“Otello”
by Giuseppe Verdi libretto (German ⇄ Italian)
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Otello, Mohr, Befehlshaber der venezianischen Flotte, (Tenor) Jago, Fähnrich, (Bariton) Cassio, Hauptmann, (Tenor) Rodrigo, ein edler Venezianer, (Tenor) Montano, der Vorgänger Otellos auf Zypern, (Bass) Ein Herold (Bass) Desdemona, Otellos Gemahlin, (Sopran) Emilia, Jagos Gattin, (Mezzosopran) Lodovico, Gesandter der Rep. Venedig, (Bass) Soldaten und Seeleute der Republik Venedig Edelmannen und venezianische Nobili Zyprioten beiderlei Geschlechts griechische, dalmatinische und albanische Krieger ein Schankwirt mit vier Gehilfen Volk Ort und Zeit der Handlung: Hafenstadt auf der Insel Zypern, Ende des 15. Jahrhunderts |
Otello, moro, generale dell'Armata Veneta (tenore) Jago, alfiere (baritono) Cassio, capo di squadra (tenore) Roderigo, gentiluomo veneziano (tenore) Montano, predecessore d'Otello nel governo dell'isola di Cipro (baritono) Un araldo, (basso) Desdemona, moglie d'Otello (soprano) Emilia, moglie di Jago (mezzosoprano) Coro L'azione si svolge in una città di mare nell'isola di Cipro alla fine del XV secolo. |
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Zypern, Ende des 15. Jahrhunderts. Ein Platz vor einer Festung am Meer, im Hintergrund Festungsmauern und die See. Eine Schenke mit Laubengang. Es ist Abend; Gewitter und Sturm über dem Meer. ZYPRIOTEN Ein Segel! Ein Segel! Ein Banner! Ein Banner! MONTANO Der geflügelte Löwe! CASSIO Der Blitzschein erhellt es! ZYPRIOTEN Eine Fanfare! Eine Fanfare! Die Kanone hat getönt! CASSIO Es ist das Schiff des Generals! MONTANO Es geht unter! – Es steigt auf! CASSIO Der Bug hebt sich aus dem Wasser! EINIGE ZYPRIOTEN Vom Dunst verschleiert und vom Meer, im Licht der Blitze erscheint das Schiff! ALLE Blitze! Donner! Strudel! Heulen des Sturms und des Gewitters! Es bebt das Wasser, es bebt die Luft, es beben Meeresgrund und Wogen! (Viele Frauen kommen aus dem Hintergrund nach vorne.) Ein wilder Dämon, grimmig und blind, zerteilt den Äther! FRAUEN (schreiend) Ah! ALLE Gott erschüttert den dunklen Himmel wie einen schwarzen Schleier! |
La trama si svolge sull’isola di Cipro alla fine del Quattrocento. L’esterno del castello, gli spaldi nel fondo e il mare. Una taverna con pergolato. È sera. Lampi, tuoni, uragano. CIPRIOTI Una vela! Una vela! Un vessillo! Un vessillo! MONTANO È l’alato Leon! CASSIO Or la folgor lo svela. CIPRIOTI Uno squillo! Uno squillo! Ha tuonato il cannon. CASSIO È la nave del Duce. MONTANO Or s’affonda, or s’inciela. CASSIO Erge il rostro dall’onda. ALCUNI CIPRIOTI Nelle nubi si cela e nel mar, e alla luce dei lampi ne appar. TUTTI Lampi! tuoni! gorghi! turbi tempestosi e fulmini! Tremon l’onde, tremon l’aure, tremon basi e culmini! (Entrano dal fondo molte donne del popolo.) Fende l’etra un torvo e cieco spirito di vertigine. DONNE (gridando) Ah! TUTTI Iddio scuote il ciel bieco, come un tetro vel. |
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FRAUEN Ah! ALLE Alles Rauch! Alles Feuer! Die schreckliche Finsternis birst in Flammen und erlischt in noch tieferer Nacht! Es zuckt das ganze All, in wilden Stößen braust der geisterhafte Nordwind, titanische Trompeten dröhnen durch den Himmel! (Sie wenden sich mit angstvoll flehenden Gebärden zur Mole.) Gott, das Leuchten des Gewitters! Gott, das Locken des Gestades! Rette das Schiff und die Standarte, wende das Los der Venezianer! Der du die Sterne und das Schicksal lenkst, der du Erde und Himmel beherrschst, lass auf dem Grund des ruhigen Meers den getreuen Anker ruhen! JAGO Gebrochen der Mast! RODRIGO Der Bug stößt an das Riff! DIE MENGE Hilfe! Hilfe! JAGO (zu Rodrigo) Der tobende Schlund des Meeres sei sein Grab! DIE MENGE Gerettet! Gerettet! MATROSEN (an Bord des Schiffs) Setzt die Boote aus! An die Taue! Haltet fest! Kräftig gerudert! Ans Land! (ferner Donner) Ans Ufer! Zum Kai! DIE MENGE Hoch! Hoch! Hoch! (Othello tritt auf und steigt die Treppe zur Festung hinauf, von Matrosen und Soldaten begleitet.) |
DONNE Ah! TUTTI Tutto è fumo! Tutto è fuoco! L’orrida caligine si fa incendio, poi si spegne più funesta. Spasima l’universo, accorre a valchi l’aquilon fantasima, i titanici oricalchi squillano nel ciel! (con gesti di spavento e di supplicazione e rivolti verso lo spaldo) Dio, fulgor della bufera! Dio, sorriso della duna! Salva l’arca e la bandiera della veneta fortuna! Tu, che reggi gli astri e il Fato! Tu, che imperi al mondo e al ciel! Fa che in fondo al mar placato posi l’ancora fedel. JAGO È infranto l’artimon! RODERIGO Il rostro piomba su quello scoglio! LA FOLLA Aita! aita! JAGO (a Roderigo) L’alvo frenetico del mar sia la sua tomba! LA FOLLA È salvo! è salvo! MARINAI (dalla nave) Gitate i palischermi! Mani alle funi! Fermi! Forza ai remi! Alla riva! (tuono lontano) All’approdo! allo sbarco! FOLLA CITTADINA Evviva! Evviva! Evviva! (Otello entra, salendo la scala dalla spiaggia sullo spaldo con seguito di marinai e soldati.) |
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OTHELLO Freut euch! Der Stolz der Muselmanen liegt begraben im Meer! Der Ruhm ist unser und des Himmels! Nach unseren Waffen besiegte sie noch der Sturm! DIE MENGE Es lebe Othello! Hoch! Hoch! Hoch! Sieg! Sieg! (Othello geht in die Festung, gefolgt von Cassio, Montano und Soldaten.) Sieg! Sieg! Vernichtung! Vernichtung! Verstreut, vernichtet, begraben liegen sie in der grässlichen Tiefe! Sieg! Sieg! Sieg! Sieg! Vernichtung! Vernichtung! usw. Das Requiem bringe ihnen die Geißel der Wellen, das Wirbeln des Windes, der Abgrund des Meeres! Sieg! Sieg! Verstreut, vernichtet, usw. Hoch! (Ferner Donner. Der Sturm legt sich.) Das Unwetter beruhigt sich. JAGO (abseits zu Rodrigo) Rodrigo, nun, woran denkst du? RODRIGO Mich zu ertränken! JAGO Nur ein Narr ertränkt sich aus Liebe zu einer Frau! (Während das Schiff entladen wird und man die Waffen und Lasten in die Festung trägt, kommen einige Bürger hinter den Mauern hervor. Sie bringen Reisigbündel, um sie auf dem Damm zu entzünden; Soldaten leuchten ihnen mit Fackeln, während sie einen Scheiterhaufen errichten. Die Menge drängt sich neugierig und aufgeregt um sie.) RODRIGO Ich weiß mir nicht zu helfen. JAGO Ei was, sei vernünftig, erwart das Werk der Zeit; |
OTELLO Esultate! L’orgoglio musulmano sepolto è in mar. Nostra e del ciel è gloria. Dopo l’armi lo vinse l’uragano. FOLLA CITTADINA Evviva Otello! Evviva! Evviva! Evviva! Vittoria! Vittoria! (Otello entra nella rocca, seguito da Cassio, Montano e soldati.) Vittoria! Vittoria! Sterminio! Sterminio! Dispersi, distrutti, sepolti nell’orrido tumulto piombar! Vittoria! Vittoria! Vittoria! Vittoria! Sterminio! Sterminio! ecc. Avranno per requie la sferza dei flutti, la ridda dei turbini, l’abisso, l’abisso del mar. Vittoria! Vittoria! Dispersi, distrutti, ecc. Evviva! (Tuono lontano. La tempesta sta avviandosi.) Si calma la bufera. JAGO (in disparte a Roderigo) Roderigo, ebben che pensi? RODERIGO D’affogarmi. JAGO Stolto è chi s’affoga per amor di donna. (Mentre la nave viene scaricata e si portano armi e bagagli da essa nel castello, dei popolani escono da dietro la rocca portando dei rami da ardere presso lo spaldo; alla luce di fiaccole tenute dai soldati formano da un lato una catasta di legno: la folla s’accalca intorno turbolenta e curiosa.) RODERIGO Vincer nol so. JAGO Su via, fa senno, aspetta l’opra del tempo; |
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die schöne Desdemona, die du in deinen heimlichen Träumen anbetest, wird sie bald verabscheuen, die trüben Küsse dieses Wilden mit seinen wulstigen Lippen! Guter Rodrigo, ich bin dein treuer Freund, das erklär ich, und helf dir jetzt in deiner höchsten Not: Wenn der schwache Liebesschwur eines Weibes kein allzu starker Knoten ist für meinen Witz oder für die Hölle – dann schwör ich, dieses Weib wird dein! Hör, wiewohl ich vorgeb, ihn zu lieben, hass ich den Mohren. (Cassio tritt auf und geht zu einer Gruppe von Soldaten.) Und ein Grund meines Hasses ist der dort, sieh! (Zeigt auf Cassio.) Der aufgeputzte Hauptmann hat meinen Rang geraubt, den Rang, den ich in hundert guten Schlachten mir verdient hab; das war Othellos Wille, und ich bleibe bei Seiner Mohrenhoheit nur Fähnrich! (Aus dem Scheiterhaufen steigen immer dichtere Rauchwolken auf.) Aber so wahr du Rodrigo bist, so wahr ist es auch, dass, wär ich der Mohr, ich möchte keinen Jago um mich haben. Hör mich an... (Er redet weiter auf Rodrigo ein und führt ihn mit sich zur Seite. Flammen schlagen aus dem Scheiterhaufen, um den sich die Zyprioten versammeln. Inzwischen schmücken Leute aus der Schenke den Laubengang mit festlicher Beleuchtung. Soldaten setzen sich trinkend und plaudernd an die Tische.) ZYPRIOTEN Feuer der Freude! Die fröhliche Flamme vertreibt die Nacht mit ihrem Schein! Es zuckt, sprüht, knistert, flammt auf; blitzendes Feuer dringt in das Herz! Vom Licht angezogene flimmernde Gestalten tanzen umher in wechselnden Reihen, bald junge Mädchen mit heiteren Liedern, bald Falter mit flammenden Flügeln! Es brennt die Palme mit dem Feigenbaum, es singt die Gattin mit ihrem Getreuen; |
a Desdemona bella, che nel segreto dei tuoi sogni adori, presto in uggia verranno i foschi baci di quel selvaggio dalle gonfie labbra. Buon Roderigo, amico tuo sincero mi ti professo, nè in più forte ambascia soccorrerti potrei. Se un fragil voto di femmina non è tropp’arduo nodo pel genio mio nè per l’inferno, giuro che quella donna sarà tua. M’ascolta, benchè finga d’amarlo, odio quel Moro. (Entra Cassio: poi s’unisce a un crocchio di soldati.) E una cagion dell’ira, eccola, guarda. (indicando Cassio) Quell’azzimato capitano usurpa il grado mio, il grado mio che in cento ben pugnate battaglie ho meritato; tal fu il voler d’Otello, ed io rimango di sua Moresca Signoria l’alfiere! (Dalla catasta incominciano ad alzarsi dei globi di fumo sempre più denso.) Ma com’è ver che tu Rodrigo sei, così è pur vero, che se il Moro io fossi vedermi non vorrei d’attorno un Jago. Se tu m’ascolti... (Sempre parlando, Jago conduce Roderigo più lontano. Il fuoco divampa, i Ciprioti s’avvicinano ad esso, cantando. Mentre cantano, i tavernieri illuminano a festa il pergolato. Soldati s’affollano intorno alle tavole, parlando e bevendo.) CIPRIOTI Fuoco di gioia! L’ilare vampa fuga la notte col suo splendor. Guizza, sfavilla, crepita, avvampa, fulgido incendio che invade il cor! Dal raggio attratti, vaghi sembianti movono intorno mutando stuol, e son fanciulle dai lieti canti, e son farfalle dall’igneo vol. Arde la palma col sicomoro (rip.) canta la sposa col suo fedel, |
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auf die goldene Flamme, auf den fröhlichen Chor bläst der feurige Hauch des Himmels! usw. Das Feuer der Freude verbrennt schnell! Schnell verlischt das Feuer der Liebe! Es leuchtet, ermattet, zuckt auf, zittert, der letzte Funke blitzt auf und erstirbt! Das Feuer der Freude, verbrennt schnell! Es leuchtet, ermattet, zuckt auf, zittert, der letzte Funke blitzt auf und erstirbt! Feuer der Freude usw. (Das Feuer verlischt nach und nach; der Sturm hat sich gänzlich gelegt.) ... blitzt auf und erstirbt! (Jago, Rodrigo, Cassio und mehrere Soldaten haben sich um einen Tisch versammelt, auf dem Wein kredenzt ist.) JAGO Rodrigo, lass uns trinken! (zu Cassio) Den Becher her, Hauptmann! CASSIO Ich trink nicht mehr. JAGO (führt den Weinkrug an Cassios Becher) Noch diesen Schluck hinunter! CASSIO (zieht den Becher weg) Nein! JAGO Schau! Heute ist ganz Zypern närrisch! Es ist eine Nacht der Freude, also... CASSIO Hör auf! Mir brennt schon der Kopf nach einem einzigen Becher. JAGO Ei, du musst noch weiter trinken! Auf die Hochzeit von Othello und Desdemona! ZYPRIOTEN Hoch! CASSIO (hebt den Becher und trinkt ein wenig) Sie ist die Zierde dieser Insel! |
sull’aurea fiamma, sul lieto coro, soffia l’ardente spiro del ciel, ecc. Fuoco di gioia rapido brilla! Rapido passa fuoco d’amor! Splende, s’oscura, palpita, oscilla, (rip.) l’ultimo guizzo lampeggia e muor. Fuoco di gioia, (rip.) rapido brilla! Splende, s’oscura, palpita, oscilla, l’ultimo guizzo lampeggia e muor. Fuoco di gioia, ecc. (Il fuoco si spegne a poco a poco: la bufera è cessata.) ... lampeggia e muor! (Jago, Roderigo, Cassio e parecchi altri uomini d’arme stanno intorno a un tavolo dove c’è del vino.) JAGO Roderigo, beviam! (a Cassio) Qua la tazza, capitano! CASSIO Non bevo più. JAGO (avvicinando il boccale alla tazza di Cassio) Ingoia questo sorso. CASSIO (ritirando il bicchiere) No. JAGO Guarda! oggi impazza tutta Cipro! È una notte di gioia, dunque... CASSIO Cessa. Già m’arde il cervello per un nappo vuotato. JAGO Sì, ancora bever devi. Alle nozze d’Otello e Desdemona! CIPRIOTI Evviva! CASSIO (alzando il bicchiere e bevendo un poco) Essa infiora questo lido! |
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JAGO (leise zu Rodrigo) Hör ihn dir an! CASSIO Mit ihrem Zauber bezwingt sie alle Herzen! RODRIGO Und doch ist sie so bescheiden! CASSIO Du, Jago, sing ihr Loblied! JAGO (leise zu Rodrigo) Hör ihn dir an! (laut zu Cassio) Ich bin nur ein Kritiker! CASSIO Und sie ist über alles Lob erhaben! JAGO (leise zu Rodrigo) Hüte dich vor diesem Cassio! RODRIGO Was fürchtest du? JAGO (zu Rodrigo) Er schwätzt mit zuviel Hitze, sein jugendlicher Eifer spornt ihn an, er ist ein schlauer Verführer, der dir den Weg verstellt. Hüte dich! RODRIGO Nun? JAGO Ist er berauscht, dann ist er verloren! Bring ihn zum Trinken! (zu den Schenken) He, Burschen, Wein her! (Er füllt drei Becher, für sich selbst, Rodrigo und Cassio. Die Schenken gehen mit Kannen umher und warten den anderen auf; die Menge läuft neugierig zusammen.) (hebt den Becher, zu Cassio) Netz dir den Gaumen! Trink, zech, eh du das Lied und den Becher versäumst! |
JAGO (sotto voce a Roderigo) Lo ascolta. CASSIO Col vago suo raggiar chiama i cori a raccolta. RODERIGO Pur modesta essa è tanto. CASSIO Tu, Jago, canterai le sue lodi, ... JAGO (piano a Roderigo) Lo ascolta. (forte a Cassio) Io non sono che un critico. CASSIO ... ed ella d’ogni lode è più bella. JAGO (a Roderigo, a parte) Ti guarda da quel Cassio. RODERIGO Che temi? JAGO (a Roderigo) Ei favella già con troppo bollor, la gagliarda giovinezza lo sprona, è un astuto seduttor che t’ingombra il cammino. Bada... RODERIGO Ebben? JAGO S’ei s’innebria è perduto! Fallo ber. (ai tavernieri) Qua, ragazzi, del vino! (Jago riempie tre bicchieri: uno per sè, uno per Roderigo, uno per Cassio. I tavernieri circolano colle anfore; la folla gli si avvicina e guarda curiosamente.) (a Cassio, col bicchiere in mano) Inaffia l’ugola! Trinca, tracanna prima che svampino canto e bicchier! |
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CASSIO (zu Jago, den Becher in der Hand) Dies ist das wahre Manna des Rebstocks, mit seinem zarten Duft benebelt es den Geist! JAGO (zu allen) Wer je dem kühnen und wilden Bacchussang erlegen ist, der trinke mit mir, trinke mit mir, trinke, usw. ... trinke mit mir! RODRIGO, ZYPRIOTEN, SOLDATEN Wer je dem kühnen und wilden, usw. der trinkt mit dir... JAGO Trinke, trinke... RODRIGO, ZYPRIOTEN, SOLDATEN ... trinkt mit dir... JAGO Trinke, trinke... RODRIGO, ZYPRIOTEN, SOLDATEN ... trinkt mit dir... ... trinkt... JAGO ... trinke! RODRIGO, ZYPRIOTEN, SOLDATEN ... trinkt, trinkt, trinkt mit dir! JAGO (zu Rodrigo, auf Cassio zeigend) Noch einen Schluck, und er ist berauscht! RODRIGO (zu Jago) Noch einen Schluck, und er ist berauscht! JAGO (zu allen) Das Weltall schwankt, wenn ich betrunken bin! Ich trotze der ironischen Gottheit und dem Schicksal! CASSIO (trinkt noch einmal) Ich bebe wie eine tönende Laute, die Freude schreitet auf meinem Pfad! JAGO Wer je dem kühnen und wilden, usw. |
CASSIO (a Jago, col bicchiere in mano) Questa del pampino verace manna di vaghe annugola nebbie il pensier. JAGO (a tutti) Chi all’esca ha morso del ditirambo spavaldo e strambo, beva con me, beva con me, beva, beva, ecc. ... beva con me! RODERIGO, CIPRIOTI, SOLDATI Chi all’esca ha morso, ecc. beve con te, beve con te... JAGO Beva, beva... RODERIGO, CIPRIOTI, SOLDATI ... beve con te... JAGO ... beva, beva... RODERIGO, CIPRIOTI, SOLDATI ... beve con te... ... beve... JAGO ... beva! RODERIGO, CIPRIOTI, SOLDATI ... beve, beve, beve con te! JAGO (a Roderigo, indicando Cassio) Un altro sorso e brillo egli è. RODERIGO (a Jago) Un altro sorso e brillo egli è. JAGO (a tutti) Il mondo palpita quand’io son brillo! Sfido l’ironico Nume e il destin! CASSIO (bevendo ancora) Come un armonico liuto oscillo; la gioia scalpita sul mio cammin! JAGO Chi all’esca ha morso, ecc. |
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RODRIGO, ZYPRIOTEN, SOLDATEN, dann JAGO Wer je dem kühnen und wilden, usw. JAGO (zu Rodrigo) Noch einen Schluck, und er ist berauscht! RODRIGO (zu Jago) Noch einen Schluck, und er ist berauscht! JAGO (laut, zu allen) Vor dem schäumenden Becher fliehen die Feigen... CASSIO (unterbricht ihn) Jeder kann mir auf den Grund der Seele schauen! (trinkt) JAGO (funterbricht ihn) ... die im Herzen Arglist verbergen! CASSIO Ich fürchte die Wahrheit nicht! (taumelt) JAGO Wer je dem kühnen und wilden... ... Bacchussang erlag... trinke mit mir, trinke mit mir! CASSIO Ich fürchte die Wahrheit nicht, usw. ... ich fürchte die Wahrheit nicht und trinke, und trinke, trinke, und... JAGO Ah! Trink, trink mit mir! EINIGE ZUSCHAUER (lachend) Haha! Haha! usw. Haha! Haha! usw. CASSIO Des Bechers... JAGO (zu Rodrigo) Er ist sinnlos betrunken... ... rasch, verwickle ihn in einen Streit; er ist jetzt leicht aufgebracht, wird dich angreifen, dann gibt es Aufruhr! Denk daran, dass du so dem glücklichen Othello die erste Liebesnacht stören kannst! |
RODERIGO, CIPRIOTI, SOLDATI, poi JAGO Chi all’esca ha morso, ecc. JAGO (a Roderigo) Un altro sorso e brillo egli è. RODERIGO (a Jago) Un altro sorso e brillo egli è. JAGO (forte, a tutti) Fuggan dal vivido nappo i codardi... CASSIO (interrompendo) In fondo all’anima ciascun mi guardi!... (beve) JAGO (interrompendo) ... che in cor nascondono frodi. CASSIO Non temo, non temo il ver... (barcollando) JAGO Chi all’esca ha mor... ... del ditiramb... Bevi con me, bevi con me. CASSIO ... non temo il ver, ecc. ... non temo il ver, e bevo, e bevo, e bevo, e bevo, e bevo, e... JAGO Ah! bevi, bevi con me! UN GRUPPO DEI PRESENTI (ridendo) Aha, aha, ecc. ... aha, aha, ecc. CASSIO Del calice... JAGO (a Roderigo) Egli è briaco fradicio... ... Ti scuoti, lo trascina a contesa; è pronto all’ira, t’offenderà, ne seguirà tumulto! Pensa che puoi così del lieto Otello turbar la prima vigilia d’amor! |
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CASSIO Des Bechers – Rand – (mit immer schwerer werdender Zunge) Des Bechers – Rand – Rand – (Die anderen lachen.) RODRIGO (leise zu Jago) Und eben das treibt mich an! CASSIO – von Purpur – Purpur – von Purpur rot – RODRIGO, ZYPRIOTEN, SOLDATEN Ah, haha! Haha! Haha! Trink, trink mit mir, usw. JAGO Trink, trink! RODRIGO, JAGO, ZYPRIOTEN, SOLDATEN Trink, trink, trink mit mir! CASSIO Ich trink, trink, trink mit dir! (Alle trinken.) MONTANO (kommt aus der Festung, zu Cassio) Hauptmann, die Wache erwartet Euch an der Mole. CASSIO (taumelnd) Wohlan! MONTANO Was seh ich? JAGO (leise, nahe bei Montano) Jede Nacht bereitet sich Cassio auf diese Weise auf den Schlaf vor! MONTANO Othello soll es erfahren! CASSIO Gehn wir zur Mole! RODRIGO (lacht) Haha!... ... Haha! |
CASSIO Del calice... gl’orli... (con voce sempre più soffocata) Del calice... gl’orli... gl’orli... (Gli altri ridono di Cassio.) RODERIGO (risponde, a parte, a Jago) Ed è ciò che mi spinge. CASSIO ... s’impor... s’impor... s’imporporino... RODERIGO, CIPRIOTI, SOLDATI Ah, aha, aha, aha! (rip.) Bevi, bevi con me, ecc. JAGO Bevi, bevi! RODERIGO, JAGO, CIPRIOTI, SOLDATI Bevi, bevi, bevi con me! CASSIO Bevo, bevo, bevo con te! (Tutti bevono.) MONTANO (venendo dal castello, si rivolge a Cassio) Capitano, v’attende la fazione ai baluardi. CASSIO (barcollando) Andiamo! MONTANO Che vedo? JAGO (a Montano, avvicinandosi a lui) Ogni notte in tal guisa Cassio preludia il sonno. MONTANO Otello il sappia! CASSIO Andiamo ai baluardi. RODERIGO (ridendo) Ah! ah!... ... Ah! ah! |
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MÄNNER Haha! CASSIO Wer lacht da? RODRIGO (herausfordernd) Ich lache über einen Trunkenbold! CASSIO Nun hüte dich! (stürzt sich auf Rodrigo) Schurke! RODRIGO (verteidigt sich) Betrunkener Rüpel! CASSIO Du Lump! Nichts kann dich mehr retten! MONTANO (trennt sie mit Gewalt, zu Cassio) Haltet ein, Hauptmann, ich bitte Euch! CASSIO (zu Montano) Ich spalt dir den Schädel, wenn du dich einmischst! MONTANO Die Sprache eines Betrunkenen... CASSIO Eines Betrunkenen? (Er zieht das Schwert, Montano ebenfalls. Beide stoßen wütend zusammen; die Menge weicht zurück.) JAGO (leise zu Rodrigo) Eil zum Hafen, so schnell du kannst, schrei laut: Aufruhr! Aufruhr! Geh! Verbreite Unruhe und Schrecken; die Glocken sollen Sturm Iäuten! (Rodrigo läuft davon. Jago wendet sich schnell an die beiden Kämpfenden.) Kameraden! Beendet diesen bösen Hader! FRAUEN (fliehend) Fort von hier! JAGO Himmel! Schon fließt Montanos Blut! Schrecklicher Streit! |
UOMINI Ah! ah! CASSIO Chi ride? RODERIGO (provocandolo) Rido d’un ebbro! CASSIO Bada alle tue spalle! (scagliandosi contro Roderigo) Furfante! RODERIGO (difendendosi) Briaco ribaldo! CASSIO Marrano! Nessun più ti salva! MONTANO (separandoli a forza e dirigendosi a Cassio) Frenate la mano, signor, ve ne prego. CASSIO (a Montano) Ti spacco il cerebro se qui t’interponi! MONTANO Parole d’un ebbro... CASSIO D’un ebbro? (Sguaina la spada. Montano s’arma anch’esso. Assalto furibondo. La folla si ritrae.) JAGO (a parte a Roderigo) Va al Porto, con quanta più possa ti resta, gridando: sommossa! sommossa! Va! Spargi il tumulto, l’orror; le campane risuonino a stormo. (Roderigo esce correndo. Jago si rivolge rapidamente ai due combattenti.) Fratelli! l’immane conflitto cessate! DONNE (fuggendo) Fuggiam! JAGO Ciel! già gronda di sangue Montano! Tenzon furibonda! |
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FRAUEN Fort! Fort! JAGO Haltet ein! MÄNNER Haltet ein! JAGO Haltet ein! MÄNNER Haltet ein! FRAUEN Sie bringen sich um! MÄNNER Friede! JAGO Niemand kann den Streit verhindern! (zu den Umstehenden) So schlagt doch Alarm! Satan ist in sie gefahren! MÄNNER Waffen! Waffen! FRAUEN, dann ALLE Zu Hilfe! Zu Hilfe! usw. MÄNNER Waffen! Waffen! FRAUEN, dann ALLE Zu Hilfe! usw. (Die Glocken läuten Sturm; der Kampf geht weiter, während die Frauen fliehen. Othello erscheint, gefolgt von Leuten mit Fackeln. Die Glocken schweigen.) OTHELLO Nieder mit den Schwertern! (Die Kämpfenden halten ein.) Holla! Was geht hier vor? Bin ich bei den Sarazenen? Oder hat die Wut der Türken euch gepackt, euch gegenseitig zu zerfleischen? |
DONNE Fuggiam! Fuggiam! JAGO Tregua!... UOMINI Tregua!... JAGO Tregua! UOMINI Tregua! DONNE S’uccidono! UOMINI Pace! JAGO Nessun più raffrena quel nembo pugnace! (agli astanti) Si gridi l’allarme! Satana gl’invade! UOMINI All’armi! all’armi! DONNE, poi TUTTI Soccorso! soccorso! ecc. UOMINI All’armi! all’armi! DONNE, poi TUTTI Soccorso! ecc. (Intanto, squillano campane a stormo; il combattimento continua e le donne fuggono. Entra Otello seguito da gente con fiaccole. Cessano le campane.) OTELLO Abbasso le spade! (I combattenti s’arrestano.) Olà! che avvien? Son io fra i Saraceni? O la turchesca rabbia è in voi trasfusa da sbranarvi l’un l’altro ? |
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Ehrlicher Jago, bei deiner Liebe, die du zu mir hegst, sprich! JAGO Ich weiß nicht... Hier waren alle eben noch gute Freunde und voller Fröhlichkeit, doch da auf einmal, als ob ein böser Planet ihnen den Sinn verwirrt hätte, zogen sie die Waffen und stürzten sich wütend aufeinander. Hätte ich mir lieber die Füße abgehauen, die mich hierhertrugen! OTHELLO Cassio, wie konntest du dich so vergessen? CASSIO Gnade... verzeiht... ich kann nicht sprechen – OTHELLO Montano? MONTANO (von einem Soldaten gestützt) Ich bin verwundet... OTHELLO Verwundet! Beim Himmel, mein Blut wallt wieder auf! Ah! dieser Zorn treibt unseren Schutzengel zur Flucht! (Desdemona erscheint; Othello geht ihr schnell entgegen.) Wie? Meine süße Desdemona! Auch sie habt ihr aus ihren Träumen geschreckt? Cassio, du bist nicht länger Hauptmann! (Cassio lässt das Schwert fallen, das Jago aufhebt.) JAGO (übergibt Cassios Schwert einem Soldaten, für sich) Welch ein Triumph! OTHELLO Jago, geh in die aufgeschreckte Stadt und stell mit dieser Truppe wieder Frieden her! (Jago ab) Helft Montano! (Montano wird in die Festung gebracht.) Ein jeder kehre in sein Haus zurück. (mit gebieterischer Bewegung) |
Onesto Jago, per quell’amor che tu mi porti, parla. JAGO Non so... Qui tutti eran cortesi amici dianzi, e giocondi... ma ad un tratto, come se un pianeta maligno avessi a quelli smagato il senno, sguainando l’arme s’avventano furenti. Avessi io prima stroncati i piè che qui m’addusser! OTELLO Cassio, come obliasti te stesso a tal segno ? CASSIO Grazia... perdon... Parlar non so... OTELLO Montano... MONTANO (sostenuto da un soldato) Son ferito... OTELLO Ferito! Pel cielo già il sangue mio ribolle! Ah! l’ira volge l’angelo nostro tutelare in fuga! (Entra Desdemona. Otello le accorre.) Che? la mia dolce Desdemona anch’essa per voi distolta da’ suoi sogni?! Cassio, non sei più capitano. (Cassio lascia cadere la spada che è raccolta da Jago.) JAGO (porgendo la spada di Cassio a un soldato e parlando a parte) Oh! mio trionfo! OTELLO Jago, tu va nella città sgomenta con quella squadra a ricompor la pace. (Jago parte.) Si soccorra Montano. (Montano è accompagnato nel castello.) Al proprio tetto ritorni ognun. (con gesto imperioso) |
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Ich gehe nicht fort von hier, ehe ich die Mauern leer von Menschen sehe! (Alle ab. Othello gibt den Fackelträgern, die ihn begleiteten, ein Zeichen, in die Festung zurückzugehen, dann bleibt er mit Desdemona allein zurück.) In der Dunkelheit der Nacht verliert sich nun aller Lärm, und mein aufgebrachtes Herz besänftigt sich in dieser Umarmung und findet wieder Frieden. Nun tobe der Krieg, gehe die Welt zugrunde! Wenn nach dem unermesslichen Zorn diese unermessliche Liebe folgt! DESDEMONA Mein stolzer Krieger! Wie viele Qualen, wie viele traurige Seufzer und wie viele Hoffnungen haben uns zu diesen zarten Umarmungen geführt! O wie süß ist dieses traute Zwiegespräch! Erinnerst du dich? Als du mir von deinem Leben im Exil erzähltest, von kühnen Abenteuern und deinem schweren Kummer, da hörte ich dir zu, die Seele berauscht von all den Schrecken, voll Entzücken das Herz. OTHELLO Ich beschrieb das Getöse der Waffen, den Kampf und den kühnen Vorstoß in die tödliche Scharte; den Angriff; die Hände, wie grässliches Gewächs gekrallt in das Mauerwerk zwischen sausenden Pfeilen! DESDEMONA Dann führtest du mich in schimmernde Wüsten, zum brennenden Sand, zu deiner Heimaterde, beschriebst mir die qualvolle Marter und die Ketten und die Pein der Sklaverei. OTHELLO Bei der Erzählung veredelten Tränen dein schönes Antlitz und Seufzer deinen Mund; es senkte sich in meine Finsternis ein Glanz, des Paradieses und der Sterne Segen! DESDEMONA Und ich sah zwischen deinen schwarzen Schläfen erglänzen deines Wesens ätherische Schönheit! |
Io da qui non mi parto se pria non vedo deserti gli spaldi. (La gente parte. Otello fa cenno agli uomini colle fiaccole che lo accompagnavano di rientrare il castello. Restano soli Otello e Desdemona.) Già nella notte densa s’estingue ogni clamor, già il mio cor fremebondo s’ammansa in quest’amplesso e si rinsensa. Tuoni la guerra e s’inabissi il mondo se dopo l’ira immensa vien quest’immenso amor! DESDEMONA Mio superbo guerrier! quanti tormenti, quanti mesti sospiri e quanta speme ci condusse ai soavi abbracciamenti! Oh! come è dolce il mormorar insieme! Te ne rammenti? Quando narravi l’esule tua vita e i fieri eventi e i lunghi tuoi dolor, ed io t’udia coll’anima rapita in quei spaventi, coll’estasi nel cor. OTELLO Pingea dell’armi il fremito, la pugna e il vol gagliardo alla breccia mortal, l’assalto, orribil edera, coll’ugna al baluardo e il sibilante stral! DESDEMONA Poi mi guidavi ai fulgidi deserti, all’arse arene, al tuo materno suol; narravi allor gli spasimi sofferti e le catene e dello schiavo il duol. OTELLO Ingentilia di lagrime la storia il tuo bel viso e il labbro di sospir; scendean sulle mie tenebre la gloria, il paradiso e gli astri a benedir! DESDEMONA Ed io vedea fra le tue tempie oscure splender del genio l’eterea beltà. |
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OTHELLO Und du liebtest mich um meines Unglücks willen, und ich liebte dich für dein Mitleid! DESDEMONA Und ich liebte dich um deines Unglücks willen, und du liebtest mich für mein Mitleid! OTHELLO Und du liebtest mich... DESDEMONA Und du liebtest mich... OTHELLO ... und ich liebte dich... ... für dein Mitleid! DESDEMONA ... für mein Mitleid. OTHELLO Nun lass mich sterben, und im Entzücken dieser Umarmung finde mich die Todesstunde! (Der Himmel hat sich aufgeheitert, die Sterne treten hervor, und der Horizont wird vom blassen Licht des aufgehenden Mondes blau erhellt.) So groß ist die Freude in meiner Seele, dass ich fürchte, er werde mir nie wieder vergönnt, dieser göttliche Augenblick, in der dunklen Zukunft meines Schicksals. DESDEMONA Der Himmel zerstreue diese Sorgen, und die Liebe bleibe ungewandelt vom Wandel der Zeit! OTHELLO Zu diesem deinem Gebet sei „Amen“ die Antwort der himmlischen Heerscharen! DESDEMONA „Amen“ die Antwort! OTHELLO (lehnt sich auf eine Erhöhung der Festungsmauer) Ah, die Freude überläuft mich so heftig, dass es mir den Atem benimmt! Einen Kuss! |
OTELLO E tu m’amavi per le mie sventure, ed io t’amavo per la tua pietà. DESDEMONA Ed io t’amavo per le tue sventure, e tu m’amavi per la mia pietà. OTELLO E tu m’amavi... DESDEMONA E tu m’amavi... OTELLO ... ed io t’amavo... ... per la tua pietà. DESDEMONA ... per la mia pietà. OTELLO Venga la morte! e mi colga nell’estasi di questo amplesso il momento supremo! (Il cielo si è tutto rasserenato: si vedono alcune stelle e sul lembo dell’orizzonte il riflesso ceruleo della nascente luna.) Tale è il gaudio dell’anima che temo, temo che più non mi sarà concesso quest’attimo divino nell’ignoto avvenir del mio destino. DESDEMONA Disperda il ciel gli affanni e amor non muti col mutar degli anni. OTELLO A questa tua preghiera “amen” risponda la celeste schiera! DESDEMONA “Amen” risponda! OTELLO (appoggiandosi ad un rialzo degli spaldi) Ah! la gioia m’innonda si fieramente che ansante mi giacio... Un bacio... |
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DESDEMONA Othello! OTHELLO Einen Kuss! Und noch einen Kuss! (erhebt sich und betrachtet den Himmel) Die leuchtenden Plejaden versinken schon im Meer! DESDEMONA Spät ist die Nacht. OTHELLO Komm ... Venus erstrahlt! DESDEMONA Othello! (Sie gehen Arm in Arm auf die Festung zu.) |
DESDEMONA Otello! OTELLO ... un bacio... ancora un bacio! (alzandosi e mirando il cielo) Già la pleiade ardente in mar discende. DESDEMONA Tarda è la notte. OTELLO Vien... Venere splende! DESDEMONA Otello! (S’avviano abbracciati verso il castello.) |
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Ein Saal in der Festung, zu ebener Erde, durch eine Fensterwand mit einer Terrasse von einem großen Garten getrennt. JAGO (diesseits der Terrasse, zu dem auf der anderen Seite stehenden Cassio) Quäl dich nicht! Wenn du mir folgst, kehrst du bald zurück in die Umarmungen der Monna Bianca, als stolzer Hauptmann mit goldenem Degengriff und geputztem Wehrgehänge! CASSIO Schmeichle mir nicht. JAGO Hör, was ich dir sage! Du musst wissen, dass Desdemona die Herrin unseres Herren ist, er lebt nur für sie. Bitte sie um Beistand, sie ist großherzig und wird für dich sprechen, und die Verzeihung ist dir sicher. CASSIO Aber wie kann ich mit ihr sprechen? |
Una sala terrena nel castello. Un’invetriata e un verone la dividono da un grande giardino. JAGO (al di qua del verone, a Cassio, chi è al di là) Non ti crucciar. Se credi a me, tra poco farai ritorno ai folleggianti amori di Monna Bianca, altiero capitano, coll’elsa d’oro e col balteo fregiato. CASSIO Non lusingarmi. JAGO Attendi a ciò ch’io dico. Tu dêi saper che Desdemona è il Duce del nostro Duce, sol per essa ei vive. Pregala tu, quell’anima cortese per te interceda, e il tuo perdono è certo. CASSIO Ma come favellarle? |
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JAGO Gewöhnlich geht sie mittags dort im Schatten jener Bäume mit meiner Frau spazieren. Dort erwarte sie. Der Weg zu deiner Rettung steht dir offen, geh! (Cassio entfernt sich, Jago sieht ihm nach.) Geh! Dein Ende seh ich schon! Dich treibt dein Dämon, und dein Dämon bin ich! Und mich reißt der meine fort, an den ich glaube als unerbittlichen Gott! (verlässt die Terrasse, ohne weiter auf Cassio zu achten, der zwischen den Bäumen verschwindet) Ich glaube an einen grausamen Gott, der mich nach seinem Bilde erschuf, und den ich im Zorn nenne! Aus der Niedrigkeit eines Keims oder Atoms bin ich in Niedrigkeit geboren! Ich bin ein Bösewicht, weil ich ein Mensch bin, und fühle den Schlamm meines Ursprungs in mir! Ja! Das ist mein Glaube! Ich glaube mit festem Herzen, so wie die Witwe im Tempel, dass ich das Böse, das ich denke, das von mir ausgeht, als mein Schicksal erfülle! Ich glaube, dass der Gerechte ein höhnischer Komödiant ist, im Antlitz wie im Herzen, dass alles an ihm Lüge ist: Tränen, Küsse, freundliche Blicke, Opfermut und Ehre! Und ich glaube, dass der Mensch das Spielzeug eines bösen Schicksals ist, vom Keim in seiner Wiege bis zum Wurm in seinem Grab. Auf all diesen Spott folgt der Tod. Und dann? Und dann? Der Tod ist das Nichts! Das Jenseits ist ein altes Märchen! (Im Garten sieht man Desdemona und Emilia vorbeigehen. Jago eilt zu der Terrasse, auf deren, anderer Seite Cassio steht.) (zu Cassio) Da ist sie! Cassio, nun auf! Das ist der Augenblick! |
JAGO È suo costume girsene a meriggiar fra quelle fronde colla consorte mia. Quivi l’aspetta. Or t’è aperta la via di salvazione; vanne. (Cassio s’allontana. Jago lo segue coll’occhio.) Vanne! la tua meta già vedo. Ti spinge il tuo dimone e il tuo dimon son io, e me trascina il mio, nel quale io credo inesorato Iddio: (allontanandosi dal verone senza più guardar Cassio che sarà scomparso fra gli alberi) Credo in un Dio crudel che m’ha creato simile a sè, e che nell’ira io nomo. Dalla viltà d’un germe o d’un atòmo vile son nato. Son scellerato perchè son uomo, e sento il fango originario in me. Sì! quest’è la mia fè! Credo con fermo cuor, siccome crede la vedovella al tempio, che il mal ch’io penso che da me procede per mio destino adempio. Credo che il giusto è un istrion beffardo e nel viso e nel cuor; che tutto è in lui bugiardo, lagrima, bacio, sguardo, sacrificio ed onor. E credo l’uom gioco d’iniqua sorte dal germe della culla al verme dell’avel. Vien dopo tanta irrision la Morte. E poi?... e poi? La Morte è il Nulla, è vecchia fola il Ciel. (Si vede passare nel giardino Desdemona con Emilia. Jago si slancia al verone, al di là del quale è appostato Cassio.) (a Cassio) Eccola!... Cassio... a te! Quest’è il momento. |
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Beweg dich! Desdemona kommt! (Cassio geht auf Desdemona zu, begrüßt sie und nähert sich ihr.) Er beginnt! Er begrüßt sie und tritt näher! Nun muss Othello hierherkommen! Hilf, Satan, hilf meinem Plan! Schon sprechen sie miteinander! Und sie neigt lächelnd das schöne Antlitz! (Man sieht Cassio und Desdemona im Garten vorübergehen.) Mir genügt ein einziger Strahl dieses Lächeln, um Otello ins Verderben zu ziehen! Nun fort! (will davoneilen, bleibt aber plötzlich stehen) Doch der Zufall ist mir günstig! Da ist er! Auf meinen Posten, ans Werk! (Er bleibt unbeweglich bei der Terasse und blickt in den Garten, wo Cassio und Desdemona stehen. Othello tritt auf; Jago stellt sich, als ob er ihn nicht bemerke und zu sich selber spräche.) Das betrübt mich! OTHELLO (nähert sich Jago) Was sagst du? JAGO Nichts ... Ihr hier? Ein leeres Wort kam mir über die Lippen. OTHELLO Der da eben von meiner Frau weggeht, ist das Cassio? (Beide treten von der Terrasse.) JAGO Cassio? Nein... der dort erschrak wie schuldbewusst, als er Euch sah. OTHELLO Ich glaube, es war Cassio. JAGO Herr... OTHELLO Was ist? JAGO Hat Cassio, zu Beginn Eurer Liebe, Desdemona nicht gekannt? |
Ti scuoti... vien Desdemona. (Cassio va verso Desdemona, la saluta, le s’accosta.) S’è mosso; la saluta e s’avvicina. Or qui si tragga Otello!... Aiuta, aiuta Sàtana il mio cimento! Già conversano insieme... ed essa inclina, sorridendo, il bel viso. (Si vedono ripassare nel giardino Cassio e Desdemona.) Mi basta un lampo sol di quel sorriso per trascinar Otello alla ruina. Andiam... (fa per avviarsi rapido ma si arresta subitamente) Ma il caso in mio favor s’adopra. Eccolo... al posto, all’opra! (Si colloca immoto al verone guardando fissamente verso il giardino dove stanno Cassio e Desdemona. Entra Otello; Iago, simulando di non averlo visto, finge di parlare frasè.) Ciò m’accora... OTELLO (avvicinandosi a Jago) Che parli? JAGO Nulla... Voi qui? Una vana voce m’uscì dal labbro. OTELLO Colui che s’allontana dalla mia sposa, è Cassio? (E l’uno e l’altro si staccano dal verone.) JAGO Cassio? no... quei si scosse come un reo nel vedervi. OTELLO Credo che Cassio ei fosse. JAGO Mio signore... OTELLO Che brami? JAGO Cassio, nei primi dì del vostro amor, Desdemona non conosceva? |
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OTHELLO Ja. Warum fragst du danach? JAGO Mein Gedanke ist unbestimmt und ohne Bosheit. OTHELLO Sag deinen Gedanken, Jago. JAGO Vertrautet Ihr Euch Cassio an? OTHELLO Oft brachte er ein Geschenk oder einen Brief zu meiner Braut. JAGO Wahrhaftig? OTHELLO Ja, wahrhaftig. Hältst du ihn nicht für ehrlich? JAGO (Othello nachahmend) Ehrlich? OTHELLO Was verbirgst du im Herzen? JAGO Was verberg ich im Herzen, Herr? OTHELLO „Was verberg ich im Herzen, Herr?“ Beim Himmel, du bist das Echo meiner Worte! In der Kammer deiner Seele birgst du ein grässliches Ungeheuer. Ja, wohl hab ich gehört, was du eben sprachst! „Das betrübt mich!“ Aber was hat dich betrübt? Du nennst Cassio und ziehst die Stirn in Falten! So sprich, wenn du mich liebst! JAGO Ihr wisst, dass ich Euch liebe. OTHELLO Darum ohne Vorwand erkläre dich, und ohne Umschweife. Sprich frei heraus |
OTELLO Sì. Perchè fai tale inchiesta? JAGO Il mio pensier è vago d’ubbie, non di malizia. OTELLO Di’ il tuo pensiero, Jago. JAGO Vi confidaste a Cassio? OTELLO Spesso un mio dono o un cenno portava alla mia sposa. JAGO Dassenno? OTELLO Sì, dassenno. Noi credi onesto? JAGO (imitando Otello) Onesto ? OTELLO Che ascondi nel tuo core? JAGO Che ascondo in cor, signore? OTELLO “Che ascondo in cor, signore?” Pel cielo, tu sei l’eco dei detti miei!... Nel chiostro dell’anima ricetti qualche terribil mostro. Sì; ben t’udii poc’anzi mormorar, “Ciò m’accora!” Ma di che t’accoravi? Nomini Cassio e allora tu corrughi la fronte. Suvvia, parla se m’ami! JAGO Voi sapete ch’io v’amo. OTELLO Dunque senza velami t’esprimi e senza ambagi. T’esca fuor dalla gola |
| libretto by Gerd Uekermann | libretto by Arrigo Boito |
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