"
He was that pathetic man.
With a thousand oaths he swore to me
eternal gratitude and loyalty.
Hear now how a hero
keeps his oath!
He whom, as Tantris,
I let go unidentified,
as Tristan
boldly soon returned;
on a proud ship,
from a lofty deck
he demanded the Irish successor
as a bride
for Cornwall's feeble king,
for Mark, his uncle.
If Morold were alive,
who would ever have dared
to bring such shame upon us?
For this vassal
prince of the Cornish
to suit for the crown of Ireland!
Ah, I am lost!
Yes, I it was
who, in secret, brought
the shame upon myself!
The avenging sword,
instead of wielding it,
I impotently let it fall!
Now I am in the vassal's bondage!

BRANGAENE
When peace, reconciliation and amity
were sworn by all,
we hailed the happy day.
How could I have foreseen
that it would cause you such grief?
ISOLDE
O blinde Augen!
Blöde Herzen!
Zahmer Mut,
verzagtes Schweigen!
Wie anders prahlte
Tristan aus,
was ich verschlossen hielt!
Die schweigend ihm
das Leben gab,
vor Feindes Rache
ihn schweigend barg;
was stumm ihr Schutz
zum Heil ihm schuf, -
mit ihr gab er es preis!
Wie siegprangend
heil und hehr,
laut und hell
wies er auf mich:
"Das wär ein Schatz,
mein Herr und Ohm;
wie dünkt euch die zur Eh'?
Die schmucke Irin
hol ich her;
mit Steg und Wegen
wohlbekannt,
ein Wink, ich flieg
nach Irenland:
Isolde, die ist euer! -
mir lacht das Abenteuer!"
Fluch dir, Verruchter!
Fluch deinem Haupt!
Rache! Tod!
Tod uns beiden!

BRANGÄNE
(mit ungestümer Zärtlichkeit
auf Isolde stürzend)


O Süsse! Traute!
Teure! Holde!
Goldne Herrin!
Lieb' Isolde!
(Sie zieht Isolde allmählich
nach dem Ruhebett)


Hör mich! Komme!
Setz dich her!
Welcher Wahn!
Welch eitles Zürnen!
wie magst du dich betören,
ISOLDE
Oh blind eyes!
Credulous heart!
Despairing silence,
feeble courage!
How differently
Tristan paraded
what I had kept concealed!
She who in silence
gave him his life,
from the enemy's fury
quietly hid him,
who silently lent
her sanctuary to save him,
both her and all that he abandoned!
Boasting of victory,
glorious and bold,
loud and clear
he pointed to me:
"There's a treasure,
my lord and uncle;
how about that for a wife?
This trim Irish girl
I'll bring back to you;
knowing well
the way,
with a wave I was off
to Ireland;
Isolde - she's yours!
What a splendid bit of adventure!"
Curse you, vile creature,
a curse upon your head!
Vengeance! Death!
Death for us both!

BRANGAENE
(impetuously and tenderly
embracing Isolde)


O sweet one, beloved!
Dearest! Beautiful one!
Golden mistress!
Dear Isolde!
(She gradually draws Isolde
to the couch)


Listen to me! Come!
Sit here!
What madness!
What vain anger!
How can you be so confused
nicht hell zu sehn noch hören?
Was je Herr Tristan
dir verdankte,
sag, konnt' er's höher lohnen,
als mit der herrlichsten der Kronen?
So dient' er treu
dem edlen Ohm;
dir gab er der Welt
begehrlichsten Lohn:
dem eignen Erbe,
echt und edel,
entsagt er zu deinen Füssen,
als Königin dich zu grüssen!

(Isolde wendet sich ab)

Und warb er Marke
dir zum Gemahl,
wie wolltest du die Wahl doch schelten,
muss er nicht wert dir gelten?
Von edler Art
und mildem Mut,
wer gliche dem Mann
an Macht und Glanz?
Dem ein hehrster Held
so treulich dient,
wer möchte sein Glück nicht teilen,
als Gattin bei ihm weilen?

ISOLDE
(starr vor sich hinblickend)
Ungeminnt
den hehrsten Mann
stets mir nah zu sehen,
wie könnt ich die Qual bestehen?

BRANGÄNE
Was wähnst du Arge?
Ungeminnt? -

(Sie nähert sich schmeichelnd
und kosend Isolde)

Wo lebte der Mann,
der dich nicht liebte?
der Isolde säh,
und in Isolden
selig nicht ganz verging?
Doch, der dir erkoren,
wär' er so kalt,
zög ihn von dir
ein Zauber ab:
as not to see or hear clearly?
What Lord Tristan
ever owed you,
how better could he repay it
than with the most splendid of crowns?
Thus could he loyally serve
his noble uncle.
To you he gave the world's
most desirable prize -
his own inheritance,
nobly and in good faith;
he relinquished it at your feet
to hail you as Queen!

(Isolde turns aside)

And if he secured Mark
as a husband for you,
why did you scorn the choice?
Can you not see its value?
Of noble blood
and gentle disposition,
who can compare with the man
in power and glory?
He whom a bold hero
so faithfully serves,
who might not share his fortune
and live beside him as his wife?

ISOLDE
(gazing ahead wildly)
Unloved, always
seeing near me
that splendid man!
How could I bear the torment?

BRANGAENE
What are you thinking of, wicked girl?
Unloved, always?

(She comes close,
reassuring and embracing Isolde)

Where is the man
who would not love you?
who could see Isolde
and not be blissfully consumed
in Isolde?
But he who chose you,
however cold he might be,
or if a spell
had turned him from you,
den bösen wüsst ich
bald zu binden;
ihn bannte der Minne Macht.

(mit geheimnisvoller Zutraulichkeit
ganz zu Isolde)


Kennst du der Mutter
Künste nicht?
Wähnst du, die alles
klug erwägt,
ohne Rat in fremdes Land
hätt' sie mit dir mich entsandt?

ISOLDE
(düster)
Der Mutter Rat
gemahnt mich recht;
willkommen preis ich
ihre Kunst: -
Rache für den Verrat, -
Ruh in der Not dem Herzen! -
Den Schrein dort bring mir her!

BRANGÄNE
Er birgt, was heil dir frommt.

(Sie holt eine kleine goldne
Truhe herbei,öffnet sie und deutet
auf ihren Inhalt)


So reihte sie die Mutter,
die mächt'gen Zaubertränke.
Für Weh und Wunden
Balsam hier;
für böse Gifte
Gegengift.
(Sie zieht ein Fläschen hervor)

Den hehrsten Trank,
ich halt' ihn hier.

I would know
how to constrain him.
The power of love would constrain him

(secretively and confidentially
to Isolde)


Do you not know our
mother's craft?
Do you imagine that she,
who considers everything,
would have sent me away with you
without means of help into foregin land?

ISOLDE
(darkly)
My mother's advice
is good counsel;
gladly I recognise the worth of
her craft.
Vengeance for the treachery!
Easement for the heart's distress!
Fetch me that chest over there!

BRANGAENE
What it contains will bring you relief.

(She fetches a small golden
chest, opens it
and shows its contents)


In this your mother arranged
the powerful magic draughts.
For pain and wounds
here is ointment;
for evil poisons
antidote
(She draws out a flask)

The finest draught
I keep here.

ISOLDE
Du irrst, ich kenn ihn besser;
ein starkes Zeichen
schnitt ich ihm ein.

(Sie ergreift ein Fläschen und zeigt es)
Der Trank ist's, der mir taugt!

BRANGÄNE
(weicht entsetzt zurück)
Der Todestrank!
(Isolde hat sich vom Ruhebett erhoben und vernimmt mit wachsendem Schrecken den Ruf des Schiffvolks)

SCHIFFSVOLK
(von aussen)
Ho! he! ha! he!
Am Untermast
die Segel ein!
Ho! he! ha! he!

ISOLDE
Das deutet schnelle Fahrt.
Weh mir! Nahe das Land!



ISOLDE
You are wrong, I know better;
I placed a clear sign
upon it.

(She takes a flash and shows it)
This is the potion that I need!

BRANGAENE
(starts back, horrified)
The death potion!
(Isolde has got up from the couch, and with growing terror hears the shouts of the crew)

CREW
(off)
Ho! hey! ha! hey!
Lower mast,
take in sail!
Ho! hey! ha! hey!

ISOLDE
That means a swift voyage.
Wretched that I am! Near to land!



VIERTE SZENE

Die Vorigen und Kurwenal

(Durch die Vorhänge tritt mit Ungestüm Kurwenal herein)

KURWENAL
Auf! Auf! Ihr Frauen!
Frisch und froh!
Rasch gerüstet!
Fertig nun, hurtig und flink!

(gemessener)

Und Frau Isolden
sollt ich sagen
von Held Tristan,
meinem Herrn:
Vom Mast der Freude Flagge,
sie wehe lustig ins Land;
in Markes Königsschlosse
mach sie ihr Nah'n bekannt.
Drum Frau Isolde
bät er eilen,
fürs Land sich zu bereiten,
dass er sie könnt geleiten.

ISOLDE
(nachdem sie zuerst bei der Meldung
in Schauer zusammengefahren,
gefasst und mit Würde)


Herrn Tristan bringe
meinen Gruss,
und meld ihm, was ich sage.
Sollt ich zur Seit' ihm gehen,
vor König Marke zu stehen,
nicht möcht es nach Zucht
und Fug geschehn,
empfing ich Sühne
nicht zuvor
für ungesühnte Schuld: -
drum such er meine Huld.

(Kurwenal macht eine trotzige Gebärde.
Isolde fährt mit Steigerung fort)


Du merke wohl,
und meld es gut!
Nicht woll ich mich bereiten,
ans Land ihn zu begleiten;
SCENE FOUR

The previous characters and Kurwenal

(Kurwenal enters boisterously through the curtains)

KURWENAL
Up! Up, you ladies!
Lively and cheerful!
Make ready!
Come along, smartly now!

(more formally)

And to Lady Isolde
I am to say
from Tristan the hero,
my lord:
From the mast the festive flag
is fluttering merrily towards land;
in Mark's royal castle
it announces its approach.
He therefore requests
Lady Isolde to hurry
and to prepare for landing
so that he may escort her.

ISOLDE
(after at first shrinking back in fear
at the message, composes herself
and, with dignity)


Convey to Lord Tristan
my greetings,
and tell him what I say:
If I am to walk at his side
to stand before King Mark,
it would not be done
with due propriety and custom
unless I received restitution
in advance
for guilt still unatoned.
Let him then seek my grace.

(Kurwenal grimaces sourly.
Isolde continues, more forcefully)


Mark it well
and report it true!
I will not make ready
to accompany him ashore,
nicht werd ich zur Seit' ihm gehen,
vor König Marke zu stehen;
begehrte Vergessen
und Vegeben
nach Zucht und Fug
er nicht zuvor
für ungebüsste Schuld: -
die böt' ihm meine Huld.

KURWENAL
Sicher wisst,
das sag' ich ihm;
nun harrt, wie er mich hört!

(Er geht schnell zurück. Isolde eilt auf Brangäne zu und umarmt sie heftig)

ISOLDE
Nun leb wohl, Brangäne!
Grüss mir die Welt,
grüsse mir Vater und Mutter!

BRANGÄNE
Was ist? Was sinnst du?
Wolltest du fliehn?
Wohin soll ich dir folgen?

ISOLDE
(fasst sich schnell)
Hörtest du nicht?
Hier bleib ich,
Tristan will ich erwarten.
Getreu befolg
was ich befehl,
den Sühnetrank
rüste schnell;
du weisst, den ich dir wies.

(Sie entnimmt dem Schrein das Fläschen)

BRANGÄNE
Und welchen Trank?

ISOLDE
Diesen Trank!
In die goldne Schale
giess ihn aus;
gefüllt fasst sie ihn ganz.

BRANGÄNE
(voll Grausen das Fläschen empfangend)
Trau ich dem Sinn?
I shall not walk at his side
to stand before King Mark;
he must first seek
forgiveness
and forgetting,
according to propriety and custom,
for unatoned guilt.
Such my grace would grant him!

KURWENAL
You may be sure
I shall tell him that;
now wait to hear how he receives it!

(He returns quikly to Tristan. Isolde hurries to Brangaene and embraces her impetuously)

ISOLDE
Now farewell, Brangaene!
Bid the world farewell for me,
bid my mother and father farewell!

BRANGAENE
What is this? What are you thinking of?
Do you intend to flee?
Whither am I to follow you?

ISOLDE
(quickly composes herself)
Did you nor hear me?
I shall stay here
and wait for Tristan.
Faithfully carry out
my orders,
the draught of reconciliation -
prepare it quickly;
you know, the one I showed you?

(She takes the flask from the chest)

BRANGAENE
Which draught?

ISOLDE
This draught!
Pour it out
into the golden goblet;
it will hold it all.

BRANGAENE
(in fear and trembling taking the flask)
Can I belive it?
ISOLDE
Sei du mir treu!

BRANGÄNE
Den Trank - für wen?

ISOLDE
Wer mich betrog.

BRANGÄNE
Tristan?

ISOLDE
Trinke mir Sühne!

BRANGÄNE
(zu Isoldes Füssen stürzend)
Entsetzen! Schone mich Arme!

ISOLDE
(sehr heftig)
Schone du mich,
untreue Magd!
Kennst du der Mutter
Künste nicht?
Wähnst du, die alles
klug erwägt,
ohne Rat in fremdes Land
hätt' sie mit dir mich entsandt?
Für Weh und Wunden
gab sie Balsam,
für böse Gifte
Gegengift:
für tiefstes Weh,
für höchstes Leid -
gab sie den Todestrank.
Der Tod nun sag ihr Dank!

BRANGÄNE
(kaum ihrer mächtig)
O tiefstes Weh!

ISOLDE
Gehorchst du mir nun?

BRANGÄNE
O höchstes Leid!

ISOLDE
Bist du mir treu?

ISOLDE
Be faithful to me!

BRANGAENE
That draught - for whom?

ISOLDE
Let him who betrayed me...

BRANGAENE
Tristan?

ISOLDE
...drink reconciliation!

BRANGAENE
(falling at Isolde's feet)
Horror! Have pity on me, poor wretch!

ISOLDE
(violently)
You should pity me,
faithless maid!
Do you not know
my mother's craft?
Do you imagine that she,
who considers everything,
would have sent me away with you
without means of help into a foregin land?
For pain and wounds
she gave ointment,
for evil potions
antidote;
For sharpest pain,
for extreme anguish
she gave the death potion.
Let Death now thank her.

BRANGAENE
(almost fainting)
Oh deepest woe!

ISOLDE
Will you obey me now?

BRANGAENE
Oh utmost grief!

ISOLDE
Will you be faithful to me?

BRANGÄNE
Der Trank?

KURWENAL
(eintretend)
Herr Tristan!

(Brangäne erhebt sich erschrocken und verwirrt. Isolde sucht mit furchtbarer Anstrengung sich zu fassen)

ISOLDE
(zu Kurwenal)
Herr Tristan trete nah!



BRANGAENE
That draught?

KURWENAL
(enters)
Lord Tristan!

(Brangaene rises, horrified and confused. Isolde tries, with great strain, to compose herself)

ISOLDE
(to Kurwenal)
Let Lord Tristan approach!



FÜNFTE SZENE

Tristan. Isolde. Brangäne. Später Kurwenal, Schiffsvolk, Ritter und Knappen

(Kurwenal geht wieder zurück. Brangäne, kaum ihrer mächtig, wendet sich in den Hintergrund, Isolde, ihr ganzes Gefühl zur Entscheidung zusammenfassend, schreitet langsam mit grosser Haltung dem Ruhebett zu, auf dessen Kopfende sich stützend sie den Blick fest dem Eingange zuwendet. - Tristan tritt ein und bleibt ehrerbietig am Eingange stehen. - Isolde ist mit furchtbarer Aufregung in seinen Anblick versunken. - Langes Schweigen)

SCENE FIVE

Tristan. Isolde. Brangaene. Then Kurwenal, Saylors, Knights and Squires

(Kurwenal withdraws. Brangaene, almost fainting, moves upstage. Isolde, summoning up all her strength for the crisis, moves slowly and with great dignity towards the couch and, leaning against it, fixes her gaze on the entrance. - Tristan enters and waits respectfully at the entrance. - Isolde, terribly agitated, is lost in beholding him. - Long silence)

TRISTAN
Begehrt, Herrin,
was Ihr wünscht.

ISOLDE
Wüsstest du nicht,
was ich begehre,
da doch die Furcht,
mir's zu erfüllen,
fern meinem Blick dich hielt?

TRISTAN
Ehrfurcht
hielt mich in Acht.

ISOLDE
Der Ehre wenig
botest du mir;
mit off'nem Hohn
verwehrtest du
Gehorsam meinem Gebot.

TRISTAN
Gehorsam einzig
hielt mich in Bann.

ISOLDE
So dankt' ich Geringes
deinem Herrn,
riet dir sein Dienst
Unsitte
gegen sein eigen Gemahl?

TRISTAN
Sitte lehrt,
wo ich gelebt:
zur Brautfahrt
der Brautwerber
meide fern die Braut.

ISOLDE
Aus welcher Sorg'?

TRISTAN
Fragt die Sitte!

ISOLDE
Da du so sittsam,
mein Herr Tristan,
auch einer Sitte
sei nun gemahnt:
TRISTAN
Demand, my lady,
what you wish.

ISOLDE
Surely you knew
what I demanded
when the fear
of fulfilling it
kept you from my sight?

TRISTAN
Respect
held me in awe.

ISOLDE
You showed me
little enough respect;
with blatant mockery
you refused
to obey my command.

TRISTAN
Obedience alone
constrained me.

ISOLDE
I have little
to thank your master for;
does his service require
ill-manners
towards his bride?

TRISTAN
Manners teach,
where I come from,
that on a courtship voyage
the suitor
should stay apart from the bride.

ISOLDE
For what reason?

TRISTAN
Look to manners!

ISOLDE
Since you are so mannerly,
my lord Tristan,
let me remind you
of more manners;
den Feind dir zu sühnen,
soll er als Freund dich rühmen.

TRISTAN
Und welchen Feind?

ISOLDE
Frag deine Furcht!
Blutschuld
schwebt zwischen uns.

TRISTAN
Die ward gesühnt.

ISOLDE
Nicht zwischen uns!

TRISTAN
Im offnen Feld
vor allem Volk
ward Urfehde geschworen.

ISOLDE
Nicht da war's,
wo ich Tantris barg,
wo Tristan mir verfiel.
Da stand er herrlich,
hehr und heil;
doch was er schwur,
das schwurt ich nicht:
zu schweigen hatt' ich gelernt.
Da in stiller Kammer
krank er lag,
mit dem Schwerte stumm
ich vor ihm stund:
schwieg da mein Mund,
bannt' ich meine Hand, -
doch was einst mit Hand
und Mund ich gelobt,
das schwur ich schweigend zu halten.
Nun will ich des Eides walten.

TRISTAN
Was schwurt ihr, Frau?

ISOLDE
Rache für Morold!

TRISTAN
Müht euch die?

to be reconcilied with an enemy
he must regard you as a friend.

TRISTAN
Which enemy?

ISOLDE
Ask your own fear!
A debt of blood
exists between us!

TRISTAN
It was atoned.

ISOLDE
Not between us!

TRISTAN
In an open field,
before all the people,
the peace was sworn.

ISOLDE
It was not there
that I hid Tantris,
and had Tristan in my power.
There he stood, glorious,
bold and strong;
but what he swore
I did not swear;
I had learned to keep silent.
When in my quiet chamber
he lay sick,
and I stood quietly
before him with the sword,
my lips were silent,
I held my hand -
but what once with my hands
and lips I praised
I swore to keep silent.
Now I will discharge my oath!

TRISTAN
What oath did you take, my lady?

ISOLDE
Vengeance for Morold!

TRISTAN
Does that concern you?

ISOLDE
Wagst du zu höhnen?
Angelobt war er mir,
der hehre Irenheld;
seine Waffen hatt' ich geweiht;
für mich zog er zum Streit.
Da er gefallen,
fiel meine Ehr':
in des Herzens Schwere
schwur ich den Eid,
würd' ein Mann den Mord nicht sühnen,
wollt' ich Magd mich des erkühnen.

Siech und matt
in meiner Macht,
warum ich dich da nicht schlug?
Das sag dir selbst mit leichtem Fug.
Ich pflag des Wunden,
dass den Heilgesunden
rächend schlüge der Mann,
der Isolde ihm abgewann.
Dein Los nun selber
magst du dir sagen!
Da die Männer sich all ihm vertragen,
wer muss nun Tristan schlagen?

TRISTAN
(bleich und düster)
War Morold dir so wert,
nun wieder nimm das Schwert
und führ es sicher und fest,
dass du nicht dir's entfallen lässt!

(Er reicht ihr sein Schwert dar)

ISOLDE
Wie sorgt' ich schlecht
um deinen Herren;
was würde König
Marke sagen,
erschlüg' ich ihm
den besten Knecht,
der Kron und Land ihm gewann,
den allertreusten Mann?
Dünkt dich so wenig,
was er dir dankt,
bringst du die Irin
ihm als Braut,
dass er nicht schölte,
schlüg' ich den Werber,
der Urfehde-Pfand
ISOLDE
Do you dare mock?
He was betrothed to me,
the bold Irish hero.
I had blessed his weapons,
for me he went into battle.
When he fell
my honour fell too.
With heavy heart
I took the oath, swearing
that if a man did not atone for his murder,
I, the maid, would venture to do so.

Sickly and feeble,
in my power,
why did I not strike you down then?
You know well why that was so.
I nursed his wounds
so that, restored to strength,
he would be slain in vengeance by that man
who had won Isolde from him.
But now you yourself
can speak your lot!
Since all men have bound themselves to him,
who now has to slay Tristan?

TRISTAN
(pale and gloomy)
If Morold meant so much to you,
now take the sword again
and wield it sure and strong
so that it does not fall from your hand.

(He proffers her his sword)

ISOLDE
What scant regard I should have
for your Lord;
what would King
Mark say
were I to slay
his finest vassal
who won for him crown and lands,
that most faithful man?
Do you value so lightly
what he owes you,
bringing the irish maid
to him as his bride?
Would he not reproach me
if I slew the suitor
who so faithfully delivered
so treu ihm liefert zur Hand?
Wahre dein Schwert!
Da einst ich's schwang,
als mir die Rache
im Busen rang: -
als dein messender Blick
mein Bild sich stahl,
ob ich Herrn Marke
taug als Gemahl: -
das Schwert - da liess ich's sinken.
Nun lass uns Sühne trinken!

(Sie winkt Brangäne. Diese schaudert zusammen, schwankt und zögert in ihrer Bewegung. Isolde treibt sie mit gesteigerter Gebärde an. Brangäne lässt sich zur Bereitung des Trankes an)

SCHIFFSVOLK
(von aussen)
Ho! he! ha! he!
Am Obermast
die Segel ein!
Ho! he! ha! he!

TRISTAN
(aus düsterem Brüten auffahrend)
Wo sind wir?

ISOLDE
Hart am Ziel!
Tristan, gewinn ich die Sühne?
Was hast du mir zu sagen?

TRISTAN
(finster)
Des Schweigens Herrin
heisst mich schweigen: -
fass' ich, was sie verschwieg,
verschweig ich, was sie nicht fasst.

ISOLDE
Dein Schweigen fass' ich,
weichst du mir aus.
Weigerst du die Sühne mir?

(Neue Schiffsrufe)

(Auf Isoldes ungeduldigen Wink reicht Brangäne ihr die gefüllte Trinkschale)


ISOLDE
(mit dem Becher zu Tristan tretend,
der ihr starr in die Augen blickt)


Du hörst den Ruf?
into his hands the treaty's bond?
Put up your sword!
When I wielded it before,
when vengeance
tore at my breast,
when your measuring gaze
stole my likeness, to see
if I would suit King Mark
as a wife,
the sword - I let it sink.
Let us now drink reconciliation!

(She makes a sign to Brangaene. Brangaene shudders, wavers and hesitates. Isolde urges her on with more emphatic gestures. Brangaene turns to prepare the draught)

CREW
(from outside)
Ho! hey! ha! hey!
Upper mast,
take in sail!
Ho! hey! ha! hey!

TRISTAN
(starting out of gloomy broodings)
Where are we?

ISOLDE
Hard by our goal!
Tristan, do I win reconciliation?
What have you to say to me?

TRISTAN
(darkly)
The mistress of silence
bids me say nothing.
If I grasp what she concealed,
I shall conceal what she does not grasp.

ISOLDE
I can grasp your silence!
You are evading me.
Do you refuse to make atonement?

(New cries of sailors)

(At Isolde's emphatic gesture, Brangaene hands her the filled goblet)


ISOLDE
(going over with the goblet to Tristan,
who gazes coldly into her eyes)


Can you hear their cries?
Wir sind am Ziel: -
In kurzer Frist
stehn wir -
(mit leisem Hohne)

vor König Marke.
Geleitest du mich,
dünkt dich's nicht lieb,
darfst du so ihm sagen?
"Mein Herr und Ohm,
sieh die dir an:
ein sanftres Weib
gewännst du nie.
Ihren Angelobten
erschlug ich ihr einst,
sein Haupt sandt' ich ihr heim;
die Wunde, die
seine Wehr mir schuf,
die hat sie hold geheilt;
mein Leben lag
in ihrer Macht: -
das schenkte mir
die holde Magd
und ihres Landes
Schand und Schmach,
die gab sie mit darein,
dein Ehgemahl zu sein.
So guter Gaben
holden Dank
schuf mir ein süsser
Sühnetrank;
den bot mir ihre Huld,
zu sühnen alle Schuld."

SCHIFFSVOLK
(aussen)
Auf das Tau!
Anker ab!

TRISTAN
(wild auffahrend)
Los den Anker!
Das Steuer dem Strom!
Den Winden Segel und Mast! -

(Er entreisst ihr die Trinkschale)
Wohl kenn ich Irlands
Königin
und ihrer Künste
Wunderkraft.
Den Balsam nützt' ich,
We have arrived.
Before long
we still be standing


before King Mark.
When you escort me,
would it not be good
if you were to speak to him thus:
"My lord and uncle,
look upon her.
A more gentle wife
you would never have won.
Her betrothed
I once slew,
his head I sent home to her.
The wounds which
his arms inflicted
she tenderly healed.
My life lay
in her power;
the gentle maid
gave it to me,
and her land's
shame and disgrace
she gave me with it,
to be your consort.
Gracious thanks
for such sweet gifts
were awakened in me by a sweet
draught of reconciliation.
In it was contained her grace
which absolved me from all guilt."

CREW
(off)
Haul away!
Anchor away!

TRISTAN
(staring up wildly)
Anchor away!
Into the tide!
Sails and mast to the wind!

(He seizes the goblet from her)
Well I know
Ireland's queen
and the wondrous power
of her craft.
I used the ointment
den sie bot:
den Becher nehm ich nun,
dass ganz ich heut genese.
Und achte auch
des Sühne-Eids,
den ich zum Dank dir sage!
Tristans Ehre -
höchste Treu'!
Tristans Elend -
kühnster Trotz!
Trug des Herzens!
Traum der Ahnung!
Ew'ger Trauer
einz'ger Trost:
Vergessens güt'ger Trank, -
dich trink ich sonder Wank!

(Er setzt an und trinkt)

ISOLDE
Betrug auch hier?
Mein die Hälfte!

(Sie entwindet ihm den Becher)

Verräter! Ich trink sie dir!

(Sie trinkt. Dann wirft sie die Schale fort. - Beide, von Schauder erfasst, blicken sich mit höchster Aufregung, doch mit starrer Haltung, unverwandt in die Augen, in deren Ausdruck der Todestrotz bald der Liebesglut weicht. - Zittern ergreift sie. Sie fassen sich krampfhaft an das Herz - und führen die Hand wieder an die Stirn. - Dann suchen sie sich wieder mit dem Blick, senken ihn verwirrt und heften ihn wieder mit steigender Sehnsucht aufeinander)

ISOLDE
(mit bebender Stimme)
Tristan!

TRISTAN
(überströmend)
Isolde!

ISOLDE
(an seine Brust sinkend)
Treuloser Holder!

TRISTAN
(mit Glut sie umfassend)
Seligste Frau!

(Sie verbleiben in stummer Umarmung)
(Aus der Ferne vernimmt man Trompeten, von aussen auf dem Schiffe den Ruf der)


that she offered.
I shall take the goblet
that I may be fully cleansed.
And witness too
the oath of reconciliation
which I take, in gratitude to you.
Tristan's honour,
utter loyalty!
Tristan's misery,
keenest defiance!
Heart's deceit,
wishful dreaming!
The only consolation
in eternal mourning.
Beneficent draught of forgetsulness,
I drain you unweaveringly!

(He takes the goblet and drinks)

ISOLDE
Treachery here too?
Half is mine!

(She snatches the goblet)

Traitor! I drink to you!

(She drinks. Then she throws the goblet aside. In the grip of terror, they gaze steadily into each other's eyes in utmost agitation, but unmoving. In their eyes deadly defiance gives way to the glow of love. They are seized with trembling. They clutch convulsively at their hearts and raise their hands to their heads. Then their eyes seek out one another, are cast down again in confusion, and meet again with growing desire)

ISOLDE
(her voice trembling)
Tristan!

TRISTAN
(overcome)
Isolde!

ISOLDE
(sinking on his breast)
Faithless darling!

TRISTAN
(ardently embracing her)
Blessed lady!

(They remain in silent embrace)
(In the distance trumpets are heard)


MÄNNER
Heil! König Marke Heil!

BRANGÄNE
(die, mit abgewandtem Gesicht,
voll Verwirrung und Schauder
sich über den Bord gelehnt hatte,
wendet sich jetzt dem Anblick des
in Liebesumarmung versunkenen
Paares zu und stürzt händeringend
voll Verzweiflung in den Vordergrund)


Wehe! Weh!
Unabwendbar
ew'ge Not
für kurzen Tod!
Tör'ger Treue
trugvolles Werk
blüht nun jammernd empor!

(Tristan und Isolde fahren aus der Umarmung auf)

TRISTAN
(verwirrt)
Was träumte mir
von Tristans Ehre?

ISOLDE
Was träumte mir
von Isoldes Schmach?

TRISTAN
Du mir verloren?

ISOLDE
Du mich verstossen?

TRISTAN
Trügenden Zaubers
tückische List!

ISOLDE
Törigen Zürnens
eitles Dräu'n!

TRISTAN
Isolde!

ISOLDE
Tristan!

MEN'S VOICE
Hail! Hail King Mark!

BRANGAENE
(looking away in confusion and terror,
has leaned over the rail,
now turns to see the couple
clasped in a loving embrace
and moves downstage,
wringing her hands
in despair)


Ah! Alas!
Inescapable
eternal misery
instead of an early death!
The deceiving effects
of foolish loyalty
now bear their miserable fruit.

(Tristan and Isolde start out of their embrace)

TRISTAN
(bewildered)
What was my dream
of Tristan's honour?

ISOLDE
What was my dream
of Isolde's disgrace?

TRISTAN
You lost to me?

ISOLDE
You rejecting me?

TRISTAN
Deceitful magic's
sly cunning!

ISOLDE
Foolish anger's
vain threats.

TRISTAN
Isolde!

ISOLDE
Tristan!

TRISTAN
Süsseste Maid!

ISOLDE
Trautester Mann!

BEIDE
Wie sich die Herzen
wogend erheben!
Wie alle Sinne
wonnig erbeben!
Sehnender Minne
schwellendes Blühen,
schmachtender Liebe
seliges Glühen!
Jach in der Brust
jauchzende Lust!
Isolde! Tristan!
Welten entronnen,
du mir gewonnen!
Du mir einzig bewusst,
höchste Liebeslust!

(Die Vorhänge werden weit auseinander gerissen; das ganze Schiff ist mit Rittern und Schiffsvolk bedeckt, die jubelnd über Bord winken, dem Ufer zu, das man, mit einer hohen Felsenburg gekrönt, nahe erblickt. Tristan und Isolde bleiben, in ihrem gegenseitingen Anblick verloren, ohne Wahrnehmung des um sie Vorgehenden)

BRANGÄNE
(zu den Frauen, die auf ihren Wink
aus dem Schiffsraum heraufsteigen)


Schnell, den Mantel,
den Königsschmuck!

(Zwischen Tristan und Isolde stürzend)

Unsel'ge! Auf!
Hört, wo wir sind!

(Sie legt Isolde, die es nicht gewahrt,
den Königsmantel an)


ALLE MÄNNER
Heil! Heil! Heil!
König Marke Heil!
Heil dem König!

KURWENAL
(lebhaft herantretend)
Heil Tristan,
glücklicher Held!
Mit reichem Hofgesinde,
dort auf Nachen
TRISTAN
Sweetest girl!

ISOLDE
Dearest man!

TOGETHER
How our hearts
are borne aloft!
How all our senses
pulsate with bliss!
Longing devotion's
burgeoning blossoms,
yearning love's
blessed glow!
My breast bursting
with exultant delight!
Isolde! Tristan!
Broken free of the world,
won for me!
You my only awareness,
utmost rapture of love!

(The curtains are pulled apart, the whole ship is crowded with knights and sailors waving joyfully over the side towards the shore which can be seen close by, with a high, rocky fortress. Tristan and Isolde remain lost in gazing at one another, unaware of what is happening arounf them)

BRANGAENE
(to the ladies who, at her command,
have come up from below deck)


Quickly, the mantle here,
the royal raiment!

(rushing between Tristan and Isolde)

Hapless ones! Come!
Listen, don't you hear where we are?

(She places the royal mantle about Isolde,
who does not notice it)


ALL THE MEN
Hail! Hail! Hail!
Hail to King Mark!
Long live the King!

KURWENAL
(entering briskly)
Hail Tristan,
fortunate hero!
With a splendid retinue
there, on the boat,
naht Herr Marke.
Hei! wie die Fahrt ihn freut,
dass er die Braut sich freit!

TRISTAN
(in Verwirrung aufblickend)
Wer naht?

KURWENAL
Der König!

TRISTAN
Welcher König?

(Kurwenal deutet über Bord)

ALLE MÄNNER
(die Hüte schwenkend)
Heil! König Marke Heil!

(Tristan starrt wie sinnlos nach dem Lande)

ISOLDE
(in Verwirrung)
Was ist, Brangäne?
Welcher Ruf?

BRANGÄNE
Isolde! Herrin!
Fassung nur heut!

ISOLDE
Wo bin ich? Leb ich?
Ha! Welcher Trank?

BRANGÄNE
(verzweiflungsvoll)
Der Liebestrank.

ISOLDE
(starrt entsetzt auf Tristan)
Tristan!

TRISTAN
Isolde!

ISOLDE
Muss ich leben?

(Sie stürzt ohnmächtig an seine Brust)

Lord Mark is approaching.
Ah, how the journey delights him,
winning a bride.

TRISTAN
(bewildered, looking up)
Who is approaching?

KURWENAL
The King!

TRISTAN
Which King?

(Kurwenal points over the side)

ALL THE MEN
(waving their caps)
Hail! Hail King Mark!

(Tristan stares blankly at the shore)

ISOLDE
(confused)
What is it, Brangaene?
What are they calling out?

BRANGAENE
Isolde, my lady,
Compose yourself, if only for today!

ISOLDE
Where am I? Am I alive?
Ah! What was that draught?

BRANGAENE
(in despair)
The love potion.

ISOLDE
(stares at Tristan, horrified)
Tristan!

TRISTAN
Isolde!

ISOLDE
Must I live on?

(She falls on his breast, unconscious)

BRANGÄNE
(zu den Frauen)
Helft der Herrin!

TRISTAN
O Wonne voller Tücke!
O truggeweihtes Glücke!

ALLE MÄNNER
(Ausbruch allgemeinen Jauchzens)
Kornwall Heil!

(Trompeten vom Lande her)

(Leute sind über Bord gestiegen, andere haben eine Brücke ausgelegt, und die Haltung aller deutet auf die soeben bevorstehende Ankunft der Erwarteten, als der Vorhang schnell fällt)




BRANGAENE
(to the ladies)
Help our mistress!

TRISTAN
Oh spiteful bliss!
Oh happiness in thrall to deceit!

ALL THE MEN
(breaking into general rejoicing)
Cornwall! Hail!

(Trumpets from the shore)

(People have climbed aboard, others have put out the gangplank, and the general activity indicates the immediately awaited arrival of the King's train, as the curtain quickly falls)




ZWEITER AUFZUG

EINLEITUNG

ERSTE SZENE

Isolde. Brangäne.

(Garten mit hohen Bäumen vor dem Gemach Isoldes, zu welchem, seitwärts gelegen, Stufen hinaufführen. Helle, anmutige Sommernacht. An der geöffneten Türe ist eine brennende Fackel aufgesteckt. - Jagdgetön. Brangäne, auf den Stufen am Gemach, späht dem immer entfernter vernehmbaren Jagdtrosse nach. Zu ihr tritt aus dem Gemach, feurig bewegt, Isolde)

ISOLDE
Hörst du sie noch?
Mir schwand schon fern der Klang.

BRANGÄNE
(lauschend)
Noch sind sie nah; -
deutlich tönt's daher.

ACT TWO

PRELUDE

SCENE ONE

Isolde. Brangaene.

(A garden with tall trees in front of Isolde's apartments with steps leading up to it at one side. A clear, pleasant summer's night. At the open door is placed a burning torch. Sounds of hunting. Brangaene, on the steps to the apartments, looks out after the hunting party as their sounds fade away into the distance. Isolde comes out of the apartments in wild agitation and comes up to her)

ISOLDE
Can you still hear them?
Thay are out of my hearing already.

BRANGAENE
(listening)
They are still near;
I can hear them clearly.

ISOLDE
(lauschend)
Sorgende Furcht
beirrt dein Ohr.
Dich täuscht des Laubes
säuselnd Getön',
das lachend schüttelt der Wind.

BRANGÄNE
Dich täuscht des Wunsches
Ungestüm,
zu vernehmen, was du wähnst.

(Sie lauscht)

Ich höre der Hörner Schall.

ISOLDE
(wieder lauschend)
Nicht Hörnerschall
tönt so hold,
des Quelles sanft
rieselnde Welle
rauscht so wonnig daher.
Wie hört' ich sie,
tosten noch Hörner?
Im Schweigen der Nacht
nur lacht mir der Quell.
Der meiner harrt
in schweigender Nacht,
als ob Hörner noch nah dir schallten,
willst du ihn fern mir halten?

BRANGÄNE
Der deiner harrt, -
o hör mein Warnen! -
des harren Späher zur Nacht.
Weil du erblindet,
wähnst du den Blick
der Welt erblödet für euch?
Da dort an Schiffes Bord
von Tristans bebender Hand
die bleiche Braut,
kaum ihrer mächtig,
König Marke empfing,
als alles verwirrt
auf die Wankende sah,
der güt'ge König,
mild besorgt,
die Mühen der langen Fahrt,
die du littest, laut beklagt': -
ISOLDE
(listening)
Anxious fears
confuse your ear.
You are misled by the grove's
whisperings,
laughingly rustling in the wind.

BRANGAENE
You are misled by your
impetuous desires
into hearing what you imagine.

(She listens)

I can hear the horns calling.

ISOLDE
(listening again)
The calling of horns
does not sound so sweet,
it is the stream's gently
murmuring waves
flowing along so gaily.
How could I hear that
if horns were still calling?
In the still of the night it
is just stream that laughs with me.
He who is waiting for me
in the silence of the night,
as if horns still sounded nearby,
do you want to keep him for me?

BRANGAENE
He who is waiting for you -
oh, listen to my warning -
spies lie in wait for him at night!
Because you are so blinded
do you imagine that the sight
of the world has been dimmed for you too?
When, on board ship,
from Tristan's trembling hand
the pallid bride,
scarcely conscious,
was received by King Mark,
when everybody bemusedly watched
her wavering there,
the kingly King,
with gentle concern,
loudly bewailed the trials
of the voyage which you had undergone.
ein einz'ger war's,
ich achtet' es wohl,
der nur Tristan fasst' ins Auge;
mit böslicher List
lauerndem Blick
sucht' er in seiner Miene
zu finden, was ihm diene.
Tückisch lauschend
treff ich ihn oft: -
der heimlich euch umgarnt,
vor Melot seid gewarnt!

ISOLDE
Meinst du Herrn Melot?
O, wie du dich trügst!
Ist er nicht Tristans
treuester Freund?
Muss mein Trauter mich meiden,
dann weilt er bei Melot allein.

BRANGÄNE
Was mir ihn verdächtig,
macht dir ihn teuer!
Von Tristan zu Marke
ist Melots Weg; -
dort sät er üble Saat.
Die heut im Rat
dies nächtliche Jagen
so eilig schnell beschlossen,
einem edlern Wild,
als dein Wähnen meint,
gilt ihre Jägerslist.

ISOLDE
Dem Freund zulieb
erfand diese List
aus Mitleid
Melot, der Freund.
Nun willst du den Treuen schelten?
Besser als du
sorgt er für mich;
ihm öffnet er,
was mir du sperrst.
O spar mir des Zögerns Not!
Das Zeichen, Brangäne!
O gib das Zeichen!
Lösche des Lichtes
letzten Schein!
Dass ganz sie sich neige,
winke der Nacht.
Schon goss sie ihr Schweigen
But there was one,
as I clearly perceived,
who looked only into Tristan's eyes.
With a threatening gaze
full of malevolent guile
he sought to find in his expression
whatever would serve his purpose.
Spitefully listening
I have often found him.
Of him who secretly sets snares for you both,
of Melot, be warned!

ISOLDE
Do you mean Lord Melot?
Oh, how mistaken you are!
Is he not Tristan's
dearest friend?
If my beloved cannot be with me,
then he is only in Melot's company.

BRANGAENE
What makes me suspect him
makes him dear to you!
From Tristan to Mark
is Melot's path:
there he sows malignant seeds.
Those who decided today
on this night hunt,
so promptly and quickly planned,
have a nobler quarry
than you imagine
as the target of their huntsmen's cunning.

ISOLDE
For his friend's sake,
out of sympathy,
Melot his friend
managed this ruse.
Do you now scold this faithful friend?
Better than you
does he care for me;
to him he opens up
what you bar to me.
Oh, spare me the distress of further delay!
The signal, Brangaene!
Oh, give the signal!
Extinguish the light's
last glimmer!
That it may fall completely,
give Night its signal!
Already its silence has flowed
durch Hain und Haus,
schon füllt sie das Herz
mit wonnigem Graus.
O lösche das Licht nun aus!
Lösche den scheuchenden Schein!
Lass meinen Liebsten ein!

BRANGÄNE
O lass die warnende Zünde,
lass die Gefahr sie dir zeigen!
O wehe! Wehe!
Ach mir Armen!
Des unseligen Trankes!
Dass ich untreu
einmal nur
der Herrin Willen trog!
Gehorcht' ich taub und blind,
dein Werk
war dann der Tod.
Doch deine Schmach,
deine schmählichste Not, -
mein Werk,
muss ich Schuld'ge es wissen!

ISOLDE
Dein Werk?
O tör'ge Magd!
Frau Minne kenntest du nicht?
Nicht ihres Zaubers Macht?
Des kühnsten Mutes
Königin?
des Weltenwerdens
Wälterin?
Leben und Tod
sind untertan ihr,
die sie webt aus Lust und Leid,
in Liebe wandelnd den Neid.
Des Todes Werk,
nahm ich's vermessen zur Hand, -
Frau Minne hat es
meiner Macht entwandt.
Die Todgeweihte
nahm sie in Pfand,
fasste das Werk
in ihre Hand.
Wie sie es wendet,
wie sie es endet,
was sie mir küre,
wohin mich führe,
ihr ward ich zu eigen:
num lass mich Gehorsam zeigen!
through the groves and the house,
already it fills the heart
with ecstatic terror!
Oh, extinguish the light now,
extinguish its dread rays!
Let my beloved come!

BRANGAENE
Oh, leave the warning flame,
let it show you the danger!
Ah, alas!
How wretched I am!
The hapless potion!
That, unfaithful
just once, I
betrayed my mistress's will!
Had I obeyed, deaf and blind,
your work
would have been death!
But your disgrace,
your ignominious distress
are my work,
and I, the guilty one, must know it!

ISOLDE
Your work!
Oh, foolish maid!
Do you not know the Love Spirit,
not know her magic's power?
The Queen
of boldest courage,
Regent of the
world's course?
Love and Death
are subject to her,
she weaves them out of bliss and sorrow,
transmuting envy into love.
Death's work,
upon which I audaciously embarked,
the Love Spirit
wrested it from my power.
She took the girl destined for death
under her sway and
took her work
into her own hands.
However she performed it,
however she completes it,
wherever she may choose for me,
wherever she may lead me,
I became subject to her.
Now let me display my obedience!
BRANGÄNE
Und musste der Minne
tückischer Trank
des Sinnes Licht dir verlöschen,
darfst du nicht sehen,
wenn ich dich warne:
nur heute hör',
o hör' mein Flehen!
Der Gefahr leuchtendes Licht,
nur heute, heut'!
die Fackel dort lösche nicht!

ISOLDE
Die im Busen mir
die Glut entfacht,
die mir das Herze
brennen macht,
die mir als Tag
der Seele lacht, -
Frau Minne will:
es werde Nacht,
dass hell sie dorten leuchte,

(sie eilt auf die Fackel zu)

wo sie dein Licht verscheuchte.

(Sie nimmt die Fackel von der Tür)

Zur Warte du:
dort wache treu!
Die Leuchte,
und wär's meines Lebens Licht, -
lachend
sie zu löschen zag ich nicht!

(Sie wirft die Fackel zur Erde,
wo sie allmählich verlischt)


(Brangäne wendet sich bestürzt ab, um auf einer äusseren Treppe die Zinne zu ersteigen, wo sie langsam verschwindet)

(Isolde lauscht und späht, zunächst schüchtern, in einen Baumgang. Von wachsendem Verlangen bewegt, schreitet sie dem Baumgang näher und späht zuversichtlicher. Sie winkt mit einem Tuche, erst seltener, dann häufiger, und endlich, in leidenschaftlicher Ungeduld, immer schneller)

(Eine Gebärde des plötzlichen Entzückens sagt, dass sie den Freund in der Ferne gewahr geworden. Sie streckt sich höher und höher, und, um besser den Raum zu übersehen, eilt sie zur Treppe zurück, von deren oberster Stufe aus sie dem Herannahenden zuwinkt)



BRANGAENE
And if Love's
spiteful draught
must extinguish the light of reason,
if you cannot see
when I warn you,
then now, this once,
hear my plea!
The gleaming signal of danger,
oh, not now, do not
extinguish the torch now!

ISOLDE
She kindled the glow
in my breast,
she makes
my heart burn,
like Day, she laughs
in my soul.
The will of the Love Spirit is -
let it be night,
that brightly she may shine forth,

(She hurries to the torch)

where she shuns your light!

(She takes the torch from the doorway)

To the tower with you!
Keep careful watch!
This light,
were it the light of my life,
laughing,
I do not hesitate to extinguish it.

(She throws the torch to the ground
where it gradually dies out)


(Brangaene turns away in dismay to climb an outside stairway to the tower, where she gradually disappears from sight)

(Isolde listens and looks, timidly at first, along an avenue of trees. Moved by a growing desire she approaches the trees and looks more carefully. She waves with a kerchief, a little at first, then, with passionate impatience, more and more quickly)

(A gesture of sudden delight proclaims that she has noticed her beloved in the distance. She stands on tip-toe, and, in order to see further, hurries back to the steps, from the top of which she waves to the approaching figure)



ZWEITE SZENE

Tristan und Isolde

TRISTAN
(stürzt herein)
Isolde! Geliebte!

ISOLDE
(ihm entgegenspringend)
Tristan! Geliebter!

(Stürmische Umarmungen beider, unter denen sie in den Vordergrund gelangen)

SCENE TWO

Tristan and Isolde

TRISTAN
(rushes in)
Isolde! Beloved!

ISOLDE
(leaping towards him)
Tristan! Beloved!

(In a passionate embrace they move downstage)

ISOLDE
Bist du mein?

TRISTAN
Hab ich dich wieder?

ISOLDE
Darf ich dich fassen?

TRISTAN
Kann ich mir trauen?

ISOLDE
Endlich! Endlich!

TRISTAN
An meiner Brust!

ISOLDE
Fühl ich dich wirklich?

TRISTAN
Seh' ich dich selber?

ISOLDE
Dies deine Augen?

TRISTAN
Dies dein Mund?

ISOLDE
Hier deine Hand?

TRISTAN
Hier dein Herz?

ISOLDE
Bin ich's? Bist du's?
Halt ich dich fest?

TRISTAN
Bin ich's? Bist du's?
Ist es kein Trug?

BEIDE
Ist es kein Traum?
O Wonne der Seele,
o süsse, hehrste,
kühnste, schönste,
seligste Lust!

ISOLDE
Are you mine?

TRISTAN
With me once more?

ISOLDE
Dare I hold you?

TRISTAN
Can I belive it?

ISOLDE
At last! At last!

TRISTAN
On my breast!

ISOLDE
Is it really you I feel?

TRISTAN
Is it you I see?

ISOLDE
These your eyes?

TRISTAN
This your mouth?

ISOLDE
Here your hand?

TRISTAN
Here your heart?

ISOLDE
Is it I? Is it you?
You, clasped in my arms?

TRISTAN
Is it I? Is it you?
No illusion?

TOGETHER
Not a dream?
O heart's rapture,
o sweet, most sublime,
boldest, loveliest,
most blessed joy!

TRISTAN
Ohne Gleiche!

ISOLDE
Überreiche!

TRISTAN
Überselig!

ISOLDE
Ewig!

TRISTAN
Ewig!

ISOLDE
Ungeahnte,
nie gekannte!

TRISTAN
Überschwenglich
hoch erhabne!

ISOLDE
Freudejauchzen!

TRISTAN
Lustentzücken!

ISOLDE
Himmelhöchstes
Weltentrücken!
Mein! Tristan mein!
Mein und dein!
Ewig, ewig ein!

TRISTAN
Himmelhöchstes
Weltentrücken!
Mein! Isolde mein!
Mein und dein!
Ewig, ewig ein!

ISOLDE
Wie lange fern!
Wie fern so lang!

TRISTAN
Wie weit so nah!
So nah wie weit!

TRISTAN
Without equal!

ISOLDE
Overflowing!

TRISTAN
Replete with bliss!

ISOLDE
Eternal!

TRISTAN
Eternal!

ISOLDE
Never dreamt of!
Never yet known!

TRISTAN
Boundlessly
exalted and sublime!

ISOLDE
Joyous exulting!

TRISTAN
Blisful delight!

ISOLDE
Heaven-high soaring
beyond the world!
My Tristan mine!
Mine and yours!
Ever, ever one!

TRISTAN
Heaven-high soaring
beyond the world!
My Isolde mine!
Mine and yours!
Ever, ever one!

ISOLDE
For how long away!
Away for so long!

TRISTAN
How far yet so near!
So near yet how far!

ISOLDE
O Freundesfeindin,
böse Ferne!
Träger Zeiten
zögernde Länge!

TRISTAN
O Weit' und Nähe!
Hart entzweite!
Holde Nähe!
Öde Weite!

ISOLDE
Im Dunkel du,
im Lichte ich!

TRISTAN
Das Licht! Das Licht!
O dieses Licht,
wie lang verlosch es nicht!
Die Sonne sank,
der Tag verging,
doch seinen Neid
erstickt' er nicht:
sein scheuchend Zeichen
zündet er an,
und steckt's an der Liebsten Türe,
dass nicht ich zu ihr führe.

ISOLDE
Doch der Liebsten Hand
löschte das Licht;
wes die Magd sich wehrte,
scheut' ich mich nicht:
in Frau Minnes Macht und Schutz
bot ich dem Tage Trutz!

TRISTAN
Dem Tage! dem Tage!
dem tückischen Tage,
dem härtesten Feinde
Hass und Klage!
Wie du das Licht,
o könnt' ich die Leuchte,
der Liebe Leiden zu rächen,
dem frechen Tage verlöschen!
Gibt's eine Not,
gibt's eine Pein,
die er nicht weckt
mit seinem Schein?
Selbst in der Nacht
ISOLDE
O enemy of friends,
evil distance!
Drawn-out time's
lingering expanse!

TRISTAN
O distance and nearness,
sternly parted!
Sweet nearness!
Desolate distance!

ISOLDE
You in darkness,
I in light!

TRISTAN
The light! The light!
Oh, this light,
how long before it was extinguished!
The sun set,
Day ran its course
but it would not stifle
its spite:
lighting its dread signal
it places it
at the loved one's door
so that I might not go to her.

ISOLDE
But the loved one's hand
extinguished the light;
what the maid would not risk
I did not fear:
under the power and protection of the Love-Spirit
I bade defiance to Day!

TRISTAN
Day! For Day,
for spiteful Day,
the most bitter foe,
hatred and grievance!
Just as you extinguished the light,
would that I could
extinguish the light of insolent Day
to avenge the pangs of love!
Is there any distress,
is there any anguish
which it does not revive
with its beams?
Even in Night's
dämmernder Pracht
hegt ihn Liebchen am Haus,
streckt mir drohend ihn aus!

ISOLDE
Hegt ihn die Liebste
am eignen Haus,
im eignen Herzen
hell und kraus,
hegt' ihn trotzig
einst mein Trauter:
Tristan, - der mich betrog!
War's nicht der Tag,
der aus ihm log,
als er nach Irland
werbend zog,
für Marke mich zu frein,
dem Tod die Treue zu weihn.

TRISTAN
Der Tag! Der Tag,
der dich umgliss,
dahin, wo sie
der Sonne glich,
in höchster Ehren
Glanz und Licht
Isolde mir entrückt'!
Was mir das Auge
so entzückt',
mein Herze tief
zur Erde drückt':
in lichten Tages Schein
wie war Isolde mein?

ISOLDE
War sie nicht dein,
die dich erkor?
Was log der böse
Tag dir vor,
dass, die für dich beschieden,
die Traute du verrietest?

TRISTAN
Was dich umgliss
mit hehrster Pracht,
der Ehre Glanz,
des Ruhmes Macht,
an sie mein Herz zu hangen,
hielt mich der Wahn gefangen.
Die mit des Schimmers
hellstem Schein
darkling glory
my beloved harbours it in her house,
letting its threatening beams fall towards me.

ISOLDE
Is your beloved keeps it
in her own house,
so did my love once
defiantly foster it
in his heart,
bright and devious:
Tristan, he that betrayed me!
Was it not Day
that made him false
when he came to Ireland
as a suitor
to court me for King Mark,
to dedicate loyalty to Death?

TRISTAN
Day! Day!
Which shimmered round about you,
to there where she
seemed like the sun
in highest honour's
radiant glow,
Isolde withdrew from me!
That which so
delighted my eye
made my heart sink
to the depths of the earth:
in the bright light of Day
how could Isolde be mine?

ISOLDE
Was she not yours,
she that chose you?
What lies did evil Day
tell you
that you betrayed your dearest,
she that was destined to be yours?

TRISTAN
In the grip of madness I could not but
yeld my heart
to that which shimmered round about you
in majestic splendour,
the glitter of honour and
the power of renown.
Day's bright orb
of worldly honour,
mir Haupt und Scheitel
licht beschien,
der Welten-Ehren
Tages-Sonne,
mit ihrer Strahlen
eitler Wonne,
durch Haupt und Scheitel
drang mir ein,
bis in des Herzens
tiefsten Schrein.
Was dort in keuscher Nacht
dunkel verschlossen wacht',
was ohne Wiss' und Wahn
ich dämmernd dort empfahn:
ein Bild, das meine Augen
zu schaun sich nicht getrauten,
von des Tages Schein betroffen
lag mir's da schimmernd offen.
Was mir so rühmlich
schien und hehr,
das rühmt ich hell
vor allem Heer;
vor allem Volke
pries ich laut
der Erde schönste
Königsbraut.
Dem Neid, den mir
der Tag erweckt';
dem Eifer, den
mein Glücke schreckt';
der Missgunst, die mir Ehren
und Ruhm begann zu schweren:
denen bot ich Trotz,
und treu beschloss,
um Ehr' und Ruhm zu wahren,
nach Irland ich zu fahren.

ISOLDE
O eitler Tagesknecht!
Getäuscht von ihm,
der dich getäuscht,
wie musst' ich liebend
um dich leiden,
den, in des Tages
falschem Prangen,
von seines Gleissens
Trug befangen,
dort wo ihn Liebe
heiss umfasste,
im tiefsten Herzen
hell ich hasste.
shining upon me
with the brightest
radiant glow,
penetrated
my head
with its beams
of vain bliss
and reached
the deepest recesses
of my heart.
What lay there
darkly concealed in chaste night,
what I dimly perceived,
not knowing, not imagining;
a form, which my eyes
could not believe they saw,
caught in the light of Day,
lay there gleaming before me.
Before the whole throng
I praised in clear tones
what seemed to me
so glorious and sublime;
before all the people
I extolled aloud
the loveliest
royal bride on earth.
I bade defiance to
the envy which
Day awakened in me,
to the zeal which
threatened my happiness,
to the jealousy which began to make
honour and fame a burden to me,
and firmly resolved
to uphold honour and glory,
to go to Ireland.

ISOLDE
O vain thrall of Day!
Deceived by that which
deceived you,
how I, loving you,
suffered on your account;
caught in Day's
false glitter,
in the snare
of its cunning,
in the depths of my heart,
where burning love
encompassed him,
I hated him bitterly.
Ach, in des Herzens Grunde,
wie schmerzte tief die Wunde!
Den dort ich heimlich barg,
wie dünkt' er mich so arg,
wenn in des Tages Scheine
der treu gehegte eine
der Liebe Blicken schwand,
als Feind nur vor mir stand!
Das als Verräter
dich mir wies,
dem Licht des Tages
wollt' ich entfliehn,
dorthin in die Nacht
dich mit mir ziehn,
wo der Täuschung Ende
mein Herz mir verhiess;
wo des Trugs geahnter
Wahn zerrinne;
dort dir zu trinken
ew'ge Minne,
mit mir dich im Verein
wollt' ich dem Tode weihn.

TRISTAN
In deiner Hand
den süssen Tod,
als ich ihn erkannt,
den sie mir bot;
als mir die Ahnung
hehr und gewiss
zeigte, was mir
die Sühne verhiess:
da erdämmerte mild
erhabner Macht
im Busen mir die Nacht;
mein Tag war da vollbracht.

ISOLDE
Doch ach, dich täuschte
der falsche Trank,
dass dir von neuem
die Nacht versank:
dem einzig am Tode lag,
den gab er wieder dem Tag!

TRISTAN
O Heil dem Tranke!
Heil seinem Saft!
Heil seines Zaubers
hehrer Kraft!
Durch des Todes Tor,
Ah, what piercing pain
in the recesses of my heart!
How hard he whom I secretly harboured there
must have thought me
when, in the light of Day
my faithfully cherished one
vanished to loving eyes
and stood before me only as a foe!
From the light of Day
which made you appear to me
a traitor
I wished to flee
into Night,
to take you with me,
where my heart would bid me
end all deception,
where the vain premonition
of treachery might be dispelled,
there to pledge to you
eternal love,
to consecrate you to Death
in company with myself.

TRISTAN
When I recognised
sweet death
offered to me
at your hand;
when a bold and
clear presentiment
showed me what
expiation demanded;
there dawned gently
in my heart
the lofty power of Night;
my Day was then accomplished.

ISOLDE
Alas, you were confused
by the deceiving potion
so that once again
Night eluded you:
as you faced only death,
it restored you to Day!

TRISTAN
Hail to the potion!
Hail to the draught!
Hail to its magic's
sublime power!
Through Death's portals
wo er mir floss,
weit und offen
er mir erschloss,
darin ich sonst nur träumend gewacht,
das Wunderreich der Nacht.
Von dem Bild in des Herzens
bergendem Schrein
scheucht er des Tages
täuschenden Schein,
dass nachtsichtig mein Auge
wahr es zu sehen tauge.

ISOLDE
Doch es rächte sich
der verscheuchte Tag;
mit deinen Sünden
Rat's er pflag;
was dir gezeigt
die dämmernde Nacht,
an des Taggestirnes
Königsmacht
musstest du's übergeben,
um einsam
in öder Pracht
schimmernd dort zu leben.
Wie ertrug ich's nur?
Wie ertrag ich's noch?

TRISTAN
O nun waren wir
Nachtgeweihte!
Der tückische Tag,
der Neidbereite,
trennen konnt uns sein Trug,
doch nicht mehr täuschen sein Lug!
Seine eitle Pracht,
seinen prahlenden Schein
verlacht, wem die Nacht
den Blick geweiht:
seines flackernden Lichtes
flüchtige Blitze
blenden uns nicht mehr.
Wer des Todes Nacht
liebend erschaut,
wem sie ihr tief
Geheimnis vertraut:
des Tages Lügen,
Ruhm und Ehr',
Macht und Gewinn,
so schimmernd hehr,
wie eitler Staub der Sonnen
wide and open
it flowed towards me
opening up
the wondrous realm of Night
where I had only been in dreams.
From the image in my heart's
sheltering cell
it repelled day's
deceiving beams,
so that in darkness my eyes
might serve to see it clearly.

ISOLDE
Yet banished Day
avenged itself;
with yours sins
it took counsel;
what darkling Night
showed you
you had to surrender
to the regal power
of the Day-star,
to live alone,
gleaming there
in solitary splendour.
How could I bear it?
How can I endure it now?

TRISTAN
Oh, now we were
dedicated to Night!
Spiteful Day
with ready envy
could part us with its tricks
but no longer mislead us with guile.
Its vain glory,
its flaunting display
are mocked by those to whom Night
has granted sight.
The fleeting flashes
of its flickering light
no longer dazzle us.
Before him who has seen with love death's night,
before him to whom she confided
her dark secret,
are scattered
the lies, the renown
and honour of Day,
power and advantage
shining and glorious,
as the paltry dust
sind sie vor dem zersponnen!
In des Tages eitlem Wähnen
bleibt ihm ein einzig Sehnen -
das Sehnen hin
zur heil'gen Nacht,
wo urewig,
einzig wahr
Liebeswonne ihm lacht!
(Tristan zieht Isolde sanft zur Seite auf eine Blumenbank nieder, senkt sich vor ihr auf die Knie und schmiegt sein Haupt in ihren Arm)

BEIDE
O sink hernieder,
Nacht der Liebe,
gib Vergessen,
dass ich lebe;
nimm mich auf
in deinen Schoss,
löse von
der Welt mich los!

TRISTAN
Verloschen nun
die letzte Leuchte;

ISOLDE
was wir dachten,
was uns deuchte;

TRISTAN
all Gedenken -

ISOLDE
all Gemahnen -

BEIDE
heil'ger Dämm'rung
hehres Ahnen
löscht des Wähnens Graus
welterlösend aus.

caught in the sunbeam!
Amid the vain fancy of Day
he still harbours one desire -
the yearning
for sacred Night
where, all-eternal,
true alone,
love's bliss smiles on him!

 

TOGETHER
Descend,
O Night of love,
grant oblivion
that I may live;
take me up
into your bosom,
release me from
the world!

TRISTAN
Extinguished now
the last glimmers;

ISOLDE
what we thought,
what we imagined;

TRISTAN
all thought

ISOLDE
all remembering,

TOGETHER
the glorious presentiment
of sacred twilight
extinguishes imagined terrors,
world-redeeming.

ISOLDE
Barg im Busen
uns sich die Sonne,
leuchten lachend
Sterne der Wonne.

TRISTAN
Von deinem Zauber
sanft umsponnen,
vor deinen Augen
süss zerronnen;

ISOLDE
Herz an Herz dir,
Mund an Mund;

TRISTAN
eines Atems
ein'ger Bund; -

BEIDE
bricht mein Blick sich
wonn'-erblindet,
erbleicht die Welt
mit ihrem Blenden:

ISOLDE
die uns der Tag
trügend erhellt,

TRISTAN
zu täuschendem Wahn
entgegengestellt,

BEIDE
selbst dann
bin ich die Welt:
Wonne-hehrstes Weben,
Liebe-heiligstes Leben,
Niewiedererwachens
wahnlos
hold bewusster Wunsch.

(Tristan und Isolde versinken wie in gänzliche Entrücktheit, in der sie, Haupt an Haupt auf die Blumenbank zurückgelehnt, verweilen)

ISOLDE
The sun concealed
itself in our bosom,
the stars of bliss
gleam, laughing,

TRISTAN
softly entwined
in your magic,
sweetly dissolved
before your eyes;

ISOLDE
heart on your heart,
mouth on mouth;

TRISTAN
the single bond
of a single breath;

TOGETHER
my glance is deflected,
dazzled with bliss,
the world palses
with its blinding radiance:

ISOLDE
lit by Day's
guileful deception,

TRISTAN
standing firm against
deceitful delusion,

TOGETHER
then am I
myself the world;
floating in sublime bliss,
life of love most sacred,
the sweetly conscious
undeluded wish
never again to waken.



BRANGÄNES STIMME
(von der Zinne her)
Einsam wachend
in der Nacht,
wem der Traum
der Liebe lacht,
hab der einen
Ruf in acht,
die den Schläfern
Schlimmes ahnt,
bange zum
Erwachen mahnt.
Habet acht!
Habet acht!
Bald entweicht die Nacht.

ISOLDE
(leise)
Lausch, Geliebter!

TRISTAN
(ebenso)
Lass mich sterben!

ISOLDE
(allmählich sich ein wenig erhebend)
Neid'sche Wache!

TRISTAN
(zurückgelehnt bleibend)
Nie erwachen!

ISOLDE
Doch der Tag
muss Tristan wecken?

TRISTAN
(ein wenig das Haupt erhebend)
Lass den Tag
dem Tode weichen!

ISOLDE
Tag und Tod,
mit gleichen Streichen,
sollten unsre
Lieb' erreichen?

TRISTAN
(sich mehr aufrichtend)
Unsre Liebe?
Tristans Liebe?
THE VOICE OF BRANGAENE
(from the tower)
You upon whom
love's dream smiles,
take heed of
the voice of one
keeping solitary
watch at night,
foreseeing evil
for the sleepers,
anxiously urging
you to waken.
Beware!
Beware!
Night soon melts away.

ISOLDE
(softly)
Listen, beloved!

TRISTAN
(softly)
Let me die!

ISOLDE
(gradually raising her head a little)
Jealous watch!

TRISTAN
(still reclining)
Never waken!

ISOLDE
Must Day then
waken Tristan?

TRISTAN
(raising his head a little)
Let Day
give way before death!

ISOLDE
Should Day
and Death
both reach
our love?

TRISTAN
(raising himself up more)
Our love?
Tristan's love?
Dein' und mein',
Isoldes Liebe?
Welches Todes Streichen
könnte je sie weichen?
Stünd' er vor mir,
der mächt'ge Tod,
wie er mir Leib
und Leben bedroht,
die ich so willig
der Liebe lasse,
wie wäre seinen Streichen
die Liebe selbst zu erreichen?
(immer inniger mit dem Haupt
sich an Isolde schmiegend)

Stürb ich nun ihr,
der so gern ich sterbe,
wie könnte die Liebe
mit mir sterben,
die ewig lebende
mit mir enden?
Doch, stürbe nie seine Liebe,
wie stürbe dann Tristan
seiner Liebe?

ISOLDE
Doch unsre Liebe,
heisst sie nicht Tristan
und - Isolde?
Dies süsse Wörtlein: und,
was es bindet,
der Liebe Bund,
wenn Tristan stürb,
zerstört' es nicht der Tod?

TRISTAN
Was stürbe dem Tod,
als was uns stört,
was Tristan wehrt,
Isolde immer zu lieben,
ewig ihr nur zu leben?

ISOLDE
Doch dieses Wörtlein: und, -
wär' es zerstört,
wie anders als
mit Isoldes eignem Leben
wär' Tristan der Tod gegeben?

(Tristan zieht, mit bedeutungsvoller Gebärde, Isolde sanft an sich)

Yours and mine,
Isolde's love?
What strokes of death
could ever make it yeld?
If mighty Death
stood before me
threatening
the very life in my body
which I would so gladly leave
for love,
how could it
reach love itself?


Were I to give my life to that
for which I would so gladly die,
how could love
die with me,
the ever-living
end with me?
And if his love were never to die
how could Tristan die
of his love?

ISOLDE
But our love,
is it not Tristan
and Isolde?
This sweet little word: and,
would death not destroy
the bonds of love
which it entwines
if Tristan were to die?

TRISTAN
What could die
but that which troubles us,
preventing Tristan
from ever loving Isolde,
forever loving only her?

ISOLDE
Yet this little word: and,
were it destroyed,
how else but together
with Isolde's own life
would death be given to Tristan?

(Tristan with a meaningful gesture, gently draws Isolde to him)

TRISTAN
So starben wir,
um ungetrennt,
ewig einig
ohne End',
ohn' Erwachen,
ohn' Erbangen,
namenlos
in Lieb' umfangen,
ganz uns selbst gegeben,
der Liebe nur zu leben!

ISOLDE
(wie in sinnender Entrücktheit
zu ihm aufblickend)

So stürben wir,
um ungetrennt, -

TRISTAN
ewig einig
ohne End', -

ISOLDE
ohn' Erwachen, -

TRISTAN
ohn' Erbangen, -

BEIDE
namenlos
in Lieb' umfangen,
ganz uns selbst gegeben,
der Liebe nur zu leben!

(Isolde neigt wie überwältigt das Haupt an seine Brust)

BRANGÄNES STIMME
(wie vorher)
Habet acht!
Habet acht!
Schon weicht dem Tag die Nacht.

TRISTAN
(lächelnd zu Isolde geneigt)
Soll ich lauschen?

TRISTAN
Thus might we die,
that together,
ever one,
without end,
never waking,
never fearing,
namelessly
enveloped in love,
given up to each other,
to live only for love!

ISOLDE
(as if in reflective rapture,
looking up at him)

Thus would we die,
that together -

TRISTAN
ever one,
without end -

ISOLDE
never waking -

TRISTAN
never fearing -

TOGETHER
namelessly
enveloped in love,
given up to ourselves
to live only for love!



THE VOICE OF BRANGAENE
(as before)
Beware!
Beware!
Night soon gives way to Day.

TRISTAN
(smiling down at Isolde)
Shall I listen?

ISOLDE
(schwärmerisch zu Tristan aufblickend)
Lass mich sterben!

TRISTAN
Muss ich wachen?

ISOLDE
Nie erwachen!

TRISTAN
Soll der Tag
noch Tristan wecken?

ISOLDE
Lass den Tag
dem Tode weichen!

TRISTAN
Des Tages Dräuen
nun trotzten wir so?

ISOLDE
(mit wachsender Begeisterung)
Seinem Trug ewig zu fliehn!

TRISTAN
Sein dämmernder Schein
verscheuchte uns nie?

ISOLDE
(mit grosser Gebärde
ganz sich erhebend)


Ewig währ uns die Nacht!

(Tristan folgt ihr, sie umfangen sich in schwärmerischer Begeisterung)

ISOLDE
(dreamily looking up at Tristan)
Let me die!

TRISTAN
Must I waken?

ISOLDE
Never waken!

TRISTAN
Shall Day
still waken Tristan?

ISOLDE
Let Day
give way to Death!

TRISTAN
Have we Day's menaces
thus defied?

ISOLDE
(in growing rapture)
Ever to flee its guile.

TRISTAN
Did its dawning
never affright us?

ISOLDE
(raising herself up
with a grand gesture)


May our Night endure for ever!



BEIDE
O ew'ge Nacht,
süsse Nacht!
Hehr erhabne
Liebesnacht!
Wen du umfangen,
wem du gelacht,
wie wär' ohne Bangen
aus dir er je erwacht?
Nun banne das Bangen,
holder Tod,
sehnend verlangter
Liebestod!
In deinen Armen,
dir geweiht,
urheilig Erwarmen,
von Erwachens Not befreit!
Wie sie fassen,
wie sie lassen,
diese Wonne,
Fern der Sonne,
fern der Tage
Trennungsklage!
Ohne Wähnen
sanftes Sehnen;
ohne Bangen
süss Verlangen;
ohne Wehen
hehr Vergehen;
ohne Schmachten
hold Umnachten;
ohne Meiden,
ohne Scheiden,
traut allein,
ewig heim,
in ungemessnen Räumen
übersel'ges Träumen.

TRISTAN
Tristan du,
ich Isolde,
nicht mehr Tristan!

ISOLDE
Du Isolde,
Tristan ich,
nicht mehr Isolde!

BEIDE
Ohne Nennen,
ohne Trennen,
TOGETHER
O eternal Night,
sweet Night!
Gloriously sublime
Night of love!
Those whom you have embraced,
upon whom you have smiled,
how could they ever waken
without fear?
Now banish dread,
sweet death,
yearned for, longed for
death-in-love!
In your arms,
consecrated to you,
sacred elemental quickening force,
free from the peril of waking!
How to grasp it,
how to leave it,
this bliss
far from the sun's,
far from Day's
parting sorrows!
Free from delusion
gentle yearning,
free from fearing
sweet longing.
Free from sighing
sublime expiring.
Free from languishing
enclosed in sweet darkness.
No evasion
no parting,
just we alone,
ever home,
in unmeasured realms
of ecstatic dreams.

TRISTAN
Tristan you,
I Isolde,
no longer Tristan.

ISOLDE
You Isolde,
Tristan I,
no longer Isolde!

TOGETHER
Un-named,
free from parting,
neu Erkennen,
neu Entbrennen;
endlos ewig,
ein-bewusst:
heiss erglühter Brust
höchste Liebeslust!

(Sie bleiben in verzückter Stellung)



new perception,
new enkindling;
ever endless
self-knowing;
warmly glowing heart,
love's utmost joy!

(They remain in a rapturous embrace)



DRITTE SZENE

Die Vorigen. Kurwenal, Brangäne, Marke, Melot und Hofleute.

(Brangäne stösst einen grellen Schrei aus. Kurwenal stürzt mit entblösstem Schwerte herein)

KURWENAL
Rette dich, Tristan!

(Er blickt mit Entsetzen hinter sich in die Szene zurück. Marke, Melot und Hofleute [in Jägertracht] kommen aus dem Baumgange lebhaft nach dem Vordergrunde und halten entsetzt der Gruppe der Liebenden gegenüber an. Brangäne kommt zugleich von der Zinne herab und stürzt auf Isolde zu. Diese, von unwillkürlicher Scham ergriffen, lehnt sich, mit abgewandtem Gesicht, auf die Blumenbank. Tristan, in ebenfalls unwillkürlicher Bewegung, streckt mit dem einen Arme den Mantel breit aus, so dass er Isolde vor den Blicken der Ankommenden verdeckt. In dieser Stellung verbleibt er längere Zeit, unbeweglich den starren Blick auf die Männer gerichtet, die in verschiedener Bewegung die Augen auf ihn heften. - Morgendämmerung)

SCENE THREE

The previous characters. Kurwenal, Brangaene, Mark, Melot and Courtiers.

(Brangaene emits a shrill cry. Kurwenal rushes in with unsheathed sword)

KURWENAL
Save yourself, Tristan!

(Horrified, he casts a glance offstage. Mark, Melot and courtiers in hunting dress come rapidly from the avenue of trees and stop in horror at the sight of the lovers. Brangaene climbs down from the tower and runs to Isolde. Isolde, involuntarily seized by a sense of shame, leans back, her face turned aside, on the flowery bank. Tristan, also in spite of himself, raises his cloak on his arm so that it conceals Isolde from the sight of those just arrived. He remains in this position for a long period, unmoving, his cold gaze fixed on the men who, in various attitudes, fasten their eyes on him. Dawn)

TRISTAN
(nach längerem Schweigen)
Der öde Tag
zum letztenmal!

MELOT
(zu Marke)
Das sollst du, Herr, mir sagen,
ob ich ihn recht verklagt?
Das dir zum Pfand ich gab,
ob ich mein Haupt gewahrt?
Ich zeigt' ihn dir
in offner Tat:
Namen und Ehr'
hab ich getreu
vor Schande dir bewahrt.

MARKE
(nach tiefer Erschütterung,
mit bebender Stimme)

Tatest du's wirklich?
Wähnst du das?
Sieh ihn dort,
den treuesten aller Treuen;
blick auf ihn,
den freundlichsten der Freunde:
seiner Treue
freister Tat
traf mein Herz
mit feindlichstem Verrat!
Trog mich Tristan,
sollt' ich hoffen,
was sein Trügen
mir getroffen,
sei durch Melots Rat
redlich mir bewahrt?

TRISTAN
(krampfhaft heftig)
Tagsgespenster!
Morgenträume!
täuschend und wüst!
Entschwebt! Entweicht!

MARKE
(mit tiefer Ergriffenheit)
Mir dies?
Dies, Tristan, mir? -
Wohin nun Treue,
da Tristan mich betrog?
Wohin nun Ehr'
TRISTAN
(after a long silence)
Barren Day
for the last time!

MELOT
(to Mark)
Now tell me, my lord,
was I right to accuse him?
To give you my pledge
with my head as the bond?
I have shown him to you
in the very act;
your name and honour
I have loyally
preserved from disgrace.

MARK
(in a state of profound shock,
in a trembling voice)

Have you indeed?
Is that what you think?
Look at him there,
the most faithful of the loyal.
Cast your eyes upon him,
the dearest of friends.
His loyalty's
freest deed
pierced my heart
with its hostile treachery!
If Tristan betrayed me,
am I to hope
that what his treachery
has cost me
should by Melot's counsel
honestly be restored to me?

TRISTAN
(convulsively)
Spirits of Day!
Fantastic dream!
Deceitful and desolate!
Fade away! Give way!

MARK
(deeply affected)
This to me?
This, Tristan, to me?
Whither has loyalty fled
now that Tristan has betrayed me?
What price now honour
und echte Art,
da aller Ehren Hort,
da Tristan sie verlor?
Die Tristan sich
zum Schild erkor,
wohin ist Tugend
nun entflohn,
da meinen Freund sie flieht,
da Tristan mich verriet?

(Tristan senkt langsam den Blick
zu Boden; in seinen Mienen ist,
während Marke fortfährt,
zunehmende Trauer zu lesen)


Wozu die Dienste
ohne Zahl,
der Ehren Ruhm,
der Grösse Macht,
die Marken du gewannst;
musst' Ehr' und Ruhm,
Gröss' und Macht,
musste die Dienste
ohne Zahl
dir Markes Schmach bezahlen?
Dünkte zu wenig
dich sein Dank,
dass, was du ihm erworben,
Ruhm und Reich,
er zu Erb' und Eigen dir gab?
Da kinderlos einst
schwand sein Weib,
so liebt' er dich,
dass nie aufs neu
sich Marke wollt vermählen.
Da alles Volk
zu Hof und Land
mit Bitt' und Dräuen
in ihn drang,
die Königin dem Lande,
die Gattin sich zu kiesen;
da selber du
den Ohm beschworst,
des Hofes Wunsch,
des Landes Willen
gütlich zu erfüllen;
in Wehr wider Hof und Land,
in Wehr selbst gegen dich,
mit List und Güte
weigerte er sich,
bis, Tristan, du ihm drohtest,
and honesty,
now that the champion of all honour,
Tristan, has lost it?
As Tristan appointed himself
its emblem,
where has virtue
flown to,
fleeing from my friend, from
Tristan, who has betrayed me?

(Tristan slowly lowers
his gaze; while Mark continues
there can be read in his
expression growing sadness)


Why did you serve me
for so long?
Why the reputation of honour,
the power and greatness
which you won for King Mark?
Did the honour and renown,
greatness and power,
the services
beyond number,
have to be repaid by Mark's dishonour?
Did you value so lightly
his gratitude
which gave you as your very own inheritance
that which you had won for him,
his renown and his Kingdom?
When, childless,
his wife died,
he loved you so much
that never again
did Mark intend to wed.
When all the people
from court and country
thronged to him,
begging and imploring him
to give the country a queen
and to take for himself a wife;
when you yourself
swore to your uncle
that you would carry out
the wishes of the court
and the will of the country, then,
against the wishes of court and country,
in opposition even to you,
with circumspection and kindness
he declined
until you, Tristan, threatened
für immer zu meiden
Hof und Land,
würdest du selber
nicht entsandt,
dem König die Braut zu frein,
da liess er's denn so sein. -
Dies wundervolle Weib,
das mir dein Mut gewann,
wer durft' es sehen,
wer es kennen,
wer mit Stolze
sein es nennen,
ohne selig sich zu preisen?
Der mein Wille
nie zu nahen wagte,
der mein Wunsch
ehrfurchtscheu entsagte,
die so herrlich
hold erhaben
mir die Seele
musste laben,
trotz Feind und Gefahr,
die fürstliche Braut
brachtest du mir dar.
Nun, da durch solchen
Besitz mein Herz
du fühlsamer schufst
als sonst dem Schmerz,
dort wo am weichsten,
zart und offen,
würd' ich getroffen,
nie zu hoffen,
dass je ich könnte gesunden:
warum so sehrend,
Unseliger,
dort nun mich verwunden?
Dort mit der Waffe
quälendem Gift,
das Sinn und Hirn
mir sengend versehrt,
das mir dem Freund
die Treue verwehrt,
mein offnes Herz
erfüllt mit Verdacht,
dass ich nun heimlich
in dunkler Nacht
den Freund lauschend beschleiche,
meiner Ehren Ende erreiche?
Die kein Himmel erlöst,
warum mir diese Hölle?
Die kein Elend sühnt,
to exile yourself for ever
from court and country
if you yourself
were not dispatched
to win a bride for the King.
And so he let it be.
This glorious woman
that your courage won for me,
who could behold her,
who could know her,
who could proudly
call her his own
and not think himself blessed?
She, whom I could never
dare approach,
she for whom I
foreswore my desires
in bashful reverence,
so splendid,
so lovely, so sublime,
who could not but
refresh my soul,
despite enemies and dangers
this royal bride
you presented to me.
Now, since by such
a possession you rendered
my heart more open to pain than before,
there, where I was rendered
soft, sensitive and exposed
was I stricken
without hope
that I might ever be healed.
Why so sorely,
wretched man,
did you wound me there now?
There, with the weapon
of tormenting poison,
searing and maiming
my senses and my mind
so that my fidelity
to my friend is stifled,
my open heart
filled with suspicion,
so that now, secretly
and in the dead of night
I creep up on you, my friend, eavesdropping,
and see my honour ended?
No heaven will redeem it for me -
why this hell for me?
No misery will atone for it -
warum mir diese Schmach?
Den unerforschlich tief
geheimnisvollen Grund,
wer macht der Welt ihn kund?

TRISTAN
(mitleidig das Auge zu Marke erhebend)
O König, das
kann ich dir nicht sagen;
und was du frägst,
das kannst du nie erfahren.

(Er wendet sich zu Isolde,
die sehnsüchtig zu ihm aufblickt)


Wohin nun Tristan scheidet,
willst du, Isold', ihm folgen?
Dem Land, das Tristan meint,
der Sonne Licht nicht scheint:
es ist das dunkel
nächt'ge Land,
daraus die Mutter
mich entsandt,
als, den im Tode
sie empfangen,
im Tod sie liess
an das Licht gelangen.
Was, da sie mich gebar,
ihr Liebesberge war,
das Wunderreich der Nacht,
aus der ich einst erwacht;
das bietet dir Tristan,
dahin geht er voran:
ob sie ihm folge
treu und hold, -
das sag' ihm nun Isold'!

ISOLDE
Als für ein fremdes Land
der Freund sie einstens warb,
dem Unholden
treu und hold
musst' Isolde folgen.
Nun führst du in dein Eigen,
dein Erbe mir zu ziegen;
wie flöh' ich wohl das Land,
das alle Welt umspannt?
Wo Tristans Haus und Heim,
da kehr Isolde ein:
auf dem sie folge
treu und hold,
why this disgrace?
The uncharted depths
of its mysterious causes,
who will make them known to the world?

TRISTAN
(raising his eyes to King Mark in sympathy)
O King,
I cannot tell you that;
what you would ask
you can never know.

(He turns to Isolde
who looks up at him longingly)


Wherever Tristan now goes
will you, Isolde, follow him?
To that land of which Tristan spoke,
where the sun's light does not shine;
it is the dark
land of Night
out of which my mother
sent me
when he, whom she bore
on her deathbed,
left her in death
to reach the light.
From that which, when she bore me,
was her fortress of love,
the wondrous realm of Night,
I then awoke.
That is what Tristan offers you,
thither he will precede you.
Whether she will follow him
in grace and faith,
let Isolde now tell him.

ISOLDE
When for a foreign land
her beloved once won her,
that ungracious man
Isolde had to follow
faithfully and graciously.
Now you are returning to your own estates
to show me your inheritance;
how could I flee that land
that spans the whole world?
Wherever Tristan's home may be,
there let Isolde go,
there let her follow him
in grace and faith,
den Weg nun zeig Isold'!

(Tristan neigt sich langsam über sie, und küsst sie sanft auf die Stirn. - Melot fährt wütend auf)

MELOT
(das Schwert ziehend)
Verräter! Ha!
Zur Rache, König!
Duldest du diese Schmach?

(Tristan zieht sein Schwert, und wendet sich schnell um)

TRISTAN
Wer wagt sein Leben an das meine?

(Er heftet den Blick auf Melot)

Mein Freund war der,
er minnte mich hoch und teuer;
um Ehr' und Ruhm
mir war er besorgt wie keiner.
Zum Übermut
trieb er mein Herz;
die Schar führt' er,
die mich gedrängt,
Ehr' und Ruhm mir zu mehren,
dem König dich zu vermählen!
Dein Blick, Isolde,
blendet' auch ihn;
aus Eifer verriet
mich der Freund
dem König, den ich verriet!

(Er dringt auf Melot ein)

Wehr dich, Melot!

(Als Melot ihm das Schwert entgegenstreckt, lässt Tristan das seinige fallen und sinkt verwundet in Kurwenals Arme. Isolde stürzt sich an seine Brust. Marke hält Melot zurück. - Der Vorhang fällt schnell)



so now show Isolde the way!

(Tristan bends over her and kisses her gently on the forehead. - Enter Melot in a rage)

MELOT
(drawing his sword)
Traitor! Ha!
To vengeance, King!
Will you suffer this shame?

(Tristan draws his sword and turns swiftly)

TRISTAN
Who dares his life against mine?

(He fixes his gaze on Melot)

This was my friend,
exalted and dear was his devotion to me;
for my honour and reputation
none was more concerned than he.
To impetuousness
he drove my heart;
he led the crowd
that urged me
to add to my honour and renown
and to give you to the King as bride!
The sight of you, Isolde,
blinded him too.
Out of jealousy I was betrayed
by my friend
to the King, whom I had betrayed.

(He strides up to Melot)

Defend yourself, Melot!

(As Melot raises his sword towards him, Tristan lowers his and falls wounded into Kurwenal's arms. Isolde falls upon his breast. Mark holds Melot back. - Curtain)



DRITTER AUFZUG

ERSTE SZENE

Der Hirt. Kurwenal. Tristan.

(Burggarten. Zur einen Seite hohe Burggebäude, zur andren eine niedrige Mauerbrüstung, von einer Warte unterbrochen; im Hintergrunde das Burgtor. Die Lage ist auf felsiger Höhe anzunehmen; durch Öffnungen blickt man auf einen weiten Meereshorizont. Das Ganze macht den Eindruck der Herrenlosigkeit, übel gepflegt, hie und da schadhaft und bewachsen. Im Vordergrunde, an der inneren Seite, liegt Tristan, unter dem Schatten einer grossen Linde, auf einem Ruhebett schlafend, wie leblos ausgestreckt.
Zu Häupten ihm sitzt Kurwenal, in Schmerz über ihn hingebeugt und sorgsam seinem Atem lauschend. - Von der Aussenseite her hört man, beim Aufziehen des Vorhanges, einen Hirtenreigen, sehnsüchtig und traurig auf einer Schalmei geblasen. Endlich erscheint der Hirt selbst mit dem Oberleibe über der Mauerbrüstung und blickt teilnehmend herein)


ACT THREE

SCENE ONE

The Shepherd. Kurwenal. Tristan.

(Castle garden. At one side a tall castle building, at the other a low parapet with a look-out post; upstage the castle gate. The location can be seen as being a rock height; through openings the sea and the distant horizon can be seen. The whole scene conveys an impression of being deserted, ill-tended, here and there in poor repair and overgrown. Downstage, inside the wall, Tristan is lying in the shade of a tall lime-tree, asleep on a couch, laid out as if lifeless.
At his head sits Kurwenal, bent over him in anguish and carefully listening to his breathing. As the curtain goes up there can be heard from outside the gate a shepherd playing a sad, yearning tune on a reed-pipe. At length the shepherd appears over the parapet and looks in with sympathetic interest)


HIRT
(leise)
Kurwenal! He!
Sag, Kurwenal!
Hör doch, Freund!

(Kurwenal wendet ein wenig
das Haupt nach ihm)


Wacht er noch nicht?

KURWENAL
(schüttelt traurig mit dem Kopf)
Erwachte er,
wär's doch nur
um für immer zu verscheiden:
erschien zuvor
die Ärztin nicht,
die einz'ge, die uns hilft. -
Sahst du noch nichts?
Kein Schiff noch auf der See?

HIRT
Eine andre Weise
hörtest du dann,
so lustig, als ich sie nur kann.
Nun sag auch ehrlich,
alter Freund:
was hat's mit unserm Herrn?

KURWENAL
Lass die Frage:
du kannst's doch nie erfahren.
Eifrig späh;
und siehst du ein Schiff,
so spiele lustig und hell!

(Der Hirt wendet sich und späht, mit der Hand überm Aug', nach dem Meer aus)

HIRT
Öd und leer das Meer!

(Er setzt die Schalmei an den Mund
und entfernt sich blasend)


SHEPHERD
(softly)
Kurwenal, hey!
Listen, Kurwenal!
Hear, my friend!

(Kurwenal partly turns
his head towards him)


Is he still not awake?

KURWENAL
(sadly shaking his head)
Were he to waken
it would only be
to depart for ever,
if she, the healer,
does not first appear,
the only one who can succour us.
Have you seen nothing yet?
Still no ship out at sea?

SHEPHERD
A different tune
would you hear then,
as merry as I could make it.
Now, tell me truly,
my old friend,
what ails our lord?

KURWENAL
Do not ask.
You can never know.
Keep a sharp look-out,
and if you see a ship
play merrily and clearly!

(The shepherd turns and gazes out to sea, his hand shielding his eyes)

SHEPHERD
Desolate and void the sea!

(He puts his reed to his lips
and departs, playing)


TRISTAN
(bewegungslos, dumpf)
Die alte Weise; -
was weckt sie mich?

(Er schlägt die Augen auf
und wendet das Haupt ein wenig)


Wo bin ich?

KURWENAL
(fährt erschrocken auf)
Ha! Diese Stimme!
Seine Stimme!
Tristan, Herre!
Mein Held! Mein Tristan!

TRISTAN
(mit Anstrengung)
Wer ruft mich?

KURWENAL
Endlich! Endlich!
Leben, o Leben!
Süsses Leben,
meinem Tristan neu gegeben!

TRISTAN
(ein wenig auf dem Lager
sich erhebend, matt)

Kurwenal - du?
Wo war ich?
Wo bin ich?

KURWENAL
Wo du bist?
In Frieden, sicher und frei!
Kareol, Herr:
kennst du die Burg
der Väter nicht?

TRISTAN
Meiner Väter?

KURWENAL
Sieh dich nur um!

TRISTAN
(motionless, dully)
That old tune?
Why does it waken me?

(he opens his eyes and
turns his head a little)


Where am I?

KURWENAL
(starts, surprised)
Ha! That voice!
His voice!
Tristan! My lord!
My hero! My tristan!

TRISTAN
(with difficulty)
Who is calling me?

KURWENAL
At last! At last!
Life, oh life,
sweet life,
restored to my Tristan!

TRISTAN
(raising himself up a little from
the couch, in a flat tone)

Kurwenal? You?
Where have I been?
Where am I?

KURWENAL
Where are you?
In peace, safe and free,
in Kareol, my lord!
Do you not recognise the castle
of your fathers?

TRISTAN
Of my fathers?

KURWENAL
Just look about you!

TRISTAN
Was erklang mir?

KURWENAL
Des Hirten Weise
hörtest du wieder;
am Hügel ab
hütet er deine Herde.

TRISTAN
Meine Herde?

KURWENAL
Herr, das mein' ich!
Dein das Haus,
Hof und Burg!
Das Volk, getreu
dem trauten Herrn,
so gut es konnt',
hat's Haus und Hof gepflegt,
das einst mein Held
zu Erb' und Eigen
an Leut' und Volk verschenkt,
als alles er verliess,
in fremde Land' zu ziehn.

TRISTAN
In welches Land?

KURWENAL
Hei! Nach Kornwall:
kühn und wonnig
was sich da Glanzes,
Glück und Ehren
Tristan, mein Held, hehr ertrotzt!

TRISTAN
Bin ich in Kornwall?

KURWENAL
Nicht doch: in Kareol!

TRISTAN
Wie kam ich her?

KURWENAL
Hei nun! Wie du kamst?
Zu Ross rittest du nicht;
ein Schifflein führte dich her:
doch zu dem Schifflein
hier auf den Schultern
TRISTAN
What did I hear?

KURWENAL
The shepherd's tune
it was that you heard once more;
down on the hillside
he is keeping watch over your flocks.

TRISTAN
My flocks?

KURWENAL
My lord, just as I say!
Yours is the house,
court and castle!
The people, loyal
to their dear lord,
as well as they could manage,
have looked after the house and court
which once my lord,
as their very own heritage,
granted to the people
when he left it all behind
to travel to a foregin land.

TRISTAN
To which land?

KURWENAL
Well now! To Cornwall;
bravely and gaily,
what glory,
fortune and honour
Tristan my hero won for himself there!

TRISTAN
Am I in Cornwall?

KURWENAL
Of course not, in Kareol!

TRISTAN
How did I get here?

KURWENAL
Indeed! How did you get here?
You didn't come on horseback;
a boat brought you here.
But to the ship
here, on my shoulders,
trug ich dich; - die sind breit:
sie trugen dich dort zum Strand.
Nun bist du daheim, daheim zu Land:
im echten Land,
im Heimatland;
auf eigner Weid' und Wonne,
im Schein der alten Sonne,
darin von Tod und Wunden
du selig sollst gesunden.

(Er schmiegt sich an Tristans Brust)

TRISTAN
(nach einem kleinen Schweigen)
Dünkt dich das?
Ich weiss es anders,
doch kann ich's dir nicht sagen.
Wo ich erwacht, -
weilt' ich nicht;
doch, wo ich weilte,
das kann ich dir nicht sagen.
Die Sonne sah ich nicht,
noch sah ich Land und Leute:
doch, was ich sah,
das kann ich dir nicht sagen.
Ich war,
wo ich von je gewesen,
wohin auf je ich geh':
im weiten Reich
der Weltennacht.
Nur ein Wissen
dort uns eigen:
göttlich ew'ges
Urvergessen!
Wie schwand mir seine Ahnung
Sehnsücht'ge Mahnung,
nenn' ich dich,
die neu dem Licht
des Tags mich zugetrieben?
Was einzig mir geblieben,
ein heiss-inbrünstig Lieben,
aus Todeswonne-Grauen
jagt's mich, das Licht zu schauen,
das trügend hell und golden
noch dir, Isolden, scheint!

(Kurwenal birgt, von Grausen gepackt,
sein Haupt. Tristan richtet sich
allmählich immer mehr auf)


Isolde noch
I carried you - they are broad:
they carried you there to the shore.
Now you are home, at home in your own country;
really at home
in your mother country;
amidst your own meadows and delights,
in the light of the old sun
where from death and from your wounds
you will blessedly be healed.

(He embraces Tristan)

TRISTAN
(after a brief silence)
Is that what you think?
I know differently
but I am not able to tell you.
Where I awoke,
there I was not,
but where I was
I cannot tell you.
I did not see the sun,
nor did I see land and people;
but what I did see
I cannot tell you.
I was
where I had been before I was
and where I am destined to go,
in the wide realm
of the Night of the world.
But one certain knowledge
is ours there:
divine, eternal
utter oblivion.
How did I cease to perceive it?
Yearning remembrance
did I call you,
driving me on anew
towards the light of Day.
The one thing that I remembered,
a warm and ardent love
drives me from the terror of Death's bliss
to see the Light,
which, deceiving, bright and golden,
still shines about you, Isolde!

(Kurwenal, in the grip of terror,
hides his face. Tristan
gradually raises himself up)


Isolde still
im Reich der Sonne!
Im Tagesschimmer
noch Isolde!
Welches Sehnen!
Welches Bangen!
Sie zu sehen,
welch Verlangen!
Krachend hört' ich
hinter mir
schon des Todes
Tor sich schliessen:
weit nun steht es
wieder offen,
der Sonne Strahlen
sprengt' es auf;
mit hell erschlossnen Augen
muss ich der Nacht enttauchen,
sie zu suchen,
sie zu sehen;
sie zu finden,
in der einzig
zu vergehen,
zu entschwinden
Tristan ist vergönnt.
Weh, nun wächst,
bleich und bang,
mir des Tages
wilder Drang;
grell und täuschend
sein Gestirn
weckt zu Trug
und Wahn mir das Hirn!
Verfluchter Tag
mit deinem Schein!
Wachst du ewig
meiner Pein?
Brennt sie ewig,
diese Leuchte,
die selbst nachts
von ihr mich scheuchte?
Ach, Isolde,
süsse Holde!
Wann endlich,
wann, ach wann
löschest du die Zünde,
dass sie mein Glück mir künde?
Das Licht - wann löscht es aus?

(Er sinkt erschöpft leise zurück)

Wann wird es Nacht im Haus?
in the realm of the Sun!
In the shimmer of Day
still, Isolde!
What longing!
What fearing!
To see her,
what desire!
The crash that I heard
behind me
was Death's
door closing:
now once more it stands
wide open,
the sun's beams
have burst it open;
with wide open eyes
I had to emerge from Night
to seek her,
to see her;
to find her,
in her alone
to expire,
to vanish
has it been granted to Tristan.
Alas, there now rise up
within me,
pale and fearful,
Day's wild urgings;
baleful and deceiving
its orb
rouses my mind
to deceit and folly!
Accursed Day
with your light!
Will you for ever
be witness to my anguish?
Will it burn for ever,
this Light,
which even at night
kept me from her?
Ah, Isolde,
sweet beauty!
When at last,
when, oh when
will you extinguish the spark,
that I may know my fortune?
The light - when will it be extinguished?

(He sinks back, exhausted)

When will Night come to the house?
KURWENAL
(nach grosser Erschütterung aus der
Niederschlagenheit sich aufraffend)


Der einst ich trotzt',
aus Treu' zu dir,
mit dir nach ihr
nun muss ich mich sehnen.
Glaub' meinem Wort:
du sollst sie sehen
hier und heut;
den Trost kann ich dir geben -
ist sie nur selbst noch am Leben.

TRISTAN
(sehr matt)
Noch losch das Licht nicht aus,
noch ward's nicht Nacht im Haus:
Isolde lebt und wacht;
sie rief mich aus der Nacht.

KURWENAL
Lebt sie denn,
so lass dir Hoffnung lachen!
Muss Kurwenal dumm dir gelten,
heut' sollst du ihn nicht schelten.
Wie tot lagst du
seit dem Tag,
da Melot, der Verruchte,
dir eine Wunde schlug.
Die böse Wunde,
wie sie heilen?
Mir tör'gem Manne
dünkt' es da,
wer einst dir Morolds
Wunde schloss,
der heilte leicht die Plagen,
von Melots Wehr geschlagen.
Die beste Ärztin
bald ich fand;
nach Kornwall hab ich
ausgesandt:
ein treuer Mann
wohl übers Meer
bringt dir Isolde her.

KURWENAL
(deeply shocked, pulling himself
out of his depressed state)


She whom I once defied
out of loyalty to you,
with you to her
I must now long to go.
Belive what I say:
you shall see her
here this very day;
that consolation I can give you -
if she is still alive herself.

TRISTAN
(very faintly)
Still the light is not extinguished,
still Night does not come to the house!
Isolde still lives and keeps watch;
she called me out of the Night.

KURWENAL
If she lives then,
let hope smile upon you!
Even if you think Kurwenal is foolish,
today you will not scold him.
As if dead you lay there
since that day
when Melot, the villain,
dealt you a wound.
That evil wound,
how to heal it?
To me, simple that I am,
it rather seems that
she who once before eased for you
the torment of Morold's wound,
she could easily heal the torment
of Melot's sword.
The best physician [Isolde]
I soon discovered:
to Cornwall I have
sent word;
a faithful man
is bringing Isolde here
across the sea.

TRISTAN
(ausser sich)
Isolde kommt!
Isolde naht!
(Er ringt gleichsam nach Sprache)
O Treue! Hehre,
holde Treue!
(Er zieht Kurwenal an sich
und umarmt ihn)


Mein Kurwenal,
du trauter Freund!
Du Treuer ohne Wanken,
wie soll dir Tristan danken?
Mein Schild, mein Schirm
in Kampf und Streit,
zu Lust und Leid
mir stets bereit:
wen ich gehasst,
den hasstest du;
wen ich geminnt,
den minntest du.
Dem guten Marke,
dient' ich ihm hold,
wie warst du ihm treuer als Gold!
Musst' ich verraten
den edlen Herrn,
wie betrogst du ihn da so gern!
Dir nicht eigen,
einzig mein,
mit leidest du,
wenn ich leide:
nur was ich leide;
das kannst du nicht leiden!
Dies furchtbare Sehnen,
das mich sehrt;
dies schmachtende Brennen,
das mich zehrt;
wollt' ich dir's nennen,
könntest du's kennen:
nicht hier würdest du weilen,
zur Warte müsstest du eilen, -
mit allen Sinnen
sehnend von hinnen
nach dorten trachten und spähen,
wo ihre Segel sich blähen,
wo vor den Winden,
mich zu finden,
von der Liebe Drang befeuert,
Isolde zu mir steuert! -
Es naht! Es naht
TRISTAN
(beside himself)
Isolde is coming!
Isolde approaches!
(He struggles for the words)
Oh faith! Bold,
sweet faith!

(He embraces Kurwenal)

My Kurwenal,
dearest friend!
Unshakeably faithful,
how is Tristan to thank you?
My shield and my guard
in battle and strife,
in merrymaking and sorrow
always by my side.
He that I hated,
you hated too.
Him I worshipped,
you worshipped too.
To the good King Mark,
when I served him well,
you were truer than Gold!
When I had to betray
that noble lord,
how glad you were to betray him too!
ver your own self,
mine alone,
you suffer with me
when I suffer:
only what I suffer
you cannot suffer!
This fearful longing
that sears me;
this languishing flame
that consumes me;
were I to give you its name,
could you know it,
you would not tarry here,
you would hurry away to keep watch -
with all your senses
longing to get away
to keep careful watch
for their billowing sails
before the wind
where, aflame with the urgings of love,
to find me,
Isolde is sailing towards me.
It approaches! It approaches,
mit mutiger Hast!
Sie weht, sie weht -
die Flagge am Mast.
Das Schiff! Das Schiff!
Dort streicht es am Riff!
Siehst du es nicht?
(heftig)
Kurwenal, siehst du es nicht?

(Als Kurwenal, um Tristan nicht zu verlassen, zögert, und dieser in schweigender Spannung auf ihn blickt, ertönt, wie zu Anfang, näher, dann ferner, die klagende Weise des Hirten)

KURWENAL
(niedergeschlagen)
Noch ist kein Schiff zu sehn!

TRISTAN
(hat mit abnehmender Aufregung gelauscht
und beginnt nun mit wachsender Schwermut)


Muss ich dich so verstehn,
du alte ernste Weise,
mit deiner Klage Klang?
Durch Abendwehen
drang sie bang,
als einst dem Kind
des Vaters Tod verkündet: -
durch Morgengrauen
bang und bänger,
als der Sohn
der Mutter Los vernahm.
Da er mich zeugt' und starb,
sie sterbend mich gebar, -
die alte Weise
sehnsuchtbang
zu ihnen wohl
auch klagend drang,
die einst mich frug,
und jetzt mich frägt:
zu welchem Los erkoren,
ich damals wohl geboren?
Zu welchem Los?
Die alte Weise
sagt mir's wieder:
mich sehnen - und sterben!
Nein! Ach nein!
So heisst sie nicht!
Sehnen! Sehnen!
Im Sterben mich zu sehnen,
vor Sehnsucht nicht zu sterben!
Die nie erstirbt,
sehnend nun ruft
speedy and brave!
It waves, it waves,
the flag on the mast.
The ship! The ship!
There it goes past the reef!
Can't you see it?
(vehemently)
Kurwenal, can't you see it?

(As Kurwenal hesitates, so as not to leave Tristan, and the latter looks at him, silent and tense, there sounds out, as before, at first near by and then in the distance the plaintive tune of the shepherd)

KURWENAL
(disheartened)
Still no ship in sight!

TRISTAN
(has been listening with failing enthusiasm,
now with growing melancholy)


Must I understand you thus,
you ancient, solemn tune
with your plaintive tones?
Through the evening air
it came, fearfully,
as once it brought news to the child
of his father's death.
Through the grey light of morning,
ever more fearful,
as the son
became aware of his mother's lot.
As he begat me and died,
so, dying, she bore me.
That ancient tune
of anxious yearning
sounded its lament
to them too,
asking me then,
and asking me now,
for what fate
was I then born?
For what fate?
The ancient tune
tells me once more:
to yearn - and to die!
No! Ah, no!
That is not it!
Yearning! Yearning!
While dying to yearn,
but not to die of yearning!
Never dying,
yearning, calling out
um Sterbens Ruh'
sie der fernen Ärztin zu. -
Sterbend lag ich
stumm im Kahn,
der Wunde Gift
dem Herzen nah:
Sehnsucht klagend
klang die Weise;
den Segel blähte der Wind
hin zu Irlands Kind.
Die Wunde, die
sie heilend schloss,
riss mit dem Schwert
sie wieder los;
das Schwert dann aber -
liess sie sinken;
den Gifttrank gab sie
mir zu trinken:
wie ich da hoffte
ganz zu genesen,
da ward der sehrendste
Zauber erlesen:
dass nie ich sollte sterben,
mich ew'ger Qual vererben!
Der Trank! Der Trank!
Der furchtbare Trank!
Wie vom Herzen zum Hirn
er wütend mir drang!
Kein Heil nun kann,
kein süsser Tod
je mich befrein
von der Sehnsucht Not;
nirgends, ach nirgends
find ich Ruh':
mich wirft die Nacht
dem Tage zu,
um ewig an meinen Leiden
der Sonne Auge zu weiden.
O dieser Sonne
sengender Strahl,
wie brennt mir das Hirn
seine glühende Qual!
Für diese Hitze
heisses Verschmachten,
ach, keines Schattens
kühlend Umnachten!
Für dieser Schmerzen
schreckliche Pein,
welcher Balsam sollte
mir Lindrung verleihn?
Den furchtbaren Trank,
for the peace of death
to the far-away physician.
Dying I lay
in the boat, silent,
the wound's poison
near my heart:
in plaintive yearning
the tune sounded forth;
the wind blew the sail
towards Ireland's child.
The wound which
she closed,
with the sword
she opened up again;
but then, the sword,
she lowered it;
the poison draught
she gave me to drink;
as I hoped fully
to be healed by it,
then was the most searing
magic unleashed:
that I might never die
but inherit eternal torment!
The draught! The draught!
The fearful draught!
From my heart to my brain
it forced its furious way!
No healing,
no sweet death
can ever release me
from yearning's distress;
never, ah never
shall I find peace:
Night casts me out
into Day,
ever to feed my sorrows
in the sight of the sun.
Oh, this sun's
searing rays,
how my head burns
from its scorching torture!
For the burning longing
of this heat
ah, no shade's
dark concealment!
For the burning longing's
terrible torment
what ointment could
bring me ease?
The fearful draught
der der Qual mich vertraut,
ich selbst - ich selbst,
ich hab' ihn gebraut!
Aus Vaters Not
und Mutter-Weh,
aus Liebestränen
eh' und je, -
aus Lachen und Weinen,
Wonnen und Wunden
hab ich des Trankes
Gifte gefunden!
Den ich gebraut,
der mir geflossen,
den Wonne schlürfend
je ich genossen, -
verflucht sei, furchtbarer Trank!
Verflucht, wer dich gebraut!
(Er sinkt ohnmächtig zurück)

KURWENAL
(der vergebens Tristan zu mässigen
suchte, schreit entsetzt auf)


Mein Herre! Tristan!
Schrecklicher Zauber!
O Minnetrug!
O Liebeszwang!
Der Welt holdester Wahn,
wie ist's um dich getan!
Hier liegt er nun,
der wonnige Mann,
der wie keiner geliebt und geminnt.
Nun seht, was von ihm
sie Dankes gewann,
was je Minne sich gewinnt!

(mit schluchzender Stimme)

Bist du nun tot?
Lebst du noch?
Hat dich der Fluch entführt?

(Er lauscht seinem Atem)

O Wonne! Nein!
Er regt sich, er lebt! -
Wie sanft er die Lippen rührt!

TRISTAN
(langsam wieder zu sich kommend)
Das Schiff? Siehst du's noch nicht?
that brings me anguish,
I, I myself,
I prepared it!
From my father's distress
and mother's anguish,
from tears of love
everlasting,
from laughing and weeping,
happiness and hurts,
I found
the poisonous draught!
What I had prepared
flowed towards me;
devouring it blissfully
I enjoyed it -
be accursed, fearful draught!
Cursed be he that prepared you!
(He falls back unconscious)

KURWENAL
(vainly trying to calm Tristan,
cries out in horror)


My Lord! Tristan!
Dreadful Magic!
Love's deception!
Passion's urgings!
The world's loveliest delusion,
what has happened to you?
Here he lies,
the splendid man,
loved and adored as no other.
See now what thanks
Love has won for him,
the thanks that love always wins!

(with a catch in his voice)

Are you dead?
Are you still alive?
Has the curse borne you away?

(He listens for his breath)

O joy! No!
He is moving, he is alive!
How gently he moves his lips!

TRISTAN
(slowly coming to his senses)
The ship! Can't you see it yet?
KURWENAL
Das Schiff? Gewiss,
es naht noch heut';
es kann nicht lang mehr säumen.

TRISTAN
Und drauf Isolde,
wie sie winkt, -
wie sie hold
mir Sühne trinkt:
siehst du sie?
siehst du sie noch nicht?

Wie sie selig,
hehr und milde
wandelt durch
des Meers Gefilde?
Auf wonniger Blumen
lichten Wogen
kommt sie sanft
ans Land gezogen.
Sie lächelt mir Trost
und süsse Ruh',
sie führt mir letzte
Labung zu.
Ach, Isolde, Isolde!
Wie schön bist du!
Und Kurwenal, wie,
du sähst sie nicht?
Hinauf zur Warte,
du blöder Wicht!
Was so hell und licht ich sehe,
dass das dir nicht entgehe!
Hörst du mich nicht?
Zur Warte schnell!
Eilig zur Warte!
Bist du zur Stell'?
Das Schiff? Das Schiff?
Isoldens Schiff?
Du musst es sehen!
Musst es sehen!
Das Schiff? Sähst du's noch nicht?

(Während Kurwenal noch zögernd mit Tristan ringt, lässt der Hirt von aussen die Schalmei ertönen. Kurwenal springt freudig auf)

KURWENAL
The ship? Of course,
it will be here today!
It can't be far off now.

TRISTAN
And on it Isolde,
how she is waving,
how sweetly she is drinking
reconciliation to me.
Can you see her?
Can't you see her yet,

as she sweetly,
bravely and gently
wanders across
the watery plains?
On soft waves
of blissful flowers
she gently comes
into land.
She smiles at me,
giving comfort and sweet peace,
she brings me
my last refreshment.
Ah, Isolde! Isolde!
How lovely you are!
And Kurwenal, tell me,
do you not see her?
Go and keep watch,
foolish wretch!
What I can see so bright and clear,
do not let it escape you!
Can you not hear me?
Quickly, to the lookout!
Quickly, keep watch!
Are you still there?
The ship? The ship?
Isolde's ship?
You must see it!
Must see it!
The ship! Can't you see it yet?

(While Kurwenal, hesitating, restrains Tristan, the shepherd sounds his pipe. Kurwenal springs up joyfully)

KURWENAL
O Wonne! Freude!

(Er stürzt auf die Warte
und späht aus)


Ha! Das Schiff!
Von Norden seh' ich's nahen.

TRISTAN
(in wachsender Begeisterung)
Wusst' ich's nicht?
Sagt' ich's nicht?
dass sie noch lebt,
noch Leben mir webt?
Die mir Isolde
einzig enthält,
wie wär' Isolde
mir aus der Welt?

KURWENAL
(von der Warte zurückrufend, jauchzend)
Heiha! Heiha!
Wie es mutig steuert!
Wie stark der Segel sich bläht!
Wie es jagt, wie es fliegt!

TRISTAN
Die Flagge? Die Flagge?

KURWENAL
Der Freude Flagge
am Wimpel lustig und hell!

TRISTAN
(auf dem Lager hoch sich aufrichtend)
Hahei! Der Freude!
Hell am Tage
zu mir Isolde!
Isolde zu mir!
Siehst du sie selbst?

KURWENAL
Jetzt schwand das Schiff
hinter dem Fels.

KURWENAL
Oh, happiness! Joy!

(He leaps to the lookout post
and gazes out to sea)


Ah! The ship!
I can see it approaching from the north!

TRISTAN
(with growing excitement)
Didn't I know it?
Didn't I say
that she was still alive,
sustaining life in me?
As the only thing
it holds for me,
how could Isolde
have departed the world?

KURWENAL
(calling from the lookout post, joyfully)
Ahoy! Ahoy!
How bravely it sails!
How the sails are filled!
How it streaks along, how it flies!

TRISTAN
The flag? The flag?

KURWENAL
The festive flag
at the masthead merry and bright!

TRISTAN
(raising himself up on his cot)
Ah! The flag of joy!
In the clear light of Day,
to me, Isolde!
Isolde, to me!
Can you see Isolde herself?

KURWENAL
The ship has disappeared
behind the rocks.

TRISTAN
Hinter dem Riff?
Bringt es Gefahr?
Dort wütet die Brandung,
scheitern die Schiffe!
Das Steuer, wer führt's?

KURWENAL
Der sicherste Seemann.

TRISTAN
Verriet' er mich?
Wär' er Melots Genoss?

KURWENAL
Trau' ihm wie mir!

TRISTAN
Verräter auch du!
Unsel'ger!
Siehst du sie wieder?

KURWENAL
Noch nicht.

TRISTAN
Verloren!

KURWENAL
(jauchzend)
Heiha! Hei ha ha ha!
Vorbei! Vorbei!
Glücklich vorbei!

TRISTAN
(jauchzend)
Hei ha ha ha! Kurwenal,
treuester Freund!
All mein Hab' und Gut
vererb ich noch heute.

KURWENAL
Sie nahen im Flug.

TRISTAN
Siehst du sie endlich?
Siehst du Isolde?

KURWENAL
Sie ist's! Sie winkt!

TRISTAN
Behind the reef?
Is it in danger?
There, in the turbulent current,
ships are wrecked.
Who is at the helm?

KURWENAL
The safest of seamen.

TRISTAN
Might he betray us,
could he be one of Melot's men?

KURWENAL
Trust in him as in me!

TRISTAN
You too a traitor!
Wretched man!
Can you see her yet?

KURWENAL
Not yet.

TRISTAN
Lost!

KURWENAL
(joyously)
Ahoy! Ahoy!
Through! Through!
Safely through!

TRISTAN
(joyously)
Kurwenal! Ahoy! Ahoy!
most faithful of friends!
All my goods and possessions
I bequeath this day!

KURWENAL
They are approaching at speed.

TRISTAN
Can you see them at last?
Can you see Isolde?

KURWENAL
There she is! She is waving!

TRISTAN
O seligstes Weib!

KURWENAL
Im Hafen der Kiel!
Isolde, ha!
Mit einem Sprung
springt sie vom Bord ans Land.

TRISTAN
Herab von der Warte,
müssiger Gaffer!
Hinab! Hinab
an den Strand!
Hilf ihr! Hilf meiner Frau!

KURWENAL
Sie trag' ich herauf:
trau' meinen Armen!
Doch du, Tristan,
bleib mir treulich am Bett!
(Kurwenal eilt fort)


TRISTAN
Oh blessed woman!

KURWENAL
The ship is in harbour!
Isolde - ah,
with a single bound
she is leaping ashore!

TRISTAN
Come down from the lookout post,
idle gazer!
Down! Down!
to the beach!
Help her! Help my lady!

KURWENAL
I'll carry her up here:
trust in my arms!
But you, Tristan,
promise to stay on your couch.
(Kurwenal hurries away)


ZWEITE SZENE

Tristan. Isolde. Kurwenal.

TRISTAN
(in höchster Aufregung
auf dem Lager sich mühend)


O diese Sonne!
Ha, dieser Tag!
Ha, dieser Wonne
sonnigster Tag!
Jagendes Blut!
Jauchzender Mut!
Lust ohne Massen,
freudiges Rasen!
Auf des Lagers Bann
wie sie ertragen!
Wohlauf und daran,
wo die Herzen schlagen!
Tristan der Held,
in jubelnder Kraft,
hat sich vom Tod
emporgerafft!

(Er richtet sich hoch auf)

Mit blutender Wunde
bekämpft' ich einst Morolden:
mit blutender Wunde
erjag' ich mir heut' Isolden!

(Er reisst sich den Verband
der Wunde auf)


Heia, mein Blut!
Lustig nun fliesse!

(Er springt vom Lager herab
und schwankt vorwärts)


Die mir die Wunde
ewig schliesse, -
sie naht wie ein Held,
sie naht mir zum Heil!
Vergeh' die Welt
meiner jauchzenden Eil'!

(Er taumelt nach der Mitte der Bühne)

SCENE TWO

Tristan. Isolde. Kurwenal.

TRISTAN
(in great excitement,
straining on his couch)


Oh this sun!
Ah! This Day!
Ah, this joy's
sunniest day!
Coursing blood,
rejoicing spirit!
Bliss beyond bounds,
joyful delirium!
Confined to my bed,
how can I bear it!
Up then and onwards
to where hearts are beating!
Tristan the hero,
rejoicing in his strength
has snatched himself back
from death.

(He raises himself up)

With bleeding wound
I once battled with Morold,
with bleeding wound
I now pursue Isolde!

(He tears the dressing
from his wound)


Ah, my blood!
Cheerily flow, my blood!

(He leaps from his bed
and staggers forward)


She who my wound
will finally heal,
like a hero approaches,
she approaches, my salvation!
Let the world perish
before my rejoicing haste!

(He staggers to the centre of the stage)

ISOLDE
(von aussen)
Tristan! Geliebter!

TRISTAN
(in der furchtbarsten Aufregung)
Wie, hör' ich das Licht?
Die Leuchte, ha!
Die Leuchte verlischt!
Zu ihr, zu ihr!

(Isolde eilt atemlos herein. Tristan, seiner nicht mächtig, stürzt sich ihr schwankend entgegen. In der Mitte der Bühne begegnen sie sich; sie empfängt ihn in ihren Armen. - Tristan sinkt langsam in ihren Armen zu Boden)

ISOLDE
Tristan! Ha!

TRISTAN
(sterbend zu ihr aufblickend)
Isolde!

(Er stirbt)

ISOLDE
Ha! Ich bin's, ich bin's,
süssester Freund!
Auf, noch einmal
hör' meinen Ruf!
Isolde ruft:
Isolde kam,
mit Tristan treu zu sterben!
Bleibst du mir stumm?
Nur eine Stunde,
nur eine Stunde
bleibe mir wach!
So bange Tage
wachte sie sehnend,
um eine Stunde,
mit dir noch zu wachen:
betrügt Isolden,
betrügt sie Tristan
um dieses einzige,
ewig kurze
letzte Weltenglück?
Die Wunde? Wo?
Lass sie mich heilen!
Dass wonnig und hehr
die Nacht wir teilen;
nicht an der Wunde,
an der Wunde stirb mir nicht:
uns beiden vereint
erlösche das Lebenslicht!
ISOLDE
(from outside)
Tristan! Beloved!

TRISTAN
(in extreme agitation)
What? Is it the light I hear?
The torch, ah!
The torch is extinguished!
To her! To her!

(Isolde enters breathlessly. Tristan, hardly conscious, totters towards her. They meet in the centre of the stage. She takes him in her arms. Tristan sinks slowly to the ground in her arms)

ISOLDE
Tristan! Ha!

TRISTAN
(dying, looks up at her)
Isolde!

(He dies)

ISOLDE
Ah! It is I! It is I!
sweetest beloved!
Up, just once more,
listen to my call!
Isolde is calling:
Isolde has come
faithfully to die with Tristan.
Will you not answer me?
Just for one hour,
just for one hour
stay awake for me!
For so many anxious days
she kept watch, longing
to watch with you
for an hour.
Will Tristan
deny Isolde
this single,
eternally brief,
final worldly joy?
The wound? Where is it?
Let me heal it!
Let us in untroubled bliss
share the Night!
Not from that wound,
do not die from that wound.
Unite us both,
extinguish the light of life!
Gebrochen der Blick!
Still das Herz!
Nicht eines Atems
flücht'ges Wehn! -
Muss sie nun jammernd
vor dir stehn,
die sich wonnig dir zu vermählen
mutig kam übers Meer?
Zu spät!
Trotziger Mann!
Strafst du mich so
mit härtestem Bann?
Ganz ohne Huld
meiner Leidens-Schuld?
Nicht meine Klagen
darf ich dir sagen?
Nur einmal, ach!
nur einmal noch! -
Tristan! - Ha! -
horch! Er wacht!
Geliebter!

(Sie sinkt bewusstlos
über der Leiche zusammen)




Dimmed your eyes!
Silent your heart!
Not a breath's
gentle wafting!
Must she now in misery
stand before you,
she who joyously, to marry you,
bravely crossed the sea?
Too late!
Spiteful man!
Will you punish me thus
with this most harsh of sentences?
No consideration
of my sorrow's debt?
May I not utter
my lament to you?
Just once, ah!
just once more!
Tristan! Ah!
Listen! He is waking!
Beloved!

(She collapses unconscious
over the body)




DRITTE SZENE

Die Vorigen. Der Hirt. Der Stuermann. Melot. Brangäne. Marke. Ritter und Knappen.

(Kurwenal war sogleich hinter Isolde zurückgekommen; sprachlos in furchtbarer Erschütterung hat er dem Auftritte beigewohnt und bewegungslos auf Tristan hingestarrt. Aus der Tiefe hört man jetzt dumpfes Gemurmel und Waffengeklirr. Der Hirt kommt über die Mauer gestiegen)

HIRT
(hastig und leise
sich zu Kurwenal wendend)

Kurwenal! Hör'!
Ein zweites Schiff.

(Kurwenal fährt heftig auf und blickt über die Brüstung, während der Hirt aus der Ferne erschüttert auf Tristan und Isolde sieht)

KURWENAL
(in Wut ausbrechend)
Tod und Hölle!
Alles zur Hand!
Marke und Melot
hab' ich erkannt.
Waffen und Steine!
Hilf mir! Ans Tor!

(Er eilt mit dem Hirten an das Tor,
das sie in der Hast zu verrammeln suchen)


DER STEUERMANN
(stürzt herein)
Marke mir nach
mit Mann und Volk:
vergebne Wehr!
Bewältigt sind wir.

KURWENAL
Stell dich, und hilf!
Solange ich lebe,
lugt mir keiner herein!

BRANGÄNES STIMME
(aussen, von unten her)
Isolde! Herrin!

KURWENAL
Brangänes Ruf?

(hinabrufend)

Was suchst du hier?

SCENE THREE

The previous characters. The Shepherd. The Steersman. Melot. Brangaene. Mark. Knights and Squires.

(Kurwenal has just come in behind Isolde; speechless and deeply shocked he has witnessed the scene and stared at Tristan, motionless. From below can be heard a dull murmuring and clatter of weapons. The shepherd comes climbing over the wall)

SHEPHERD
(turning quickly and
quietly to Kurwenal)


Kurwenal! Listen!
A second ship.

(Kurwenal starts and looks over the escarpment while the Shepherd, horrified, looks at Tristan and Isolde from a distance)

KURWENAL
(in an outbreak of rage)
Death and damnation!
To your posts!
I have made out
Mark and Melot!
Weapons and stones!
Help me! To the gate!

(He hurries with the shepherd to the gate,
which they try to barricade hastily)


THE HELMSMAN
(rushing in)
Mark is behind me
with armed men and people.
Resistance is useless!
We are overpowered.

KURWENAL
Take up your post and help!
As long as I live
nobody is going to spy on me here!

BRANGAENE'S VOICE
(coming from outside)
Isolde! My mistress!

KURWENAL
Brangaene calling?

(calling down the slope)

What do you want here?

BRANGÄNE
Schliess' nicht, Kurwenal!
Wo ist Isolde?

KURWENAL
Verrätrin auch du?
Weh dir, Verruchte!

MELOT
(ausserhalb)
Zurück, du Tor!
Stemm dich nicht dort!

KURWENAL
(wütend auffahrend)
Heiahaha! Dem Tag,
an dem ich dich treffe!

(Melot, mit gewaffneten Männern, erscheint unter dem Tor. Kurwenal stürzt sich auf ihn und streckt ihn zu Boden)

KURWENAL
Stirb, schändlicher Wicht!

MELOT
Weh mir, Tristan!

(Er stirbt)

BRANGÄNE
(noch ausserhalb)
Kurwenal! Wütender!
Hör', du betrügst dich!

KURWENAL
Treulose Magd!

(zu den Seinen)

Drauf! Mir nach!
Werft sie zurück!

(Sie kämpfen)

MARKE
(ausserhalb)
Halte, Rasender!
Bist du von Sinnen?

BRANGAENE
Do not bar the gate, Kurwenal!
Where is Isolde?

KURWENAL
You too a traitor?
Woe to you, villanous woman!

MELOT
(outside)
Get back, you fool!
Do not resist!

KURWENAL
(laughing wildly)
Heyahaha! The day
that I strike you down!

(Melot, witharmed men, appears below the gate. Kurwenal attacks him and fells him to the ground)

KURWENAL
Die shameful wretch!

MELOT
Alas, Tristan!

(He dies)

BRANGAENE
(still outside)
Kurwenal, are you mad?
Listen, you are betraying yourself!

KURWENAL
Faithless maid!

(to his men)

Come on! Follow me!
Throw them back!

(They fight)

MARK
(outside)
Stop, you madman!
Have you lost your senses?

KURWENAL
Hier wütet der Tod!
Nichts andres, König,
ist hier zu holen:
willst du ihn kiesen, so komm!

(Er dringt auf Marke
und dessen Gefolge ein)


MARKE
(unter dem Tor mit
Gefolge erscheinend)

Zurück! Wahnsinniger!

BRANGÄNE
(hat sich seitwärts über die Mauer
geschwungen und eilt in den Vordergrund)


Isolde! Herrin!
Glück und Heil!
Was seh' ich! Ha!
Lebst du? Isolde!

(Sie müht sich um Isolde. - Marke mit seinem Gefolge hat Kurwenal mit dessen Helfern vom Tore zurückgetrieben und dringt herein)

MARKE
O Trug und Wahn!
Tristan, wo bist du?

KURWENAL
(schwer verwundet, schwankt vor Marke
her nach dem Vordergrund)


Da liegt er -
hier - wo ich - liege.

(Er sinkt bei Tristans Füssen zusammen)

MARKE
Tristan! Tristan!
Isolde! Weh!

KURWENAL
Here death rages!
Nothing else, King,
is to be had here;
if that is what you want, come on!

(He sets about Mark
and his followers)


MARK
(appearing under the gate
with some men)

Get back, madman!

BRANGAENE
(has climbed in over the wall at the side
and hurries forward)


Isolde! Mistress!
Joy and salvation!
What do I see? Ah!
Are you alive? Isolde!

(She tends Isolde. - Mark and his men have driven Kurwenal and his followes back from the gate and force their way in)

MARK
Deceit and madness!
Tristan, where are you?

KURWENAL
(badly wounded, staggers forward
before Mark)


There he lies -
here - where I lie.

(He collapses at Tristan's feet)

MARK
Tristan! Tristan!
Isolde! Alas!

KURWENAL
(nach Tristans Hand fassend)
Tristan! Trauter!
Schilt mich nicht,
dass der Treue auch mitkommt!

(Er stirbt)

MARKE
Tot denn alles!
Alles tot!
Mein Held, mein Tristan!
Trautester Freund,
auch heute noch
musst du den Freund verraten?
Heut', wo er kommt,
dir höchste Treue zu bewähren?
Erwache! Erwache!
Erwache meinem Jammer!

(schluchzend über die Leiche
sich herabbeugend)


Du treulos treuster Freund!

BRANGÄNE
(die in ihren Armen Isolde
wieder zu sich gebracht)


Sie wacht! Sie lebt!
Isolde! hör mich,
vernimm meine Sühne!
Des Trankes Geheimnis
entdeckt' ich dem König:
mit sorgender Eil'
stach er in See,
dich zu erreichen,
dir zu entsagen,
dir zuzuführen den Freund.

KURWENAL
(grasping Tristan's hand)
Tristan! Faithful friend!
Do not scold me
if your faithful friend comes with you!

(He dies)

MARK
All dead then!
All dead!
My hero, my Tristan!
Most faithful of friends,
must you even today
betray your friend?
Today, when he comes
to avow to you his deepest faith?
Awake! Awake!
Awake! to my wailing!

(Sobbing, he bends
over the bodies)


You faithless, most faithful of friends!

BRANGAENE
(who has brought Isolde
to her senses in her arms)


She wakes! She is alive!
Isolde! Listen to me,
hear my repentance!
The draught's secret
I have revealed to the King;
In anxious haste
he put out to sea
to reach you,
to renounce you,
to lead your beloved to you.

MARKE
Warum, Isolde,
warum mir das?
Da hell mir enthüllt,
was zuvor ich nicht fassen konnt',
wie selig, dass den Freund
ich frei von Schuld da fand!
Dem holden Mann
dich zu vermählen,
mit vollen Segeln
flog ich dir nach.
Doch Unglückes
Ungestüm,
wie erreicht es, wer Frieden bringt?
Die Ernte mehrt' ich dem Tod:
der Wahn häufte die Not.

BRANGÄNE
Hörst du uns nicht?
Isolde! Traute!
Vernimmst du die Treue nicht?

(Isolde, die nichts um sich her vernommen, heftet das Auge mit wachsender Begeisterung auf Tristans Leiche)

ISOLDE
Mild und leise
wie er lächelt,
wie das Auge
hold er öffnet, -
seht ihr's, Freunde?
Säh't ihr's nicht?
Immer lichter
wie er leuchtet,
sternumstrahlet
hoch sich hebt?
Seht ihr's nicht?
Wie das Herz ihm
mutig schwillt,
voll und hehr
im Busen ihm quillt?
Wie den Lippen,
wonnig mild,
süsser Atem
sanft entweht: -
Freunde! Seht!
Fühlt und seht ihr's nicht?
Hör ich nur
diese Weise,
die so wunder-
voll und leise,
Wonne klagend,
MARK
Why, Isolde,
why have you done this?
When it was clearly revealed to me
what I had not been able to comprehend,
how happy I was that I found
my friend free of guilt.
To wed you to
this glorious man
with full sail
I flew after you.
But misfortune's
impetuous haste,
how can the bringer of peace control it?
I increased the harvest of Death,
madness added yet more distress.

BRANGAENE
Can you not hear us?
Isolde! Dearest!
Can you not hear your faithful Brangaene?

(Isolde, aware of nothing round about her, fixes her gaze with mounting ecstasy upon Tristan's body)

ISOLDE
How softly and gently
he smiles,
how sweetly
his eyes open -
can you see, my friends,
do you not see it?
How he glows
ever brighter,
raising himself high
amidst the stars?
Do you not see it?
How his heart
swells with courage,
gushing full and majestic
in his breast?
How in tender bliss
sweet breath
gently wafts
from his lips -
Friends! Look!
Do you not feel and see it?
Do I alone hear
this melody
so wondrously
and gently
sounding from within him,
alles sagend,
mild versöhnend
aus ihm tönend,
in mich dringet,
auf sich schwinget,
hold erhallend
um mich klinget?
Heller schallend,
mich umwallend,
sind es Wellen
sanfter Lüfte?
Sind es Wogen
wonniger Düfte?
Wie sie schwellen,
mich umrauschen,
soll ich atmen,
soll ich lauschen?
Soll ich schlürfen,
untertauchen?
Süss in Düften
mich verhauchen?
In dem wogenden Schwall,
in dem tönenden Schall,
in des Weltatems
wehendem All, -
ertrinken,
versinken, -
unbewusst, -
höchste Lust!

(Isolde sinkt, wie verklärt, in Brangänes Armen sanft auf Tristans Leiche. Grosse Rührung und Entrücktheit, unter den Umstehenden. Marke segnet die Leichen. - Der Vorhang fällt langsam)

in bliss lamenting,
all-expressing,
gently reconciling,
piercing me,
soaring aloft,
its sweet echoes
resounding about me?
Are they gentle
aerial waves
ringing out clearly,
surging around me?
Are they billows
of blissful fragrance?
As they seethe
and roar about me,
shall I breathe,
shall I give ear?
Shall I drink of them,
plunge beneath them?
Breathe my life away
in sweet scents?
In the heaving swell,
in the resounding echoes,
in the universal stream
of the world-breath -
to drown,
to founder -
unconscious -
utmost rapture!

(Isolde sinks gently, as if transfigured, in Brangaene's arms, on to Tristan's body. Those standing around are awed and deeply moved. Mark blesses the bodies. - The curtain falls slowly)

libretto by Richard Wagner

 

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