Otello

by Giuseppe Verdi libretto (German Italian)


Personen

Otello, Mohr, Befehlshaber der venezianischen Flotte, (Tenor)
Jago, Fähnrich, (Bariton)
Cassio, Hauptmann, (Tenor)
Rodrigo, ein edler Venezianer, (Tenor)
Montano, der Vorgänger Otellos auf Zypern, (Bass)
Ein Herold (Bass)
Desdemona, Otellos Gemahlin, (Sopran)
Emilia, Jagos Gattin, (Mezzosopran)
Lodovico, Gesandter der Rep. Venedig, (Bass)
Soldaten und Seeleute der Republik Venedig
Edelmannen und venezianische Nobili
Zyprioten beiderlei Geschlechts
griechische, dalmatinische und albanische Krieger
ein Schankwirt mit vier Gehilfen
Volk

Ort und Zeit der Handlung:
Hafenstadt auf der Insel Zypern, Ende des 15. Jahrhunderts



Personaggi

Otello, moro, generale dell'Armata Veneta (tenore)
Jago, alfiere (baritono)
Cassio, capo di squadra (tenore)
Roderigo, gentiluomo veneziano (tenore)
Montano, predecessore d'Otello nel governo dell'isola di Cipro (baritono)
Un araldo, (basso)
Desdemona, moglie d'Otello (soprano)
Emilia, moglie di Jago (mezzosoprano)
Coro



L'azione si svolge in una città di mare nell'isola di Cipro alla fine del XV secolo.



ERSTER AKT

Zypern, Ende des 15. Jahrhunderts. Ein Platz vor einer
Festung am Meer, im Hintergrund Festungsmauern und
die See. Eine Schenke mit Laubengang. Es ist Abend;
Gewitter und Sturm über dem Meer.


ZYPRIOTEN
Ein Segel! Ein Segel!
Ein Banner! Ein Banner!

MONTANO
Der geflügelte Löwe!

CASSIO
Der Blitzschein erhellt es!

ZYPRIOTEN
Eine Fanfare! Eine Fanfare!
Die Kanone hat getönt!

CASSIO
Es ist das Schiff des Generals!

MONTANO
Es geht unter! – Es steigt auf!

CASSIO
Der Bug hebt sich aus dem Wasser!

EINIGE ZYPRIOTEN
Vom Dunst verschleiert und vom Meer,
im Licht der Blitze erscheint das Schiff!

ALLE
Blitze! Donner! Strudel! Heulen
des Sturms und des Gewitters!
Es bebt das Wasser, es bebt die Luft,
es beben Meeresgrund und Wogen!
(Viele Frauen kommen aus dem Hintergrund nach vorne.)
Ein wilder Dämon, grimmig und blind,
zerteilt den Äther!

FRAUEN (schreiend)
Ah!

ALLE
Gott erschüttert den dunklen Himmel
wie einen schwarzen Schleier!
ATTO PRIMO

La trama si svolge sull’isola di Cipro alla fine del
Quattrocento. L’esterno del castello, gli spaldi nel
fondo e il mare. Una taverna con pergolato. È sera.
Lampi, tuoni, uragano.


CIPRIOTI
Una vela! Una vela!
Un vessillo! Un vessillo!

MONTANO
È l’alato Leon!

CASSIO
Or la folgor lo svela.

CIPRIOTI
Uno squillo! Uno squillo!
Ha tuonato il cannon.

CASSIO
È la nave del Duce.

MONTANO
Or s’affonda, or s’inciela.

CASSIO
Erge il rostro dall’onda.

ALCUNI CIPRIOTI
Nelle nubi si cela e nel mar,
e alla luce dei lampi ne appar.

TUTTI
Lampi! tuoni! gorghi! turbi
tempestosi e fulmini!
Tremon l’onde, tremon l’aure,
tremon basi e culmini!
(Entrano dal fondo molte donne del popolo.)
Fende l’etra un torvo e cieco
spirito di vertigine.

DONNE (gridando)
Ah!

TUTTI
Iddio scuote il ciel bieco,
come un tetro vel.
FRAUEN
Ah!

ALLE
Alles Rauch! Alles Feuer!
Die schreckliche Finsternis
birst in Flammen und erlischt
in noch tieferer Nacht! Es zuckt
das ganze All, in wilden Stößen
braust der geisterhafte Nordwind,
titanische Trompeten
dröhnen durch den Himmel!
(Sie wenden sich mit angstvoll flehenden
Gebärden zur Mole.)
Gott, das Leuchten des Gewitters!
Gott, das Locken des Gestades!
Rette das Schiff und die Standarte,
wende das Los der Venezianer!
Der du die Sterne und das Schicksal lenkst,
der du Erde und Himmel beherrschst,
lass auf dem Grund des ruhigen Meers
den getreuen Anker ruhen!

JAGO
Gebrochen der Mast!

RODRIGO
Der Bug stößt an das Riff!

DIE MENGE
Hilfe! Hilfe!

JAGO (zu Rodrigo)
Der tobende Schlund des Meeres sei sein Grab!

DIE MENGE
Gerettet! Gerettet!

MATROSEN (an Bord des Schiffs)
Setzt die Boote aus!
An die Taue! Haltet fest!
Kräftig gerudert! Ans Land!
(ferner Donner)
Ans Ufer! Zum Kai!

DIE MENGE
Hoch! Hoch! Hoch!
(Othello tritt auf und steigt die Treppe zur Festung
hinauf, von Matrosen und Soldaten begleitet.)


DONNE
Ah!

TUTTI
Tutto è fumo! Tutto è fuoco!
L’orrida caligine
si fa incendio, poi si spegne
più funesta. Spasima
l’universo, accorre a valchi
l’aquilon fantasima,
i titanici oricalchi
squillano nel ciel!
(con gesti di spavento e di supplicazione e
rivolti verso lo spaldo)
Dio, fulgor della bufera!
Dio, sorriso della duna!
Salva l’arca e la bandiera
della veneta fortuna!
Tu, che reggi gli astri e il Fato!
Tu, che imperi al mondo e al ciel!
Fa che in fondo al mar placato
posi l’ancora fedel.

JAGO
È infranto l’artimon!

RODERIGO
Il rostro piomba su quello scoglio!

LA FOLLA
Aita! aita!

JAGO (a Roderigo)
L’alvo frenetico del mar sia la sua tomba!

LA FOLLA
È salvo! è salvo!

MARINAI (dalla nave)
Gitate i palischermi!
Mani alle funi! Fermi!
Forza ai remi! Alla riva!
(tuono lontano)
All’approdo! allo sbarco!

FOLLA CITTADINA
Evviva! Evviva! Evviva!
(Otello entra, salendo la scala dalla spiaggia
sullo spaldo con seguito di marinai e soldati.)


OTHELLO
Freut euch! Der Stolz der Muselmanen
liegt begraben im Meer!
Der Ruhm ist unser und des Himmels!
Nach unseren Waffen besiegte sie noch der Sturm!

DIE MENGE
Es lebe Othello! Hoch!
Hoch! Hoch! Sieg! Sieg!
(Othello geht in die Festung, gefolgt von Cassio,
Montano und Soldaten.)
Sieg! Sieg!
Vernichtung! Vernichtung!
Verstreut, vernichtet, begraben liegen sie
in der grässlichen Tiefe!
Sieg! Sieg!
Sieg! Sieg!
Vernichtung! Vernichtung! usw.
Das Requiem bringe ihnen die Geißel der Wellen,
das Wirbeln des Windes,
der Abgrund des Meeres!
Sieg! Sieg!
Verstreut, vernichtet, usw.
Hoch!
(Ferner Donner. Der Sturm legt sich.)
Das Unwetter beruhigt sich.

JAGO (abseits zu Rodrigo)
Rodrigo, nun, woran denkst du?

RODRIGO
Mich zu ertränken!

JAGO
Nur ein Narr ertränkt sich aus Liebe zu einer Frau!
(Während das Schiff entladen wird und man die Waffen
und Lasten in die Festung trägt, kommen einige Bürger
hinter den Mauern hervor. Sie bringen Reisigbündel, um
sie auf dem Damm zu entzünden; Soldaten leuchten ihnen
mit Fackeln, während sie einen Scheiterhaufen errichten.
Die Menge drängt sich neugierig und aufgeregt um sie.)


RODRIGO
Ich weiß mir nicht zu helfen.

JAGO
Ei was, sei vernünftig,
erwart das Werk der Zeit;

OTELLO
Esultate! L’orgoglio musulmano
sepolto è in mar.
Nostra e del ciel è gloria.
Dopo l’armi lo vinse l’uragano.

FOLLA CITTADINA
Evviva Otello! Evviva!
Evviva! Evviva! Vittoria! Vittoria!
(Otello entra nella rocca, seguito da Cassio,
Montano e soldati.)
Vittoria! Vittoria!
Sterminio! Sterminio!
Dispersi, distrutti, sepolti nell’orrido
tumulto piombar!
Vittoria! Vittoria!
Vittoria! Vittoria!
Sterminio! Sterminio! ecc.
Avranno per requie la sferza dei flutti,
la ridda dei turbini,
l’abisso, l’abisso del mar.
Vittoria! Vittoria!
Dispersi, distrutti, ecc.
Evviva!
(Tuono lontano. La tempesta sta avviandosi.)
Si calma la bufera.

JAGO (in disparte a Roderigo)
Roderigo, ebben che pensi?

RODERIGO
D’affogarmi.

JAGO
Stolto è chi s’affoga per amor di donna.
(Mentre la nave viene scaricata e si portano armi e
bagagli da essa nel castello, dei popolani escono da
dietro la rocca portando dei rami da ardere presso
lo spaldo; alla luce di fiaccole tenute dai soldati
formano da un lato una catasta di legno: la folla
s’accalca intorno turbolenta e curiosa.)


RODERIGO
Vincer nol so.

JAGO
Su via, fa senno,
aspetta l’opra del tempo;

die schöne Desdemona,
die du in deinen heimlichen Träumen anbetest,
wird sie bald verabscheuen, die trüben Küsse
dieses Wilden mit seinen wulstigen Lippen!
Guter Rodrigo, ich bin dein treuer Freund,
das erklär ich, und helf dir jetzt
in deiner höchsten Not:
Wenn der schwache Liebesschwur eines Weibes
kein allzu starker Knoten ist für meinen Witz
oder für die Hölle –
dann schwör ich, dieses Weib wird dein!
Hör, wiewohl ich vorgeb, ihn zu lieben,
hass ich den Mohren.
(Cassio tritt auf und geht zu einer Gruppe von Soldaten.)
Und ein Grund meines Hasses ist der dort, sieh!
(Zeigt auf Cassio.)
Der aufgeputzte Hauptmann
hat meinen Rang geraubt, den Rang,
den ich in hundert guten Schlachten
mir verdient hab;
das war Othellos Wille,
und ich bleibe bei Seiner Mohrenhoheit
nur Fähnrich!
(Aus dem Scheiterhaufen steigen immer dichtere
Rauchwolken auf.)
Aber so wahr du Rodrigo bist,
so wahr ist es auch, dass, wär ich der Mohr,
ich möchte keinen Jago um mich haben.
Hör mich an...
(Er redet weiter auf Rodrigo ein und führt ihn mit sich
zur Seite. Flammen schlagen aus dem Scheiterhaufen,
um den sich die Zyprioten versammeln. Inzwischen
schmücken Leute aus der Schenke den Laubengang
mit festlicher Beleuchtung. Soldaten setzen sich
trinkend und plaudernd an die Tische.)

ZYPRIOTEN
Feuer der Freude! Die fröhliche Flamme
vertreibt die Nacht mit ihrem Schein!
Es zuckt, sprüht, knistert, flammt auf;
blitzendes Feuer dringt in das Herz!
Vom Licht angezogene flimmernde Gestalten
tanzen umher in wechselnden Reihen,
bald junge Mädchen mit heiteren Liedern,
bald Falter mit flammenden Flügeln!
Es brennt die Palme mit dem Feigenbaum,
es singt die Gattin mit ihrem Getreuen;

a Desdemona bella,
che nel segreto dei tuoi sogni adori,
presto in uggia verranno i foschi baci
di quel selvaggio dalle gonfie labbra.
Buon Roderigo, amico tuo sincero
mi ti professo, nè in più forte
ambascia soccorrerti potrei.
Se un fragil voto di femmina
non è tropp’arduo nodo pel genio mio
nè per l’inferno,
giuro che quella donna sarà tua.
M’ascolta, benchè finga d’amarlo,
odio quel Moro.
(Entra Cassio: poi s’unisce a un crocchio di soldati.)
E una cagion dell’ira, eccola, guarda.
(indicando Cassio)
Quell’azzimato capitano
usurpa il grado mio, il grado mio
che in cento ben pugnate battaglie
ho meritato;
tal fu il voler d’Otello,
ed io rimango di sua Moresca Signoria
l’alfiere!
(Dalla catasta incominciano ad alzarsi dei globi di
fumo sempre più denso.)
Ma com’è ver che tu Rodrigo sei,
così è pur vero, che se il Moro io fossi
vedermi non vorrei d’attorno un Jago.
Se tu m’ascolti...
(Sempre parlando, Jago conduce Roderigo più
lontano. Il fuoco divampa, i Ciprioti s’avvicinano ad
esso, cantando. Mentre cantano, i tavernieri
illuminano a festa il pergolato. Soldati s’affollano
intorno alle tavole, parlando e bevendo.)



CIPRIOTI
Fuoco di gioia! L’ilare vampa
fuga la notte col suo splendor.
Guizza, sfavilla, crepita, avvampa,
fulgido incendio che invade il cor!
Dal raggio attratti, vaghi sembianti
movono intorno mutando stuol,
e son fanciulle dai lieti canti,
e son farfalle dall’igneo vol.
Arde la palma col sicomoro (rip.)
canta la sposa col suo fedel,

auf die goldene Flamme, auf den fröhlichen Chor
bläst der feurige Hauch des Himmels! usw.
Das Feuer der Freude verbrennt schnell!
Schnell verlischt das Feuer der Liebe!
Es leuchtet, ermattet, zuckt auf, zittert,
der letzte Funke blitzt auf und erstirbt!
Das Feuer der Freude, verbrennt schnell!
Es leuchtet, ermattet, zuckt auf, zittert,
der letzte Funke blitzt auf und erstirbt!
Feuer der Freude usw.
(Das Feuer verlischt nach und nach; der Sturm hat sich
gänzlich gelegt.)
... blitzt auf und erstirbt!
(Jago, Rodrigo, Cassio und mehrere Soldaten haben sich
um einen Tisch versammelt, auf dem Wein kredenzt ist.)



JAGO
Rodrigo, lass uns trinken!
(zu Cassio)
Den Becher her, Hauptmann!

CASSIO
Ich trink nicht mehr.

JAGO (führt den Weinkrug an Cassios Becher)
Noch diesen Schluck hinunter!

CASSIO (zieht den Becher weg)
Nein!

JAGO
Schau! Heute ist ganz Zypern närrisch!
Es ist eine Nacht der Freude, also...

CASSIO
Hör auf! Mir brennt schon der Kopf
nach einem einzigen Becher.

JAGO
Ei, du musst noch weiter trinken!
Auf die Hochzeit von Othello und Desdemona!

ZYPRIOTEN
Hoch!

CASSIO (hebt den Becher und trinkt ein wenig)
Sie ist die Zierde dieser Insel!

sull’aurea fiamma, sul lieto coro,
soffia l’ardente spiro del ciel, ecc.
Fuoco di gioia rapido brilla!
Rapido passa fuoco d’amor!
Splende, s’oscura, palpita, oscilla, (rip.)
l’ultimo guizzo lampeggia e muor.
Fuoco di gioia, (rip.) rapido brilla!
Splende, s’oscura, palpita, oscilla,
l’ultimo guizzo lampeggia e muor.
Fuoco di gioia, ecc.
(Il fuoco si spegne a poco a poco: la bufera è
cessata.)

... lampeggia e muor!
(Jago, Roderigo, Cassio e parecchi altri uomini
d’arme stanno intorno a un tavolo dove c’è del
vino.)


JAGO
Roderigo, beviam!
(a Cassio)
Qua la tazza, capitano!

CASSIO
Non bevo più.

JAGO (avvicinando il boccale alla tazza di Cassio)
Ingoia questo sorso.

CASSIO (ritirando il bicchiere)
No.

JAGO
Guarda! oggi impazza tutta Cipro!
È una notte di gioia, dunque...

CASSIO
Cessa. Già m’arde il cervello
per un nappo vuotato.

JAGO
Sì, ancora bever devi.
Alle nozze d’Otello e Desdemona!

CIPRIOTI
Evviva!

CASSIO (alzando il bicchiere e bevendo un poco)
Essa infiora questo lido!

JAGO (leise zu Rodrigo)
Hör ihn dir an!

CASSIO
Mit ihrem Zauber
bezwingt sie alle Herzen!

RODRIGO
Und doch ist sie so bescheiden!

CASSIO
Du, Jago, sing ihr Loblied!

JAGO (leise zu Rodrigo)
Hör ihn dir an!
(laut zu Cassio)
Ich bin nur ein Kritiker!

CASSIO
Und sie ist über alles Lob erhaben!

JAGO (leise zu Rodrigo)
Hüte dich vor diesem Cassio!

RODRIGO
Was fürchtest du?

JAGO (zu Rodrigo)
Er schwätzt mit zuviel Hitze,
sein jugendlicher Eifer spornt ihn an,
er ist ein schlauer Verführer, der dir
den Weg verstellt. Hüte dich!

RODRIGO
Nun?

JAGO
Ist er berauscht, dann ist er verloren!
Bring ihn zum Trinken!
(zu den Schenken)
He, Burschen, Wein her!
(Er füllt drei Becher, für sich selbst, Rodrigo und
Cassio. Die Schenken gehen mit Kannen umher und
warten den anderen auf; die Menge läuft neugierig
zusammen.)

(hebt den Becher, zu Cassio)
Netz dir den Gaumen! Trink, zech, eh du das Lied und
den Becher versäumst!

JAGO (sotto voce a Roderigo)
Lo ascolta.

CASSIO
Col vago suo raggiar
chiama i cori a raccolta.

RODERIGO
Pur modesta essa è tanto.

CASSIO
Tu, Jago, canterai le sue lodi, ...

JAGO (piano a Roderigo)
Lo ascolta.
(forte a Cassio)
Io non sono che un critico.

CASSIO
... ed ella d’ogni lode è più bella.

JAGO (a Roderigo, a parte)
Ti guarda da quel Cassio.

RODERIGO
Che temi?

JAGO (a Roderigo)
Ei favella già con troppo bollor,
la gagliarda giovinezza lo sprona,
è un astuto seduttor che t’ingombra
il cammino. Bada...

RODERIGO
Ebben?

JAGO
S’ei s’innebria è perduto!
Fallo ber.
(ai tavernieri)
Qua, ragazzi, del vino!
(Jago riempie tre bicchieri: uno per sè, uno per
Roderigo, uno per Cassio. I tavernieri circolano colle
anfore; la folla gli si avvicina e guarda
curiosamente.)

(a Cassio, col bicchiere in mano)
Inaffia l’ugola! Trinca, tracanna
prima che svampino canto e bicchier!

CASSIO (zu Jago, den Becher in der Hand)
Dies ist das wahre Manna des Rebstocks,
mit seinem zarten Duft benebelt es den Geist!

JAGO (zu allen)
Wer je dem kühnen und wilden Bacchussang
erlegen ist,
der trinke mit mir, trinke mit mir,
trinke, usw.
... trinke mit mir!

RODRIGO, ZYPRIOTEN, SOLDATEN
Wer je dem kühnen und wilden, usw.
der trinkt mit dir...

JAGO
Trinke, trinke...

RODRIGO, ZYPRIOTEN, SOLDATEN
... trinkt mit dir...

JAGO
Trinke, trinke...

RODRIGO, ZYPRIOTEN, SOLDATEN
... trinkt mit dir...
... trinkt...

JAGO
... trinke!

RODRIGO, ZYPRIOTEN, SOLDATEN
... trinkt, trinkt, trinkt mit dir!

JAGO (zu Rodrigo, auf Cassio zeigend)
Noch einen Schluck, und er ist berauscht!

RODRIGO (zu Jago)
Noch einen Schluck, und er ist berauscht!

JAGO (zu allen)
Das Weltall schwankt, wenn ich betrunken bin!
Ich trotze der ironischen Gottheit und dem Schicksal!

CASSIO (trinkt noch einmal)
Ich bebe wie eine tönende Laute,
die Freude schreitet auf meinem Pfad!

JAGO
Wer je dem kühnen und wilden, usw.

CASSIO (a Jago, col bicchiere in mano)
Questa del pampino verace manna
di vaghe annugola nebbie il pensier.

JAGO (a tutti)
Chi all’esca ha morso del ditirambo
spavaldo e strambo,
beva con me, beva con me,
beva, beva, ecc.
... beva con me!

RODERIGO, CIPRIOTI, SOLDATI
Chi all’esca ha morso, ecc.
beve con te, beve con te...

JAGO
Beva, beva...

RODERIGO, CIPRIOTI, SOLDATI
... beve con te...

JAGO
... beva, beva...

RODERIGO, CIPRIOTI, SOLDATI
... beve con te...
... beve...

JAGO
... beva!

RODERIGO, CIPRIOTI, SOLDATI
... beve, beve, beve con te!

JAGO (a Roderigo, indicando Cassio)
Un altro sorso e brillo egli è.

RODERIGO (a Jago)
Un altro sorso e brillo egli è.

JAGO (a tutti)
Il mondo palpita quand’io son brillo!
Sfido l’ironico Nume e il destin!

CASSIO (bevendo ancora)
Come un armonico liuto oscillo;
la gioia scalpita sul mio cammin!

JAGO
Chi all’esca ha morso, ecc.

RODRIGO, ZYPRIOTEN, SOLDATEN, dann JAGO
Wer je dem kühnen und wilden, usw.

JAGO (zu Rodrigo)
Noch einen Schluck, und er ist berauscht!

RODRIGO (zu Jago)
Noch einen Schluck, und er ist berauscht!

JAGO (laut, zu allen)
Vor dem schäumenden Becher fliehen die Feigen...

CASSIO (unterbricht ihn)
Jeder kann mir auf den Grund der Seele schauen!
(trinkt)

JAGO (funterbricht ihn)
... die im Herzen Arglist verbergen!

CASSIO
Ich fürchte die Wahrheit nicht!
(taumelt)

JAGO
Wer je dem kühnen und wilden...
... Bacchussang erlag...
trinke mit mir, trinke mit mir!

CASSIO
Ich fürchte die Wahrheit nicht, usw.
... ich fürchte die Wahrheit nicht und trinke,
und trinke, trinke, und...

JAGO
Ah! Trink, trink mit mir!

EINIGE ZUSCHAUER (lachend)
Haha! Haha! usw.
Haha! Haha! usw.

CASSIO
Des Bechers...

JAGO (zu Rodrigo)
Er ist sinnlos betrunken...
... rasch, verwickle ihn
in einen Streit; er ist jetzt leicht aufgebracht,
wird dich angreifen, dann gibt es Aufruhr!
Denk daran, dass du so dem glücklichen Othello
die erste Liebesnacht stören kannst!

RODERIGO, CIPRIOTI, SOLDATI, poi JAGO
Chi all’esca ha morso, ecc.

JAGO (a Roderigo)
Un altro sorso e brillo egli è.

RODERIGO (a Jago)
Un altro sorso e brillo egli è.

JAGO (forte, a tutti)
Fuggan dal vivido nappo i codardi...

CASSIO (interrompendo)
In fondo all’anima ciascun mi guardi!...
(beve)

JAGO (interrompendo)
... che in cor nascondono frodi.

CASSIO
Non temo, non temo il ver...
(barcollando)

JAGO
Chi all’esca ha mor...
... del ditiramb...
Bevi con me, bevi con me.

CASSIO
... non temo il ver, ecc.
... non temo il ver, e bevo, e bevo,
e bevo, e bevo, e bevo, e...

JAGO
Ah! bevi, bevi con me!

UN GRUPPO DEI PRESENTI (ridendo)
Aha, aha, ecc.
... aha, aha, ecc.

CASSIO
Del calice...

JAGO (a Roderigo)
Egli è briaco fradicio...
... Ti scuoti, lo trascina
a contesa; è pronto all’ira,
t’offenderà, ne seguirà tumulto!
Pensa che puoi così del lieto Otello
turbar la prima vigilia d’amor!

CASSIO
Des Bechers – Rand –
(mit immer schwerer werdender Zunge)
Des Bechers – Rand – Rand –
(Die anderen lachen.)

RODRIGO (leise zu Jago)
Und eben das treibt mich an!

CASSIO
– von Purpur – Purpur –
von Purpur rot –

RODRIGO, ZYPRIOTEN, SOLDATEN
Ah, haha! Haha! Haha!
Trink, trink mit mir, usw.

JAGO
Trink, trink!

RODRIGO, JAGO, ZYPRIOTEN, SOLDATEN
Trink, trink, trink mit mir!

CASSIO
Ich trink, trink, trink mit dir!
(Alle trinken.)

MONTANO (kommt aus der Festung, zu Cassio)
Hauptmann, die Wache erwartet Euch an der Mole.

CASSIO (taumelnd)
Wohlan!

MONTANO
Was seh ich?

JAGO (leise, nahe bei Montano)
Jede Nacht bereitet sich Cassio
auf diese Weise auf den Schlaf vor!

MONTANO
Othello soll es erfahren!

CASSIO
Gehn wir zur Mole!

RODRIGO (lacht)
Haha!...
... Haha!

CASSIO
Del calice... gl’orli...
(con voce sempre più soffocata)
Del calice... gl’orli... gl’orli...
(Gli altri ridono di Cassio.)

RODERIGO (risponde, a parte, a Jago)
Ed è ciò che mi spinge.

CASSIO
... s’impor... s’impor...
s’imporporino...

RODERIGO, CIPRIOTI, SOLDATI
Ah, aha, aha, aha! (rip.)
Bevi, bevi con me, ecc.

JAGO
Bevi, bevi!

RODERIGO, JAGO, CIPRIOTI, SOLDATI
Bevi, bevi, bevi con me!

CASSIO
Bevo, bevo, bevo con te!
(Tutti bevono.)

MONTANO (venendo dal castello, si rivolge a Cassio)
Capitano, v’attende la fazione ai baluardi.

CASSIO (barcollando)
Andiamo!

MONTANO
Che vedo?

JAGO (a Montano, avvicinandosi a lui)
Ogni notte in tal guisa
Cassio preludia il sonno.

MONTANO
Otello il sappia!

CASSIO
Andiamo ai baluardi.

RODERIGO (ridendo)
Ah! ah!...
... Ah! ah!

MÄNNER
Haha!

CASSIO
Wer lacht da?

RODRIGO (herausfordernd)
Ich lache über einen Trunkenbold!

CASSIO
Nun hüte dich!
(stürzt sich auf Rodrigo)
Schurke!

RODRIGO (verteidigt sich)
Betrunkener Rüpel!

CASSIO
Du Lump! Nichts kann dich mehr retten!

MONTANO
(trennt sie mit Gewalt, zu Cassio)
Haltet ein, Hauptmann, ich bitte Euch!

CASSIO (zu Montano)
Ich spalt dir den Schädel,
wenn du dich einmischst!

MONTANO
Die Sprache eines Betrunkenen...

CASSIO
Eines Betrunkenen?
(Er zieht das Schwert, Montano ebenfalls. Beide stoßen
wütend zusammen; die Menge weicht zurück.)

JAGO (leise zu Rodrigo)
Eil zum Hafen, so schnell du kannst,
schrei laut: Aufruhr! Aufruhr!
Geh! Verbreite Unruhe und Schrecken;
die Glocken sollen Sturm Iäuten!
(Rodrigo läuft davon. Jago wendet sich schnell an die
beiden Kämpfenden.)
Kameraden! Beendet diesen bösen Hader!

FRAUEN (fliehend)
Fort von hier!

JAGO
Himmel! Schon fließt Montanos Blut!
Schrecklicher Streit!
UOMINI
Ah! ah!

CASSIO
Chi ride?

RODERIGO (provocandolo)
Rido d’un ebbro!

CASSIO
Bada alle tue spalle!
(scagliandosi contro Roderigo)
Furfante!

RODERIGO (difendendosi)
Briaco ribaldo!

CASSIO
Marrano! Nessun più ti salva!

MONTANO
(separandoli a forza e dirigendosi a Cassio)
Frenate la mano, signor, ve ne prego.

CASSIO (a Montano)
Ti spacco il cerebro
se qui t’interponi!

MONTANO
Parole d’un ebbro...

CASSIO
D’un ebbro?
(Sguaina la spada. Montano s’arma anch’esso.
Assalto furibondo. La folla si ritrae.)

JAGO (a parte a Roderigo)
Va al Porto, con quanta più possa
ti resta, gridando: sommossa! sommossa!
Va! Spargi il tumulto, l’orror;
le campane risuonino a stormo.
(Roderigo esce correndo. Jago si rivolge
rapidamente ai due combattenti.)
Fratelli! l’immane conflitto cessate!

DONNE (fuggendo)
Fuggiam!

JAGO
Ciel! già gronda di sangue Montano!
Tenzon furibonda!
FRAUEN
Fort! Fort!

JAGO
Haltet ein!

MÄNNER
Haltet ein!

JAGO
Haltet ein!

MÄNNER
Haltet ein!

FRAUEN
Sie bringen sich um!

MÄNNER
Friede!

JAGO
Niemand kann den Streit verhindern!
(zu den Umstehenden)
So schlagt doch Alarm!
Satan ist in sie gefahren!

MÄNNER
Waffen! Waffen!

FRAUEN, dann ALLE
Zu Hilfe! Zu Hilfe! usw.

MÄNNER
Waffen! Waffen!

FRAUEN, dann ALLE
Zu Hilfe! usw.
(Die Glocken läuten Sturm; der Kampf geht weiter,
während die Frauen fliehen. Othello erscheint, gefolgt
von Leuten mit Fackeln. Die Glocken schweigen.)


OTHELLO
Nieder mit den Schwertern!
(Die Kämpfenden halten ein.)
Holla! Was geht hier vor?
Bin ich bei den Sarazenen?
Oder hat die Wut der Türken euch gepackt,
euch gegenseitig zu zerfleischen?

DONNE
Fuggiam! Fuggiam!

JAGO
Tregua!...

UOMINI
Tregua!...

JAGO
Tregua!

UOMINI
Tregua!

DONNE
S’uccidono!

UOMINI
Pace!

JAGO
Nessun più raffrena quel nembo pugnace!
(agli astanti)
Si gridi l’allarme!
Satana gl’invade!

UOMINI
All’armi! all’armi!

DONNE, poi TUTTI
Soccorso! soccorso! ecc.

UOMINI
All’armi! all’armi!

DONNE, poi TUTTI
Soccorso! ecc.
(Intanto, squillano campane a stormo; il
combattimento continua e le donne fuggono. Entra
Otello seguito da gente con fiaccole. Cessano le campane.)



OTELLO
Abbasso le spade!
(I combattenti s’arrestano.)
Olà! che avvien?
Son io fra i Saraceni?
O la turchesca rabbia è in voi trasfusa
da sbranarvi l’un l’altro ?

Ehrlicher Jago, bei deiner Liebe,
die du zu mir hegst, sprich!

JAGO
Ich weiß nicht...
Hier waren alle eben noch gute Freunde
und voller Fröhlichkeit, doch da auf einmal,
als ob ein böser Planet ihnen den Sinn verwirrt hätte,
zogen sie die Waffen und stürzten sich wütend
aufeinander.
Hätte ich mir lieber die Füße abgehauen,
die mich hierhertrugen!

OTHELLO
Cassio, wie konntest du dich so vergessen?

CASSIO
Gnade... verzeiht...
ich kann nicht sprechen –

OTHELLO
Montano?

MONTANO (von einem Soldaten gestützt)
Ich bin verwundet...

OTHELLO
Verwundet! Beim Himmel,
mein Blut wallt wieder auf! Ah! dieser Zorn
treibt unseren Schutzengel zur Flucht!
(Desdemona erscheint; Othello geht ihr schnell entgegen.)
Wie? Meine süße Desdemona!
Auch sie habt ihr aus ihren Träumen geschreckt?
Cassio, du bist nicht länger Hauptmann!
(Cassio lässt das Schwert fallen, das Jago aufhebt.)

JAGO
(übergibt Cassios Schwert einem Soldaten, für sich)
Welch ein Triumph!


OTHELLO
Jago, geh in die aufgeschreckte Stadt
und stell mit dieser Truppe wieder Frieden her!
(Jago ab)
Helft Montano!
(Montano wird in die Festung gebracht.)
Ein jeder kehre in sein Haus zurück.
(mit gebieterischer Bewegung)

Onesto Jago, per quell’amor
che tu mi porti, parla.

JAGO
Non so...
Qui tutti eran cortesi amici dianzi,
e giocondi... ma ad un tratto,
come se un pianeta maligno
avessi a quelli smagato il senno,
sguainando l’arme s’avventano furenti.
Avessi io prima stroncati i piè
che qui m’addusser!

OTELLO
Cassio, come obliasti te stesso a tal segno ?

CASSIO
Grazia... perdon...
Parlar non so...

OTELLO
Montano...

MONTANO (sostenuto da un soldato)
Son ferito...

OTELLO
Ferito! Pel cielo
già il sangue mio ribolle! Ah! l’ira volge
l’angelo nostro tutelare in fuga!
(Entra Desdemona. Otello le accorre.)
Che? la mia dolce Desdemona
anch’essa per voi distolta da’ suoi sogni?!
Cassio, non sei più capitano.
(Cassio lascia cadere la spada che è raccolta da Jago.)

JAGO
(porgendo la spada di Cassio a un soldato e
parlando a parte)

Oh! mio trionfo!

OTELLO
Jago, tu va nella città sgomenta
con quella squadra a ricompor la pace.
(Jago parte.)
Si soccorra Montano.
(Montano è accompagnato nel castello.)
Al proprio tetto ritorni ognun.
(con gesto imperioso)

Ich gehe nicht fort von hier,
ehe ich die Mauern leer von Menschen sehe!
(Alle ab. Othello gibt den Fackelträgern, die ihn
begleiteten, ein Zeichen, in die Festung zurückzugehen,
dann bleibt er mit Desdemona allein zurück.)


In der Dunkelheit der Nacht
verliert sich nun aller Lärm,
und mein aufgebrachtes Herz
besänftigt sich in dieser Umarmung
und findet wieder Frieden.
Nun tobe der Krieg, gehe die Welt zugrunde!
Wenn nach dem unermesslichen Zorn
diese unermessliche Liebe folgt!

DESDEMONA
Mein stolzer Krieger! Wie viele Qualen,
wie viele traurige Seufzer und wie viele Hoffnungen
haben uns zu diesen zarten Umarmungen geführt!
O wie süß ist dieses traute Zwiegespräch!
Erinnerst du dich?
Als du mir von deinem Leben im Exil erzähltest,
von kühnen Abenteuern und deinem schweren Kummer,
da hörte ich dir zu, die Seele berauscht
von all den Schrecken, voll Entzücken das Herz.

OTHELLO
Ich beschrieb das Getöse der Waffen, den Kampf
und den kühnen Vorstoß in die tödliche Scharte;
den Angriff; die Hände, wie grässliches Gewächs gekrallt
in das Mauerwerk zwischen sausenden Pfeilen!

DESDEMONA
Dann führtest du mich in schimmernde Wüsten,
zum brennenden Sand, zu deiner Heimaterde,
beschriebst mir die qualvolle Marter
und die Ketten und die Pein der Sklaverei.

OTHELLO
Bei der Erzählung veredelten Tränen
dein schönes Antlitz und Seufzer deinen Mund;
es senkte sich in meine Finsternis ein Glanz,
des Paradieses und der Sterne Segen!

DESDEMONA
Und ich sah zwischen deinen schwarzen Schläfen
erglänzen deines Wesens ätherische Schönheit!

Io da qui non mi parto
se pria non vedo deserti gli spaldi.
(La gente parte. Otello fa cenno agli uomini
colle fiaccole che lo accompagnavano di rientrare
il castello. Restano soli Otello e Desdemona.)


Già nella notte densa
s’estingue ogni clamor,
già il mio cor fremebondo
s’ammansa in quest’amplesso
e si rinsensa.
Tuoni la guerra e s’inabissi il mondo
se dopo l’ira immensa
vien quest’immenso amor!

DESDEMONA
Mio superbo guerrier! quanti tormenti,
quanti mesti sospiri e quanta speme
ci condusse ai soavi abbracciamenti!
Oh! come è dolce il mormorar insieme!
Te ne rammenti?
Quando narravi l’esule tua vita
e i fieri eventi e i lunghi tuoi dolor,
ed io t’udia coll’anima rapita
in quei spaventi, coll’estasi nel cor.

OTELLO
Pingea dell’armi il fremito, la pugna
e il vol gagliardo alla breccia mortal,
l’assalto, orribil edera, coll’ugna
al baluardo e il sibilante stral!

DESDEMONA
Poi mi guidavi ai fulgidi deserti,
all’arse arene, al tuo materno suol;
narravi allor gli spasimi sofferti
e le catene e dello schiavo il duol.

OTELLO
Ingentilia di lagrime la storia
il tuo bel viso e il labbro di sospir;
scendean sulle mie tenebre la gloria,
il paradiso e gli astri a benedir!

DESDEMONA
Ed io vedea fra le tue tempie oscure
splender del genio l’eterea beltà.

OTHELLO
Und du liebtest mich um meines Unglücks willen,
und ich liebte dich für dein Mitleid!

DESDEMONA
Und ich liebte dich um deines Unglücks willen,
und du liebtest mich für mein Mitleid!

OTHELLO
Und du liebtest mich...

DESDEMONA
Und du liebtest mich...

OTHELLO
... und ich liebte dich...
... für dein Mitleid!

DESDEMONA
... für mein Mitleid.

OTHELLO
Nun lass mich sterben, und im Entzücken
dieser Umarmung finde mich die Todesstunde!
(Der Himmel hat sich aufgeheitert, die Sterne treten
hervor, und der Horizont wird vom blassen Licht des
aufgehenden Mondes blau erhellt.)
So groß ist die Freude in meiner Seele, dass
ich fürchte, er werde mir nie wieder vergönnt,
dieser göttliche Augenblick,
in der dunklen Zukunft meines Schicksals.

DESDEMONA
Der Himmel zerstreue diese Sorgen,
und die Liebe bleibe ungewandelt vom
Wandel der Zeit!

OTHELLO
Zu diesem deinem Gebet
sei „Amen“ die Antwort der himmlischen Heerscharen!

DESDEMONA
„Amen“ die Antwort!

OTHELLO
(lehnt sich auf eine Erhöhung der Festungsmauer)
Ah, die Freude überläuft mich so heftig,
dass es mir den Atem benimmt!
Einen Kuss!

OTELLO
E tu m’amavi per le mie sventure,
ed io t’amavo per la tua pietà.

DESDEMONA
Ed io t’amavo per le tue sventure,
e tu m’amavi per la mia pietà.

OTELLO
E tu m’amavi...

DESDEMONA
E tu m’amavi...

OTELLO
... ed io t’amavo...
... per la tua pietà.

DESDEMONA
... per la mia pietà.

OTELLO
Venga la morte! e mi colga nell’estasi
di questo amplesso il momento supremo!
(Il cielo si è tutto rasserenato: si vedono
alcune stelle e sul lembo dell’orizzonte il
riflesso ceruleo della nascente luna.)
Tale è il gaudio dell’anima che temo,
temo che più non mi sarà concesso
quest’attimo divino
nell’ignoto avvenir del mio destino.

DESDEMONA
Disperda il ciel gli affanni
e amor non muti col mutar degli anni.


OTELLO
A questa tua preghiera
“amen” risponda la celeste schiera!

DESDEMONA
“Amen” risponda!

OTELLO
(appoggiandosi ad un rialzo degli spaldi)
Ah! la gioia m’innonda si fieramente
che ansante mi giacio...
Un bacio...

DESDEMONA
Othello!

OTHELLO
Einen Kuss!
Und noch einen Kuss!
(erhebt sich und betrachtet den Himmel)
Die leuchtenden Plejaden versinken schon im Meer!

DESDEMONA
Spät ist die Nacht.

OTHELLO
Komm ... Venus erstrahlt!

DESDEMONA
Othello!
(Sie gehen Arm in Arm auf die Festung zu.)



DESDEMONA
Otello!

OTELLO
... un bacio...
ancora un bacio!
(alzandosi e mirando il cielo)
Già la pleiade ardente in mar discende.

DESDEMONA
Tarda è la notte.

OTELLO
Vien... Venere splende!

DESDEMONA
Otello!
(S’avviano abbracciati verso il castello.)



ZWEITER AKT

Ein Saal in der Festung, zu ebener Erde, durch eine
Fensterwand mit einer Terrasse von einem großen
Garten getrennt.


JAGO
(diesseits der Terrasse, zu dem auf der anderen Seite
stehenden Cassio)
Quäl dich nicht!
Wenn du mir folgst, kehrst du bald zurück
in die Umarmungen der Monna Bianca,
als stolzer Hauptmann mit goldenem Degengriff
und geputztem Wehrgehänge!

CASSIO
Schmeichle mir nicht.

JAGO
Hör, was ich dir sage!
Du musst wissen, dass Desdemona
die Herrin unseres Herren ist,
er lebt nur für sie.
Bitte sie um Beistand, sie ist großherzig
und wird für dich sprechen,
und die Verzeihung ist dir sicher.

CASSIO
Aber wie kann ich mit ihr sprechen?

ATTO SECONDO

Una sala terrena nel castello. Un’invetriata e un
verone la dividono da un grande giardino.


JAGO
(al di qua del verone, a Cassio,
chi è al di là)

Non ti crucciar.
Se credi a me, tra poco farai ritorno
ai folleggianti amori di Monna Bianca,
altiero capitano, coll’elsa d’oro
e col balteo fregiato.

CASSIO
Non lusingarmi.

JAGO
Attendi a ciò ch’io dico.
Tu dêi saper che Desdemona
è il Duce del nostro Duce,
sol per essa ei vive.
Pregala tu, quell’anima cortese
per te interceda,
e il tuo perdono è certo.

CASSIO
Ma come favellarle?

JAGO
Gewöhnlich geht sie mittags dort im Schatten
jener Bäume mit meiner Frau spazieren.
Dort erwarte sie.
Der Weg zu deiner Rettung steht dir offen,
geh!
(Cassio entfernt sich, Jago sieht ihm nach.)
Geh! Dein Ende seh ich schon!
Dich treibt dein Dämon,
und dein Dämon bin ich!
Und mich reißt der meine fort,
an den ich glaube
als unerbittlichen Gott!
(verlässt die Terrasse, ohne weiter auf Cassio zu achten,
der zwischen den Bäumen verschwindet)
Ich glaube an einen grausamen Gott,
der mich nach seinem Bilde erschuf,
und den ich im Zorn nenne!
Aus der Niedrigkeit eines Keims
oder Atoms bin ich in Niedrigkeit geboren!
Ich bin ein Bösewicht, weil ich ein Mensch bin,
und fühle den Schlamm meines Ursprungs in mir!
Ja! Das ist mein Glaube!
Ich glaube mit festem Herzen,
so wie die Witwe im Tempel,
dass ich das Böse, das ich denke,
das von mir ausgeht,
als mein Schicksal erfülle!
Ich glaube, dass der Gerechte ein höhnischer
Komödiant ist, im Antlitz wie im Herzen,
dass alles an ihm Lüge ist:
Tränen, Küsse, freundliche Blicke, Opfermut und Ehre!
Und ich glaube, dass der Mensch das Spielzeug
eines bösen Schicksals ist,
vom Keim in seiner Wiege
bis zum Wurm in seinem Grab.
Auf all diesen Spott folgt der Tod.
Und dann? Und dann?
Der Tod ist das Nichts!
Das Jenseits ist ein altes Märchen!
(Im Garten sieht man Desdemona und Emilia
vorbeigehen. Jago eilt zu der Terrasse, auf deren,
anderer Seite Cassio steht.)
(zu Cassio)
Da ist sie! Cassio, nun auf!
Das ist der Augenblick!

JAGO
È suo costume girsene a meriggiar
fra quelle fronde colla consorte mia.
Quivi l’aspetta.
Or t’è aperta la via di salvazione;
vanne.
(Cassio s’allontana. Jago lo segue coll’occhio.)
Vanne! la tua meta già vedo.
Ti spinge il tuo dimone
e il tuo dimon son io,
e me trascina il mio,
nel quale io credo
inesorato Iddio:
(allontanandosi dal verone senza più guardar Cassio
che sarà scomparso fra gli alberi)
Credo in un Dio crudel
che m’ha creato simile a sè,
e che nell’ira io nomo.
Dalla viltà d’un germe
o d’un atòmo vile son nato.
Son scellerato perchè son uomo,
e sento il fango originario in me.
Sì! quest’è la mia fè!
Credo con fermo cuor,
siccome crede la vedovella al tempio,
che il mal ch’io penso
che da me procede
per mio destino adempio.
Credo che il giusto è un istrion beffardo
e nel viso e nel cuor;
che tutto è in lui bugiardo,
lagrima, bacio, sguardo,
sacrificio ed onor.
E credo l’uom gioco d’iniqua sorte
dal germe della culla
al verme dell’avel.
Vien dopo tanta irrision la Morte.
E poi?... e poi?
La Morte è il Nulla,
è vecchia fola il Ciel.
(Si vede passare nel giardino Desdemona con
Emilia. Jago si slancia al verone, al di là del quale è
appostato Cassio.)
(a Cassio)
Eccola!... Cassio... a te!
Quest’è il momento.

Beweg dich! Desdemona kommt!
(Cassio geht auf Desdemona zu, begrüßt sie und nähert
sich ihr.)
Er beginnt! Er begrüßt sie und tritt näher!
Nun muss Othello hierherkommen!
Hilf, Satan, hilf meinem Plan!
Schon sprechen sie miteinander!
Und sie neigt lächelnd das schöne Antlitz!
(Man sieht Cassio und Desdemona im Garten
vorübergehen.)
Mir genügt ein einziger Strahl dieses Lächeln,
um Otello ins Verderben zu ziehen!
Nun fort!
(will davoneilen, bleibt aber plötzlich stehen)
Doch der Zufall ist mir günstig!
Da ist er! Auf meinen Posten, ans Werk!
(Er bleibt unbeweglich bei der Terasse und blickt in den
Garten, wo Cassio und Desdemona stehen. Othello tritt
auf; Jago stellt sich, als ob er ihn nicht bemerke und zu
sich selber spräche.)
Das betrübt mich!

OTHELLO (nähert sich Jago)
Was sagst du?

JAGO
Nichts ... Ihr hier?
Ein leeres Wort kam mir über die Lippen.

OTHELLO
Der da eben von meiner Frau weggeht, ist das Cassio?
(Beide treten von der Terrasse.)

JAGO
Cassio? Nein... der dort erschrak
wie schuldbewusst, als er Euch sah.

OTHELLO
Ich glaube, es war Cassio.

JAGO
Herr...

OTHELLO
Was ist?

JAGO
Hat Cassio, zu Beginn Eurer Liebe,
Desdemona nicht gekannt?

Ti scuoti... vien Desdemona.
(Cassio va verso Desdemona, la saluta, le s’accosta.)
S’è mosso; la saluta e s’avvicina.
Or qui si tragga Otello!...
Aiuta, aiuta Sàtana il mio cimento!
Già conversano insieme...
ed essa inclina, sorridendo, il bel viso.
(Si vedono ripassare nel giardino Cassio e
Desdemona.)
Mi basta un lampo sol di quel sorriso
per trascinar Otello alla ruina.
Andiam...
(fa per avviarsi rapido ma si arresta subitamente)
Ma il caso in mio favor s’adopra.
Eccolo... al posto, all’opra!
(Si colloca immoto al verone guardando fissamente
verso il giardino dove stanno Cassio e Desdemona.
Entra Otello; Iago, simulando di non averlo visto,
finge di parlare frasè.)
Ciò m’accora...

OTELLO (avvicinandosi a Jago)
Che parli?

JAGO
Nulla... Voi qui?
Una vana voce m’uscì dal labbro.

OTELLO
Colui che s’allontana dalla mia sposa, è Cassio?
(E l’uno e l’altro si staccano dal verone.)

JAGO
Cassio? no... quei si scosse
come un reo nel vedervi.

OTELLO
Credo che Cassio ei fosse.

JAGO
Mio signore...

OTELLO
Che brami?

JAGO
Cassio, nei primi dì del vostro amor,
Desdemona non conosceva?

OTHELLO
Ja. Warum fragst du danach?

JAGO
Mein Gedanke ist unbestimmt
und ohne Bosheit.

OTHELLO
Sag deinen Gedanken, Jago.

JAGO
Vertrautet Ihr Euch Cassio an?

OTHELLO
Oft brachte er ein Geschenk oder einen Brief
zu meiner Braut.

JAGO
Wahrhaftig?

OTHELLO
Ja, wahrhaftig. Hältst du ihn nicht für ehrlich?

JAGO (Othello nachahmend)
Ehrlich?

OTHELLO
Was verbirgst du im Herzen?

JAGO
Was verberg ich im Herzen, Herr?

OTHELLO
„Was verberg ich im Herzen, Herr?“
Beim Himmel, du bist das Echo meiner Worte!
In der Kammer deiner Seele
birgst du ein grässliches Ungeheuer.
Ja, wohl hab ich gehört, was du eben sprachst!
„Das betrübt mich!“
Aber was hat dich betrübt? Du nennst Cassio
und ziehst die Stirn in Falten!
So sprich, wenn du mich liebst!

JAGO
Ihr wisst, dass ich Euch liebe.

OTHELLO
Darum ohne Vorwand
erkläre dich, und ohne Umschweife.
Sprich frei heraus

OTELLO
Sì. Perchè fai tale inchiesta?

JAGO
Il mio pensier è vago d’ubbie,
non di malizia.

OTELLO
Di’ il tuo pensiero, Jago.

JAGO
Vi confidaste a Cassio?

OTELLO
Spesso un mio dono o un cenno
portava alla mia sposa.

JAGO
Dassenno?

OTELLO
Sì, dassenno. Noi credi onesto?

JAGO (imitando Otello)
Onesto ?

OTELLO
Che ascondi nel tuo core?

JAGO
Che ascondo in cor, signore?

OTELLO
“Che ascondo in cor, signore?”
Pel cielo, tu sei l’eco dei detti miei!...
Nel chiostro dell’anima
ricetti qualche terribil mostro.
Sì; ben t’udii poc’anzi mormorar,
“Ciò m’accora!”
Ma di che t’accoravi? Nomini Cassio
e allora tu corrughi la fronte.
Suvvia, parla se m’ami!

JAGO
Voi sapete ch’io v’amo.

OTELLO
Dunque senza velami
t’esprimi e senza ambagi.
T’esca fuor dalla gola

libretto by Gerd Uekermann libretto by Arrigo Boito
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