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“Fidelio”
by Ludwig van Beethoven libretto
(German
English)
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Personen Florestan, Gefangener (Tenor) Leonore, seine Frau, unter dem Namen Fidelio (Sopran) Rocco, Kerkermeister (Bass) Marzelline, seine Tochter (Sopran) Jaquino, Pförtner (Tenor) Don Pizarro, Gouverneur des Staatsgefängnisses (Bariton) Don Fernando, Minister (Bassbariton) Erster Gefangener (Tenor) Zweiter Gefangener (Bass) Wachsoldaten, Gefangene, Volk (Chor) Ouvertüre Der Hof des Staatsgefängnisses. Im Hintergrund das Haupttor und eine hohe Wallmauer, über welche Bäume hervorragen. Im geschlossenen Tor selbst ist eine kleine Pforte, die für einzelne Fußgänger geöffnet wird. Neben dem Tor das Stübchen des Pförtners. Links die Wohngebäude der Gefangenen; alle Fenster haben Gitter, und die mit Nummern bezeichneten Türen sind mit Eisen beschlagen und mit starken Riegeln bewehrt. In der vordersten Kulisse ist die Tür zur Wohnung des Gefangenenwärters. Rechts stehen von einem Geländer eingefaßte Bäume, die neben einem Gartentor den Eingang des Schloßgartens bezeichnen. (Marzelline plättet Wäsche vor ihrer Tür, neben ihr steht ein Kohlenbecken, in dem sie den Stahl wärmt. Jaquino hält sich bei seinem Stübchen; er öffnet die Tür mehreren Personen, die ihm Pakete übergeben, welche er in sein Stübchen legt.) |
Characters Florestan, a prisoner (tenor) Leonore, his wife, disguised as a man under the alias Fidelio (soprano) Rocco, the jailer (bass) Marzelline, his daughter (soprano) Jaquino, assistant to Rocco (tenor) Don Pizarro, governor of the prison (baritone) Don Fernando, King’s minister (baritone) Two prisoners (tenor and bass) Soldiers, prisoners, townspeople Overture The courtyard of the state prison. In the background the main gate and a high wall with ramparts over which trees are visible. In the gate itself, which is shut, there is a little wicket which is opened for occasional visitors on foot. Near the gate is the porter’s lodge. The wings on the left represent the prisoners’ cells; all the windows are barred and the doors, which are numbered, are rein- forced with iron and shuttered with heavy bolts. In the forwardmost wing is the door to the gaoler’s quarters. On the right there are trees protected by iron railings, and these, with a garden gate, show the entrance to the castle gardens. (Marzelline is ironing laundry in front of her door; at her side is a brazier on which she warms the iron. Jaquino stands close to his lodge; he opens the door to various people who hand parcels to him which he puts in his lodge.) |
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Nr.1: Duett JAQUINO (verliebt sich die Hände reibend) Jetzt, Schätzchen, jetzt sind wir allein, wir können vertraulich nun plaudern. MARZELLINE (ihre Arbeit fortsetzend) Es wird wohl nichts Wichtiges sein, ich darf bei der Arbeit nicht zaudern. JAQUINO Ein Wörtchen, du Trotzige, du! MARZELLINE So sprich nur, ich höre ja zu. JAQUINO Wenn du mir nicht freundlicher blickest, so bring’ ich kein Wörtchen hervor. MARZELLINE Wenn du dich nicht in mich schickest, verstopf’ ich mir vollends das Ohr. So hab’ ich denn nimmermehr Ruh’, so rede, so rede nur zu. JAQUINO Ein Weilchen nur höre mir zu, dann laß ich dich wieder in Ruh’. Ich – ich habe – ich habe zum Weib dich gewählet, verstehst du? MARZELLINE Das ist ja doch klar. JAQUINO Und wenn mir dein Jawort nicht fehlet, was meinst du? MARZELLINE So sind wir ein Paar. JAQUINO Wir könnten in wenigen Wochen ... MARZELLINE Recht schön, du bestimmst schon die Zeit! JAQUINO |
No.1: Duet JAQUINO (ardently rubbing his hands) Now, sweetheart, now we are alone, we can have a private chat. MARZELLINE (continuing her work) It will not be that important, I must not linger over my work. JAQUINO Just a word, you stubborn girl! MARZELLINE Speak on then, I am listening. JAQUINO If you do not look more kindly at me I won’t get a single word out. MARZELLINE If you do not fall in with me, I’ll close my ears altogether. Well then, I can never have peace, so speak, just speak on. JAQUINO Listen just a moment to me, then I’ll leave you in peace again. I – I have – I have chosen you to be my wife, do you understand? MARZELLINE That’s clear indeed. JAQUINO And if your “Yes” is not lacking, what do you think? MARZELLINE Then we’ll be a pair. JAQUINO In a few weeks we could... MARZELLINE Very fine, already you are naming the day! JAQUINO |
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Zum Henker das ewige Pochen! Da war ich so herrlich im Gang, und immer entwischt mir der Fang. MARZELLINE So bin ich doch endlich befreit! Wie macht seine Liebe mir bang, und wie werden die Stunden mir lang. (Jaquino öffnet die Pforte, nimmt ein Paket ab und legt es in sein Stübchen; unterdessen fährt Marzelline fort.) Ich weiß, daß der Arme sich quälet, es tut mir so leid auch um ihn! Fidelio hab’ ich gewählet, ihn lieben ist süßer Gewinn. JAQUINO (zurückkehrend) Wo war ich? Sie sieht mich nicht an! MARZELLINE Da ist er – er fängt wieder an!! JAQUINO Wann wirst du das Jawort mir geben? Es könnte ja heute noch sein. MARZELLINE (beiseite) O weh! Er verbittert mein Leben! (zu Jaquino) Jetzt, morgen und immer nein, nein! JAQUINO Du bist doch wahrhaftig von Stein, kein Wünschen, kein Bitten geht ein. MARZELLINE (für sich) Ich muß ja so hart mit ihm sein, er hofft bei dem mindesten Schein. JAQUINO So wirst du dich nimmer bekehren? Was meinst du? |
The Deuce take that endless knocking! There I was, nicely started and always the prey escapes me! MARZELLINE At last I am set free! How anxious his love makes me feel, and how long the hours are! (Jaquino opens the wicket, takes a parcel and places it in his lodge; meanwhile Marzelline works on.) I know the poor fellow is suffering and I’m sorry for him. Fidelio I have chosen; to love him is a sweet prize. JAQUINO (comes back) Where was I? She’s not looking at me. MARZELLINE There he is – he’s starting again! JAQUINO When will you say yes? It could well be today. MARZELLINE (aside) Alas, he embitters my life! (to Jaquino) Now, tomorrow and forever, no, no! JAQUINO Truly you are made of stone, no wish, no plea can move you. MARZELLINE (to herself) I must be hard with him, he hopes at the smallest sign. JAQUINO Then will you never change your mind? What do you think? |
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MARZELLINE Du könntest nun geh’n. JAQUINO Wie? Dich anzusehen, willst du mir wehren? Auch das noch? MARZELLINE So bleibe hier steh’n. JAQUINO Du hast mir so oft doch versprochen ... MARZELLINE Versprochen? Nein, das geht zu weit! JAQUINO Zum Henker das ewige Pochen! MARZELLINE So bin ich doch endlich befreit! Das ist ein willkommener Klang, es wurde zu Tode mir bang. JAQUINO Es ward ihr im Ernste schon bang, wer weiß, ob es mir gelang. MARZELLINE (allein) Der arme Jaquino dauert mich beinahe. Kann ich es aber ändern? Ich war ihm sonst recht gut, da kam Fidelio in unser Haus und seit der Zeit ist alles in mir und um mich verändert. |
MARZELLINE You might as well go. JAQUINO What? Will you forbid me to look at you? Even that? MARZELLINE Stay here then. JAQUINO Still, you have so often promised me... MARZELLINE Promised? No, that’s going too far! JAQUINO The Deuce take that endless knocking! MARZELLINE At last I am set free! That is a welcome sound. I was frightened to death. JAQUINO She was seriously frightened, who knows, I might have succeeded. MARZELLINE (alone) Poor Jaquino makes me almost sorry. I used to like him well enough; then Fidelio came to our house, and since that time everything in me and around me is changed. |
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Nr.2: Arie MARZELLINE O wär’ ich schon mit dir vereint, und dürfte Mann dich nennen! Ein Mädchen darf ja, was es meint, zur Hälfte nur bekennen. Doch wenn ich nicht erröten muß, ob einem warmen Herzenskuß, wenn nichts uns stört auf Erden – (seufzt und legt die Hand auf die Brust) Die Hoffnung schon erfüllt die Brust, mit unaussprechlich süßer Lust; wie glücklich will ich werden! In Ruhe stiller Häuslichkeit erwach’ ich jeden Morgen, wir grüßen uns mit Zärtlichkeit, der Fleiß verscheucht die Sorgen. Und ist die Arbeit abgetan, dann schleicht die holde Nacht heran, dann ruh’n wir von Beschwerden. Die Hoffnung schon erfüllt die Brust, mit unaussprechlich süßer Lust; wie glücklich will ich werden! ROCCO (auftretend) Guten Tag, Marzelline. Ist Fidelio noch nicht zurück? MARZELLINE Nein, Vater – Da ist er ja! Da ist er ja! (Leonore tritt auf. Sie trägt ein dunkles Wams, ein rotes Gilet, dunkles Beinkleid, kurze Stiefel, einen bre- iten Gürtel aus schwarzem Leder mit einer kupfernen Schnalle; ihre Haare sind in eine Netzhaube gesteckt. Auf dem Rücken trägt sie ein Behältnis mit Lebensmitteln, an den Armen Ketten, die sie beim Eintreten an dem Stübchen des Pförtners ablegt; an der Seite hängt ihr eine blecherne Büchse an einer Schnur.) ROCCO Armer Fidelio, diesmal hast du zuviel dir aufgeladen. |
No.2: Aria MARZELLINE Oh, were I now united with you, and might call you Husband! What it would mean, a maiden can only half admit. But when I do not have to blush at a warm and heartfelt kiss, when nothing on earth can disturb us – (sighs and lays her hand on her breast) Hope already fills my breast with inexpressibly sweet delight: how happy I shall be! In the peace of quiet domesticity I shall awake each morning, we shall greet one another tenderly, toil will banish care. And when the work is finished, then blessed night will creep on, then we shall rest from our troubles. Hope already fills my breast with inexpressible sweet delight: how happy I shall be! ROCCO (entering) Good day, Marzelline. Is Fidelio not back yet? MARZELLINE No, father – Ah yes, there he is! (Leonore enters. She wears a dark doublet, a red waist- coat, dark breeches, short boots, a broad belt of black leather with a copper buckle; her hair is worn in a net cap. On her back she carries a pannier with provisions, in her arms are chains which, as she enters, she sets down at the porter’s lodge; a metal tin on a cord hangs at her side.) ROCCO Poor Fidelio, this time you have taken too much upon yourself. |
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LEONORE Ich muß gestehen, ich bin ein wenig ermüdet. Der Schmied hatte an den Ketten so lange auszubessern, daß ich glaubte, er würde nicht damit fertig werden. ROCCO Sind sie jetzt gut gemacht? LEONORE Gewiß, recht gut und stark. Keiner der Gefangenen wird sie zerbrechen. ROCCO Gut! Brav! (beiseite) Der Schelm gibt sich alle Mühe, offenbar meiner Marzelline wegen. LEONORE Ich suche zu tun, was mir möglich ist. ROCCO Ja, ja, du bist brav. Man kann nicht eifriger, nicht ver- ständiger sein. Ich habe dich aber auch mit jedem Tage lieber; und sei versichert, dein Lohn soll auch nicht ausbleiben. LEONORE O glaubt nicht, daß ich meine Schuldigkeit nur des Lohnes wegen ... ROCCO Still! Meinst du, ich könne dir nicht ins Herz sehen? |
LEONORE I must admit I am a little tired. The blacksmith took so long repairing the chains that I thought he would never get them finished. ROCCO Are they well made now? LEONORE Certainly, very well and strongly. None of the prisoners will be able to break them. ROCCO Good! Fine! (aside) The scamp takes all this trouble, obviously because of Marzelline. LEONORE I try to do what I can. ROCCO Yes, yes, you are a good lad. No one could be more hard-working, more sensible. I like you more and more every day. And be assured your reward will not be wanting. LEONORE Oh, do not think that I carry out my duties only for the reward... ROCCO Hush! Do you imagine I cannot see into your heart? |
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Nr.3: Quartett MARZELLINE (für sich) Mir ist so wunderbar, es engt das Herz mir ein; er liebt mich, es ist klar, ich werde glücklich sein! LEONORE (für sich) Wie groß ist die Gefahr, wie schwach der Hoffnung Schein! Sie liebt mich, es ist klar, o namenlose Pein! ROCCO (für sich) Sie liebt ihn, es ist klar, ja, Mädchen, er wird dein! Ein gutes, junges Paar, sie werden glücklich sein! JAQUINO (für sich) Mir sträubt sich schon das Haar, der Vater willigt ein, mir wird so wunderbar, mir fällt kein Mittel ein! (Er geht in seine Stube zurück.) ROCCO Höre, Fidelio, weißt du, was ich tue? Ich, ich, mache dich zu meinem Tochtermann! Nun, meine Kinder, ihr habt euch doch recht herzlich lieb, nicht wahr? Aber das ist noch nicht alles, was zu einer guten, vergnügten Haushaltung gehört; man braucht auch ... (Er macht die Gebärde des Geldzählens.) |
No.3: Quartet MARZELLINE (aside) So strange I feel, my heart is gripped; he loves me, it is clear, I shall be happy! LEONORE (aside) How great is the danger, how weak the ray of hope! She loves me, it is clear, oh, nameless pain! ROCCO (aside) She loves him, it is clear; yes, maiden, he will be yours! A good young couple, they will be happy! JAQUINO (aside) My hair stands on end, the father is willing, strange it is to me, I see no way out! (Jaquino returns to his lodge.) ROCCO Listen, Fidelio, do you know what I'll do? I, I'll make you my son-in-law! Now, my children, you love one another truly, don't you? But that isn't everything that a good, contented household requires; you also need... (He mimes as if counting money.) |
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Nr.4: Arie ROCCO Hat man nicht auch Gold beineben, kann man nicht ganz glücklich sein; traurig schleppt sich fort das Leben, mancher Kummer stellt sich ein. Doch wenn’s in den Taschen fein klingelt und rollt, da hält man das Schicksal gefangen, und Macht und Liebe verschafft dir das Gold und stillet das kühnste Verlangen. Das Glück dient wie ein Knecht für Sold, es ist ein schönes Ding, das Gold, es ist ein goldnes Ding, das Gold. Wenn sich Nichts mit Nichts verbindet, ist und bleibt die Summe klein; wer bei Tisch nur Liebe findet, wird nach Tische hungrig sein. Drum lächle der Zufall euch gnädig und hold, und segne und lenk’ euer Streben; das Liebchen im Arme, im Beutel das Gold, so mögt ihr viel Jahre durchleben. Das Glück dient wie ein Knecht für Sold, es ist ein mächtig Ding, das Gold. LEONORE Ihr könnt das leicht sagen, Meister Rocco, aber ich, ich behaupte, daß die Vereinigung zweier gleichges- timmter Herzen die Quelle des wahren ehelichen Glückes ist. O, dieses Glück muß der größte Schatz auf Erden sein! Freilich gibt es noch etwas, das mir nicht minder kostbar wäre, aber mit Kummer sehe ich, daß ich es trotz aller meiner Bemühungen nicht erhalten werde. ROCCO Und was wäre denn das? LEONORE Euer Vertrauen! Verzeiht mir diesen kleinen Vorwurf, aber oft sehe ich Euch aus den unterirdischen Gewölben dieses Schloßes ganz außer Atem und ermattet zurückkommen. Warum erlaubt Ihr mir nicht, Euch dahin zu begleiten? Es wäre mir so lieb, wenn ich Euch bei Eurer Arbeit helfen und Eure Beschwerden teilen könnte. ROCCO Du weißt doch, daß ich den strengsten Befehl habe, niemanden, wer es auch sein möge, zu den |
No.4: Aria ROCCO If you don’t have money too, you cannot be really happy; life drags sadly by, many an anxiety sets in. But when it clinks and rolls in your pockets, fate is then your prisoner, and money will bring you power and love and satisfy your wildest dreams. Luck, like a servant, works for wages; it’s lovely thing, is money, it’s a precious thing, is money. If you add nothing to nothing the total is and stays small; if you find only love at meal times, you’ll be hungry afterwards. Then let fortune smile kindly upon you, and bless and guide your efforts; your sweetheart in your arms, money in your purse, so may you live many years. Luck, like a servant, works for wages; it’s a mighty thing, is money. LEONORE It is easy for you to say that, Master Rocco, but I, I maintain that the union of two hearts that beat as one is the source of true conjugal happiness. Oh, this hap- piness must be the greatest treasure on earth! There is indeed something else that would be no less pre- cious to me, but with sorrow I see that despite all my efforts I shall not achieve it. ROCCO And what is that? LEONORE Your trust. Forgive me this small reproach, but often I see you return from the underground dungeons of this castle quite out of breath and exhausted. Why do you not allow me to accompany you there? It would so please me if I could help you in your work and share your hardships. ROCCO You surely know that I have the strictest orders to let nobody, whoever it might be, in to the state prisoners. |
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Staatsgefangenen zu lassen. Auch gibt es ein Gewölbe, in das ich dich wohl nie werde führen dür- fen, obschon ich mich ganz auf dich verlassen kann. MARZELLINE Vermutlich, wo der Gefangene sitzt, von dem du schon einigemale gesprochen hast. ROCCO Du hast’s erraten, Marzelline. LEONORE Ich glaube, es ist schon lange her, daß er gefangen ist? ROCCO Es ist schon über zwei Jahre. LEONORE Zwei Jahre, sagt Ihr? Er muß ein großer Verbrecher sein! ROCCO Oder er muß große Feinde haben, das kommt unge- fähr auf eins heraus. Nun, er wird mich nicht lange mehr quälen. Es kann nicht mehr lange mit ihm dauern. LEONORE Großer Gott! MARZELLINE Lieber Himmel! Wie hat er denn eine so schwere Strafe verdient? ROCCO Seit einem Monat schon muß ich auf Pizarros Befehl seine Portion kleiner machen. Jetzt hat er binnen vierundzwanzig Stunden nicht mehr als zwei Unzen schwarzes Brot und eine halbe Maß Wasser; kein Licht, kein Stroh, nichts, nichts! MARZELLINE O lieber Vater, führe Fidelio ja nicht zu ihm! Diesen Anblick könnte er nicht ertragen! LEONORE Warum denn nicht? Ich habe Mut und Kraft! |
And there is one dungeon into which I may never take you, although I can trust you completely. MARZELLINE You mean where that prisoner is of whom you have several times spoken in the past? ROCCO You have guessed right, Marzelline. LEONORE I believe he has been in prison for a long time? ROCCO It is already over two years. LEONORE Two years, you say? He must be a great criminal! ROCCO Or he must have great enemies, that almost amounts to the same. Well, he will not trouble me much longer. He cannot last much longer. LEONORE Almighty God! MARZELLINE Dear heaven! How did he earn such heavy punish- ment? ROCCO For the last month I've had orders from Pizarro to reduce his rations. Now within twenty-four hours he has no more than two ounces of black bread and half a cup of water; no light, no straw, nothing, nothing! MARZELLINE O father dear, don't take Fidelio to him! He couldn't bear the sight. LEONORE Why not? I have the courage and strength! |
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Nr.5: Terzett ROCCO Gut, Söhnchen, gut, hab’ immer Mut, dann wird’s dir auch gelingen; das Herz wird hart durch Gegenwart bei fürchterlichen Dingen. LEONORE Ich habe Mut! Mit kaltem Blut will ich hinab mich wagen; für hohen Lohn kann Liebe schon auch hohe Leiden tragen. MARZELLINE Dein gutes Herz wird manchen Schmerz in diesen Grüften leiden; dann kehrt zurück der Liebe Glück und unnennbare Freuden. ROCCO Du wirst dein Glück ganz sicher bauen. LEONORE Ich hab’ auf Gott und Recht Vertrauen. MARZELLINE Du darfst mir auch in’s Auge schauen: der Liebe Macht ist auch nicht klein. Ja, ja, wir werden glücklich sein. LEONORE Ja, ja, ich kann noch glücklich sein. ROCCO Ja, ja, ihr werdet glücklich sein. Der Gouverneur ... der Gouverneur soll heut’ erlauben, daß du mit mir die Arbeit teilst. LEONORE Du wirst mir alle Ruhe rauben, wenn du auch nur bis morgen weilst. |
No.5: Trio ROCCO Good, my son, good, keep up your courage, then you will achieve your ends; your heart will harden in the presence of terrible things. LEONORE I have the courage! In cold blood I will dare to go down there; for great reward love can bear even great suffering. MARZELLINE Your kind heart will suffer many a pain in these dungeons; then will return love’s happiness, and inexpressible joys. ROCCO You will build your happiness securely. LEONORE I trust in God and Right. MARZELLINE Look into my eyes too; the power of Love is not small either. Yes, yes, we will be happy. LEONORE Yes, yes, I can still be happy. ROCCO Yes, yes, I can still be happy. The governor... the governor must today allow you to share my work. LEONORE You will rob me of all peace if you delay even till tomorrow. |
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MARZELLINE Ja, guter Vater, bitt’ ihn heute, in kurzem sind wir dann ein Paar. ROCCO Ich bin ja bald des Grabes Beute, ich brauche Hülf’, es ist ja wahr. LEONORE (für sich) Wie lang’ bin ich des Kummers Beute! Du, Hoffnung, reichst mir Labung dar. MARZELLINE Ach, lieber Vater, was fällt euch ein? Lang Freund und Rater müßt ihr uns sein. ROCCO Nur auf der Hut, dann geht es gut, gestillt wird euer Sehnen. MARZELLINE O habe Mut, o welche Glut! O welch ein tiefes Sehnen! LEONORE Ihr seid so gut, ihr macht mir Mut, gestillt wird bald mein Sehnen! ROCCO Gebt euch die Hand und schließt das Band in süßen Freudentränen. LEONORE (für sich) Ich gab die Hand zum süßen Band, es kostet bitt’re Tränen. MARZELLINE Ein festes Band mit Herz und Hand! O süße, süße Tränen! usw. |
MARZELLINE Yes, dear father, ask him today, then we shall soon be a pair. ROCCO I shall soon be prey for the grave, I need help, it is true. LEONORE (aside) How long I’ve been the prey of grief! You, Hope, give me solace. MARZELLINE Ah, father dear, what are you thinking of? Long must you be our friend and guide. ROCCO Be on your guard, then all is well, your longing will be stilled. MARZELLINE Oh, have courage, o what fire! O what a deep longing! LEONORE You are so good, you give me courage, my longing will soon be stilled! ROCCO Take hands and plight your troth in tears of sweet joy. LEONORE (aside) I gave my hand in sweet troth, it costs bitter tears. MARZELLINE A firm troth with heart and hand! O sweet, sweet tears! |
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Nr. 6: Marsch (Während des zuvor begonnenen Marsches wird das Haupttor durch Schildwachen von außen geöffnet. Offiziere ziehen mit einem Detachement ein, dann kommt Pizarro, das Tor wird geschlossen.) PIZARRO Wo sind die Depeschen? ROCCO Hier. PIZARRO Was sehe ich? Mich dünkt, ich kenne diese Schrift. Laß sehen! „Ich gebe Ihnen Nachricht, daß der Minister in Erfahrung gebracht hat, daß die Staatsgefängnisse, denen Sie vorstehen, mehrere Opfer willkürlicher Gewalt enthalten. Er reist morgen ab, um Sie mit einer Untersuchung zu überraschen. Seien Sie auf Ihrer Hut und suchen Sie sich sicherzustellen.“ Gott, wenn er entdeckte, daß ich diesen Florestan in Ketten liegen habe, den er längst tot glaubt, der so oft meine Rache reizte! Doch es gibt ein Mittel! Eine kühne Tat kann alle Besorgnisse zerstreuen! |
No.6: March (During this march the main gate is opened by sentries outside. Officers and a platoon enter, followed by Pizarro; the gate is closed behind them.) PIZARRO Where are the dispatches? ROCCO Here. PIZARRO What do I see? Methinks I know this hand. Let me see! "I give you information that the Minister has been apprised that the state prisons under your command contain several victims of arbitrary force. He leaves tomorrow to surprise you with an inspection. Take care, and try to safeguard yourself." God, if he discovered that I hold this Florestan, whom he believes long dead, in chains, he, who so often pro- voked my vengeance! But there is a way! One bold deed can dispel all fears! |
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Nr.7: Arie mit Chor PIZARRO Ha! Welch’ ein Augenblick! Die Rache werd’ ich kühlen, dich rufet dein Geschick! In seinem Herzen wühlen, o Wonne, großes Glück! Schon war ich nah’ im Staube, dem lauten Spott zum Raube, dahin gestreckt zu sein. Nun ist es mir geworden, den Mörder selbst zu morden. In seiner letzten Stunde, den Stahl in seiner Wunde, ihm noch ins Ohr zu schrei’n: „Triumph! Der Sieg ist mein!“ DIE WACHE (halblaut unter sich) Er spricht von Tod und Wunde! Nun fort auf uns’re Runde! Wie wichtig muß es sein! PIZARRO Ha! Welch ein Augenblick! Die Rache werd’ ich kühlen, ha! Nun ist es mir geworden, den Mörder selbst zu morden! CHOR Er spricht von Tod und Wunde! Wacht scharf auf eurer Runde! Wie wichtig muß es sein! PIZARRO Ha! Welch ein Augenblick! Die Rache werd’ ich kühlen, dich rufet dein Geschick! Triumph! Der Sieg ist mein! Hauptmann, besteigen Sie mit einem Trompeter sogleich den Turm. Sehen Sie mit der größten Achtsamkeit auf die Straße von Sevilla. Sobald Sie einen Wagen von Reitern begleitet sehen, lassen Sie augenblicklich durch den Trompeter ein Signal geben. Verstehen Sie? Augenblicklich! Ich erwarte die größte Pünktlichkeit! Sie haften mir mit ihrem Kopf dafür. Rocco! ROCCO Herr! |
No.7: Aria with Chorus PIZARRO Ha! What a moment! I shall satisfy my vengeance! Your fate calls you! To plunge in his heart, o bliss, great joy! Once I was nearly in the dust, a prey to open mockery, to be laid low; now it is my turn to murder the murderer myself. In his last hour, the steel in his wound, to scream in his ear: “Triumph! Victory is mine!” SENTRIES’ CHORUS (under their breath) He speaks of death and wounds! Off, now, on our rounds! How important it must be! PIZARRO Ha! What a moment! I shall satisfy my vengeance! Ha! Now it is my turn to murder the murderer myself! CHORUS He speaks of death and wounds! Keep sharp watch on your rounds! How important it must be! PIZARRO Ha! What a moment! I shall satisfy my vengeance! Your fate calls you! Triumph! Victory is mine! Captain, mount the tower at once with a trumpeter. Watch the Seville road with the greatest attention. As soon as you see a coach with outriders, order the trumpeter instantly to give a signal. Do you under- stand? Instantly! I expect the utmost punctuality! You answer for it with your head. Rocco! ROCCO Sir! |
| libretto by Joseph Sonnleithner, Stephan von Breuning, Georg Friedrich Treitschke | libretto by William Mann |
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