Tannhäuser

by Richard Wagner libretto (English German)


Characters

Hermann - Bass
Tannhäuser - Tenor
Wolfram von Eschenbach - Baritone
Walther von der Vogelweide - Tenor
Biterolf - Bass
Heinrich der Schreiber - Tenor
Reinmar von Zweter - Bass
Elisabeth - Soprano
Venus - Soprano
A young Shepherd - Soprano
Four Pages - Soprano And Alto

Thuringian knights. Counts and noblemen. Noblewomen. Older pilgrims. Younger pilgrims. Sirens. Naiads. Nymphs. Bacchantes

Time: At the beginning of the thirteenth century

Act One: The interior of the Hörselberg near Eisenach; A valley below the Wartburg
Act Two: On the Wartburg
Act Three: Valley below the Wartburg




OVERTURE

Personen

Hermann - Bass
Tannhäuser - Tenor
Wolfram von - Bariton
Walther von der Vogelweide - Tenor
Biterolf - Bass
Heinrich der Schreiber - Tenor
Reinmar von Zweter - Bass
Elisabeth - Sopran
Venus - Sopran
Ein junger Hirt - Sopran
Vier Edelknaben - Sopran und Alt

Thüringische Ritter. Grafen und Edelleute. Edelfrauen. Altere und jüngere Pilger. Sirenen. Najaden. Nymphen. Bacchantinnen

Zeit: Im Anfange des 13 Jahrhunderts

Erster Aufzug: Das Innere des Hörselberges bei Eisenach; ein Tal vor der Wartburg
Zweiter Aufzug: Auf der Wartburg
Dritter Aufzung: Tal vor der Wartburg




OUVERTÜRE

ACT ONE

SCENE ONE
The interior of the Venusberg (the Hörselberg, near Eisenach). A wide grotto which, as it curves towards the right in the background, seems to be prolonged till the eye loses it in the distance. From an opening in the rocks, through which the daylight filters dimly, a greenish waterfall plunges down the whole height of the grotto, foaming wildly over the rocks; out of the basin that receives the water a brook flows to the further background; it there forms into a lake, in which Naiads are seen bathing, while Sirens recline on its banks. - On both sides of the grotto are projecting cliffs, of irregular form, covered with wonderful, coral-like tropical growths. In front of an opening in the grotto, stretching upwards to the left, through which comes a soft roseate half-light, Venus reclines in the foreground on a rich couch; before her, his head in her lap, his harp by his side, is Tannhäuser, half-kneeling. The Three Graces, charmingly entwined, recline about the couch. At the side of and behind the couch are numerous sleeping Cupids, huddled together in a confused tangle, like children who, tired after play, have fallen asleep. The whole of the foreground is illuminated from below, by a magical rosy light, through which the emerald-green of the waterfall and the white foam of its waves break in strong contrast. A clear blue vapour envelopes the far background, with the banks of the lake, in a kind of moonlight. When the curtain rises, the youths, holding goblets in their hands, are still reclining on the cliffs; now, in response to the alluring signs of the Nymphs, they hasten down to these; the Nymphs have already begun, round the foaming basin of the waterfall, the inviting dance that is meant to draw the youths to them. The two groups mix together in pairs; pursuits, flights and alluring coquetries enliven the dance. From the far background comes a swarm of Bacchantes, who break through the ranks of the amorous couples, inciting them to wilder delights. By gestures of exalted intoxication the Bacchantes urge on the lovers to further abandonment. The revellers embrace each other with the most ardent passion. Satyrs and Fauns emerge from the clefts in the rocks, and thrust themselves with their dance between the Bacchantes and the pairs of lovers. They increase the confusion by chasing the Nymphs; the general tumult rises to the maddest climax. At the outburst of the greatest delirium, the three Graces rise to their feet, horror-stricken. They try to restrain the furious groups and drive them off. Impotent against them, they fear that they themselves will be drawn into the whirl; they turn to the sleeping Cupids flutter upwards and in different directions like a flock of birds, and, drawn up as it were in battle array on the heights, and commanding the whole cavern, they rain down a ceaseless shower of arrows on the tumult beneath. The wounded, seized by a powerful yearning for love, quit the mad dance and sink down in exhaustion; the Graces take possession of the wounded, and try, by disposing the revellers in pairs, to disperse them with gentle force towards the background; there the Bacchantes, Fauns, Satyrs, Nymphs and Youths withdraw, pursued in by Cupids from the heights. A rosy mist comes down, growing thicker and thicker as it descends. In it the Cupids first disappear; then it envelops the whole background, so that finally, beside Venus and Tannhäuser, only the three Graces remain visible. These now return towards the foreground; gracefully interlocked they drawn near to Venus, and apparently tell her of the victory they have won over the mad passions of the subjects of her realm. Venus gives them a grateful glance. (The thick mist in the background dissolves, revealing a cloud-picture of the Rape of Europa; she is being carried across the blue sea on the back of the garlanded white bull, escorted by Tritons and Nereids)

ERSTER AUFZUG

ERSTE SZENE
Die Bühne stellt das Innere des Venusberges (Hörselberges bei Eisenach) dar. Weite Grotte, welche sich im Hintergrunde durch eine Biegung nach rechts wie unabsehbar dahinzieht. Aus einer zerklüften Öffnung, durch welche mattes Tageslicht hereinscheint, stürzt sich die ganze Höhe der Grotte entlang ein grünlicher Wasserfall herab, wild über Gestein schäumend; aus dem Becken welches das Wasser auffängt, fliesst nach dem ferneren Hintergrunde der Bach hin, welcher dort sich zu einem See sammelt, in welchem man die Gestalten badender Najaden und an dessen Ufern gelagerte Sirenen gewahrt. Zu beiden Seiten der Grotte Felsenvorsprünge von unregelmässiger From, mit wunderbaren, korallenartigen, tropischen Gewächsen bewachen. Vor einer nach links aufwärts sich dehnenden Grottenöffnung, aus welcher ein zarter rosinger Dämmer herausscheint liegt im Vordergrunde Venus auf einem reichen Lager, vor ihr, das Haupt in ihrem Schosse, die Harfe zur Seite, Tannhäuser, halb knieend. Das Lager umgeben, in reizender Verschlingung gelagert, die drei Grazien. Zur Seite und hinter dem Lager zahlreiche schlafende Amoretten, wild über und nebeneinander gelagert, einen verworrenen Knäuel bilden, wie Kinder, die, von einer Balgerei ermattet, eingeschlafen sind. Der ganze Vordergrund ist von einem zauberhaften, von unter her durchscheinenden, rötlichen Lichte beleuchtet, durch welches das Smaragdgrün des Wasserfalles, mit dem Weiss seiner schäumenden Wellen, stark durchbricht. Der ferne Hintergrund mit den Seeufern ist von einem verklärt blauen Duffe mondscheinartig erhellt. - Beim Aufzuge des Vorhanges sind, auf den erhöhten Vorsprüngen bei Bechern, noch die Jünglinge gelagert, welche jetzt sofort den verlockenden Winken der Nymphen folgen und zu diesen hinabeilen; die Nymphen hatten um das schäumende Becken des Wasserfalles den auffordernden Reigen begonnen, welcher die Jünglinge zu ihnen führen sollte: die Paare finden und mischen sich; Suchen, Fliehen und reizendes Necken beleben den Tanz. Aus dem fernen Hintergrunde naht ein Zug von Bacchantinnen, welcher durch die Reihen der liebenden Paare, zu wilder Lust auffordernd, daherbraust. Durch Gebärden begeisterter Trunkenheit reizen die Bacchantinnen die Liebenden zu wachsender Ausgelassenheit auf. Die Berauschten stürzen sich in brünstige Liebesumarmungen. Satyre und Faune sind aus den Klüften erschienen und drängen sich jetzt mit ihrem Tanze zwischen die Bacchanten und liebenden, Paare. Sie vermehren durch ihre Jagd auf die Nymphen die Verwirrung; der allgemeine Taumel steigert sich zur höchsten Wut. Hier, beim Ausbruch der höchsten Raserei, erheben sich entsetzt die drei Grazien. Sie suchen den Wütenden Einhalt zu tun und sie zu entfernen. Machtlos fürchten sie selbst mit fortgerissen zu werden: sie wenden sich zu den schlafenden Amoretten, rütteln sie auf und jagen sie in die Höhe. Diese flattern wie eine Schar Vögel aufwärts auseinander, nehmen in der Höhe, wie in Schlachtordnung, den ganzen Raum der Höhle ein und schiessen von da herab einen unaufhörlichen Hagel von Pfeilen auf das Getümmel in der Tiefe. Die Verwundeten lassen, von mächtigem Liebessehnen ergriffen, vom rasenden Tanze ab und sinken in Ermattung. Die Grazien bemächtigen sich der Verwundeten und suchen, indem sie die Trunkenen zu Paaren fügen, sie mit sanfter Gewalt nach dem Hintergrunde zu zerstreuen. Dort nach den verschiedensten Richtungen hin, entfernen sich, teils auch von der Höhe herab durch die Amoretten verfolgt, die Bacchanten, Faunen, Satyren, Nymphen und Jünglinge. Ein immer dichterer rosiger Duft senkt sich herab: in ihm verschwinden zuerst die Amoretten, dann bedeckt er den ganzen Hintergrund, so dass endlich, ausser Venus und Tannhäuser, nur noch die drei Grazien sichtbar zurückbleiben. Diese wenden sich jetzt nach dem Vordergrunde zurück; in anmutigen Verschlingungen nahen sie sich Venus, ihr gleichsam von dem Siege berichtend, den sie über die wilden Leidenschaften der Untertanen ihres Reiches gewonnen. Venus blickt dankend zu ihnen. (Der dichte Duft im Hintergrunde zerteilt sich: ein Nebelbild zeigt die Entführung der Europa, welche auf dem Rücken des mit Blumen geschmückten weissen Stieres, von Tritonen und Nereïden geleitet, durch das blaue Meer dahinfährt)


CHOIR OF SIRENS

Draw near the stand!
Approach the land,
where, in the arms
of glowing love,
let blissful warmth
content your desires!
(The rosy mist gathers again, obliterating the picture, and the Graces interpret in a graceful dance the mystic meaning of the picture as a work of love. Once more the mist dissolves. In the soft half-light of the moon, Leda is seen reclining on the banks of a woodland lake. The swan swims up to her and fawningly lays his head upon her bosom)

CHOIR OF SIRENS
Draw near the strand!
Approach the land!
This picture also gradually fades away. At last the mist wholly disappears, showing the entire grotto lonely and still. The Graces smilingly make obeisance to Venus and slowly move off the grotto of love. Deepest quiet. Venus and Tannhäuser mantain their attitudes unchanged

CHOR DER SIRENEN
(unsichtbar)
Naht euch dem Strande!
Naht euch dem Lande,
wo in den Armen
glühender Liebe
selig Erbarmen
still' eure Triebe!
Der rosige Duft schliesst sich wieder, das Bild verschwindet, und die Grazien deuten nun durch einen anmutigen Tanz den geheimnisvollen Inhalt des Bildes als ein Werk der Liebe an. Von neuem teilt sich der Duft. Man erblickt in sanfter Mondesdämmerung Leda am Waldesteiche ausgestreckt; der Schwan schwinmmt auf sie zu und birgt schmeichelnd seinen Hals an ihrem Busen

CHOR DER SIRENEN
Naht euch dem Strande!
Naht euch dem Lande!
Allmählich verbleicht auch dieses Bild. Der Duft verzieht sich endlich ganz und zeigt die ganze Grotte einsam und still. Die Grazien verneigen sich schelmisch vor Venus und entfernen sich langsam nach der Liebesgrotte. Tiefste Ruhe. Unveränderte Gruppe der Venus und Tannhäusers.


SCENE TWO
(Tannhäuser lifts up his head suddenly, as if starting from a dream. - Venus draws him back again caressingly)  
(Tannhäuser raises his hand over his eyes as if trying to capture a dream image.)

VENUS
(very quiet)
Tell me, beloved, of what are you thinking?

TANNHÄUSER
(quickly)
Too much! Too much!



Oh, that I now might awake!

ZWEITE SZENE
(Tannhäuser zuckt mit dem Haupte empor, als fahre er aus einem Traume auf. - Venus zieht ihn schmeichelnd zurück)
(Tannhäuser führt die Hand über die Augen, als suche er ein Traumbild festzuhalten)

VENUS
(sehr ruhig)
Geliebter, sag, wo weilt dein Sinn?

TANNHÄUSER
(schnell)
Zu viel! Zu viel!

(langsamer und leise)

O, dass ich nun erwachte!


VENUS
(calm and soothing)
Tell me what ails you.

TANNHÄUSER
In dreams, it was as if I heard -
a sound long stranger to my ears -
as if I heard the joyful peal of bells!
Oh, tell me! How long is it since I heard them?

VENUS
(as before)
What is it holds you in thrall?
Where are you straying?

(She gently guides her hand
over his forehead.)


TANNHÄUSER
(melancholically)
The time I have sojourned here
I cannot measure.
Days, moons - mean nothing to me any more,
for I no longer see the sun,
nor the friendly stars of heaven;
I see no more the blades of grass, which, turning freshly green,
bring the new summer in;
the nightingale that foretells me the spring,
I hear no more.
Shall I never hear it, never behold it more?

VENUS
with quiet wonder
Ha! What do I hear? What foolish complaining?
Are you so soon wearied of the sweet wonder
my love devises for you?
Or what? Can you so greatly regret being a god?
Have you so soon forgot how once
you suffered, whilst now you delight in pleasure here?

(She rises)

Come, my Singer,
(She takes the harp
and holds it up to him)


up and grasp your lyre!
Celebrate love, which you extol so marvellously in song,
that you won the goddess of love herself for yours!
Celebrate love, for its highest prize has become yours!
VENUS
(ruhig und schmeichelnd)
Sag mir, was dich mühet!

TANNHÄUSER
Im Traum war mir's als hörte ich -
was meinem Ohr so lange fremd! -
als hörte ich der Glocken frohes Geläute!
O sag, wie lange hört' ich's doch nicht mehr?

VENUS
(wie vorher)
Was fasst dich an?
Wohin verlierst du dich?

(Sie führt die Hand sanft
über seine Stirne)


TANNHÄUSER
(schwermütig)
Die Zeit, die hier ich verweil',
ich kann sie nicht ermessen:
Tage, Monde gibt's für mich nicht mehr;
denn nicht mehr sehe ich die Sonne,
nicht mehr des Himmels freundliche Gestirne;
den Halm seh' ich nicht mehr, der frisch ergrünend
den neuen Sommer bringt;
die Nachtigall hör' ich nicht mehr,
die mir den Lenz verkünde.
Hör' ich sie nie, seh' ich sie niemals mehr?

VENUS
(mit ruhiger Verwunderung)
Ha! Was vernehm' ich? Welch' tör'ge Klagen!
Bist du so bald der holden Wunder müde,
die meine Liebe dir bereitet?
Oder wie? könnt'ein Gott zu sein so sehr dich reu'n?
Hast du so bald vergessen, wie du einst
gelitten, während jetzt du dich erfreust?

(Sie erhebt sich)

Mein Sänger, auf!
(Sie nimmt die Harfe
und hält sie ihm vor)


Auf, und ergreif' deine Harfe;
die Liebe fei're, die so herrlich du besingst,
dass du der Liebe Göttin selber dir gewannst!
Die Liebe fei're, da ihr höchster Preis dir ward!

TANNHÄUSER
(takes up his lyre)



Let your praises ring out! Let the marvel
your might created for me, fortunate as I am, be extolled!
May the sweet delight, sprung from your favour,
raise my song up in a loud cry of jubilation!
My heart yearned, oh my senses thirsted
after pleasure, after delicious gratification:
that which once you rendered to gods alone
you graciously bestowed upon me, a mortal.
But mortal, oh, I have remained
and your loving is too huge for me.
Though a god may incessantly savour enjoyment,
I am subject to change:
not pleasure alone lies close to my heart -
in the midst of joy I crave after pain.
From your kingdom I must fly -
O queen,
goddess, let me go!

VENUS

What's this I must harken to? What kind of singing is that?
Into what doleful strain has your song lapsed?
Whither has that inspiration flown,
which once prompted songs of delight alone from you?
What is it? Wherein has my love proved wanting?
Beloved, with what do you reproach me?

TANNHÄUSER
Thanks be to your favour! May your loving be extolled!
Fortunate forever the man who has tarried with you!
Forever envied he who, with ardent passion,
has shared the godlike glow in your embrace!
Entrancing are the marvels of your kingdom,
I breathe the magic of all pleasure here;
no country on the broad earth offers the like,
what they possess you can easily spare.
But amid these rosy perfumes
I long for the woodland breezes,
for the clear blue of our skies,
for the fresh green of our meadows,
for the sweet song of our little birds,
for the dear sound of our bells.
From your kingdom I must fly -
O queen,
goddess, let me go!

TANNHÄUSER
(zu einem plözlichen Entschlusse
ermannt, ergreift seine Harfe und stellt
sich feierlich vor Venus hin)


Dir töne Lob! die Wunder sei'n gepriesen,
die deine Macht mir Glücklichem erschuf!
Die Wonnen süss, die deiner Huld entspriessen,
erheb' mein Lied in lautem Jubelruf!
Nach Freude, ach! nach herrlichem Geniessen
verlangt' mein Herz, es dürstete mein Sinn:
da, was nur Göttern einstens du erwiesen,
gab deine Gunst mir Sterblichem dahin.
Doch sterblich, ach! bin ich geblieben,
und übergross ist mir dein Lieben;
wenn stets ein Gott geniessen kann,
bin ich dem Wechsel untertan;
nicht Lust allein liegt mir am Herzen,
aus Freuden sehn'ich mich nach Schmerzen.
Aus deinem Reiche muss ich fliehn,
o Königin!
Göttin, lass' mich ziehn!

VENUS
(wie aus einem Traume erwachend)
Was muss ich hören? Welch ein Sang!
Welch trübem Ton verfällt dein Lied?
Wohin floh die Begeistrung dir,
die Wonnesang dir nur gebot?
Was ist's? Worin war meine Liebe lässig.
Geliebter, wessen klagest du mich an?

TANNHÄUSER
Dank deiner Huld, gepriesen sei dein Lieben!
Beglückt für immer, wer bei dir geweilt!
Ewig beneidet, wer mit warmen Trieben
in deinen Armen Götterglut geteilt!
Entzückend sind die Wunder deines Reiches,
die Zauber aller Wonnen atm' ich hier;
kein Land der weiten Erde bietet Gleiches,
was sie besitzt, scheint leicht entbehrlich dir.
Doch ich aus diesen ros'gen Düften
verlange nach des Waldes Lüften,
nach unsres Himmels klarem Blau,
nach unserm frischen Grün der Au',
nach unsrer Vöglein liebem Sange,
nach unsrer Glocken trautem Klange:
aus deinem Reiche muss ich fliehn!
O Königin!
Göttin, lass' mich ziehn!

VENUS

Faithless man! Alas! What is that you say?
You dare scorn my love?
You praise it, yet would fly from it?
Are you surfeited with my charms?

TANNHÄUSER
Oh lovely goddess, do not be angry with me!

VENUS
Are you surfeited with my charms?

TANNHÄUSER
Your overwhelming charm it is I flee from.

VENUS
Woe to you, traitor! Hypocrite! Ungrateful man!
I will not let you go! You may not go from me!

TANNHÄUSER
Never was my love greater, never truer,
than now, when I must fly from you for ever!
(At a sign from Venus a magic grotto is revealed)

VENUS
(von ihrem Lager aufspringend)
Treuloser! weh! was lässest du mich hören?
Du wagest meine Liebe zu verhöhnen?
Du preisest sie, und willst sie dennoch fliehn?
Zum Überdruss ist mir mein Reiz gediehn?

TANNHÄUSER
Ach schöne Göttin, wolle mir nicht zürnen!

VENUS
Zum Überdruss ist die mein Reiz gediehn?

TANNHÄUSER
Dein übergrosser Reiz ist's, den ich fliehe!

VENUS
Weh dir! Verräter! Heuchler! Undankbarer!
Ich lass' dich nicht! du darfst nicht von mir ziehen!

TANNHÄUSER
Nie war mein Lieben grösser, niemals wahrer,
Als jetzt, da ich für ewig dich muss fliehn! (Venus hat sich mit einem Schrei abgewandt, ihr Gesicht in den Händen bergend. - Langes Stillschweigen)
(Dann sucht sie allmählich wieder Tannhäuser Blick, dem sie plötzlich mit verführerischem Lächeln sich zuwendet) (Auf ihren Wink erscheint eine zauberische Grotte auf welche sie deuten)


VENUS

Come, beloved, see yonder grotto,
filled with rosy fragrance gently wafting!
That abode of sweetest delight would offer
enchantment even to a god.
Lulled on the downiest of cushions
let every hurt fly from your limbs,
let coolness fan your burning brow,
blissful ardour swell heart.


Come, sweet love, come, follow me! Come!

CHOIR OF SIRENS

Draw near the strand!

VENUS
From the pleasant distance, sweet sound usage
my arm to enfold you in closest embrace:
from my lips, my gaze,
you sip nectar divine,
the reward of love sparkles for you:
a feast of delight shall arise from our union.
Let us joyfully celebrate the festival of love!
You must not dedicate a timid offering to it -
revel in union with the goddess of love!
Say, sweet friend, tell me, my beloved -
would you fly?

TANNHÄUSER


For you alone my song shall ever ring out!
Your praise alone be loudly sung by me!
Your lovely fascination is the fount of all beauty,
and every sweet wonder stems from you.
The glow you shed in my heart
blazes bright as flame for you alone!
Yes, against the whole eorld, then, untiring,
for henceforth your bold champion I will be!
Yet, I must go from hence to the world of earth;
if I remain with you, I can only be a slave.
For freedom, then, I long,
for freedom, freedom, do I thirst;
for struggle and strife I will stand,
though it be, too, for destruction and death:
from your kingdom, therefore, I must fly -
Oh queen,
VENUS
(mit leiser Stimme beginnend)
Geliebter, komm! sieh dort die Grotte,
von ros'gen Düften mild durchwallt;
Entzücken böt' selbst einem Gotte
der süss'sten Freuden Aufenthalt!
Besänftigt auf dem weichsten Pfühle,
flieh' deine Glieder jeder Schmerz;
dein brennend Haupt umwehe Kühle,
wonnige Glut durchschwelle dein Herz!

(Indem sie ihn sanft nach sich zu ziehen sucht)
Komm, süsser Freund, komm, folge mir! komm!

CHOR DER SIRENEN
(unsichtbar)
Naht euch dem Strande!

VENUS
Aus holder Ferne mahnen süsse Klänge,
dass dich mein Arm in trauter Näh' umschlänge;
von meinen Lippen, aus meinen Blicken,
schlürfst du den Göttertrank,
strahlt dir der Liebesdank:
ein Freudenfest soll unsrem Bund entstehen,
der Liebe Feier lass uns froh begehen;
nicht sollst du ihr ein scheues Opfer weihn:
mit der Liebe Göttin schwelge im Verein!
Sag, holder Freund, sag, mein Geliebter:
willst du fliehn?

TANNHÄUSER
(auf das äusserste hingerissen, nochmals die Harfe ergreifend)

Stets soll nur dir, nur dir mein Lied ertönen,
gesungen laut sei nur dein Preis von mir!
Dein süsser Reiz ist Quelle alles Schönen,
und jedes holde Wunder stammt von dir.
Die Glut, die du mir in das Herz gegossen,
als Flamme lodre hell sie dir allein!
Ja, gegen alle Welt will unverdrossen
fortan ich nun dein kühner Streiter sein!
Doch hin muss ich zur Welt der Erden,
bei dir kann ich nur Sklave werden;
nach Freiheit doch verlangt es mich,
nach Freiheit, Freiheit, dürste ich;
zu Kampf und Streite will ich stehn,
sei's auch auf Tod und Untergehn! -
Drum muss aus deinem Reich ich fliehn!
O Königin!
Göttin, lass' mich ziehn!  
goddess, let me go!  

VENUS

Begone, madman, begone!
Go! Traitor, see, I am not stopping you!
Fly! I set you free!
Begone hence! Deluded mortal,
let that which you long for be your lot!
Begone! Begone!
Fly hence to frigid men,
before whose timid, cheerless fancy
we gods of delight have escaped
deep into the warm womb of earth.
Begone, deluded mortal, seek your salvation,
seek your salvation - and find it never!
Beg those for pardon now, whom once,
when victorious, in exultant mood
you derided and scorned; in those quarters you disdained,
cry out now for favour!
Let your infamy shine forth, then!
Their derision, then will be your utter shame!
Banished, accursed, oh, how well I see you
approach me already, your head bowed down to earth:
"Oh, if only you might find her again,
she who once smiled upon you!
Oh, that the portals of her delight
might once more open for you!"
On the threshold, see there -
he lies now, stretched full length,
there where once delight engulfed him!
Imploring, he begs for pity, not for love!
Back! Be off, beggar!
To heroes alone, to menials never, does my kingdom open!

TANNHÄUSER
No! My pride will spare you the complaining;
ever again to appear before you would degrade me!
He who parts from you today, oh goddess,
will never return to you again!

VENUS

Ha! You will never return?
What have I said?
Ha! What has he said?
Never to return to me!
What am I to think?
Now understand it?
My beloved leave me for ever?

VENUS
(im heftigsten Zorne)
Zieh hin! Wahnbetörter! Zieh hin!
Geh! Verräter, sieh, nicht halt ich dich!
Flieh, ich geb dich frei
Zieh hin! Betörter!
was du verlangst, das sei dein Los!
Zieh hin! zieh hin!
Hin zu den kalten Menschen flieh,
vor deren blödem, trüben Wahn
der Freude Götter wir entflohn
tief in der Erde wärmenden Schoss.
Zieh hin, Betörter! Suche dein Heil,
suche dein Heil, - und find' es nie!
Sie, die du siegend einst verlachtest,
die jauchzenden Mutes du verhöhnst,
nun fleh sie an um Gnade, wo du verachtest,
jammre nun um Hold!
Dann leuchte dein Schande,
der hellen Schmach wird dann ihr Spott!
Gebannt, verflucht, ha! wie seh' ich schon
dich mir nahn, tief das Haupt zur Erde: -
"o! fädest du sie wieder,
die einst dir gelächelt!
ach! öffnete sie dir wieder
die Tore ihrer Wonnen!"
Auf der Schwelle, sieh' da!
ausgestreckt liegt er nun,
dort wo Freude einst ihm geflossen!
Um Mitleid fleht er bettelnd, nicht um Liebe!
Zurück! Entweich, Bettler!
Knechten nie, nur Helden öffnet sich mein Reich!

TANNHÄUSER
Nein! Mein Stolz soll dir den Jammer sparen,
mich entehrt je dir nah zu sehn!
Der heut von dir scheidet, o Göttin,
der kehret nie zu dir zurück!

VENUS
(mit einem Schrei)
Ha! du kehrtest nie zurück! -
Wie sagt' ich?
Ha! wie sagte er?
Nie mir zurück!
wie soll ich's denken?
Wie es erfassen!
Mein Geliebter ewig mich fliehn?
(mit zartem Zögern)


How could I have deserved that?
How incurred such censure,
as would rob me of the pleasure
of forgiving my dear one?
To the queen of love,
to the goddess of all grace,
alone, should offering
her friend comfort be denied?
Smiling through tears, how once
I listened to you, yearning
to hear the proud song
that has been silent around me for so long!
Oh say, how could you ever suppose
I might remain unmoved if, some time,
your soul's sighing were to urge me,
if I were to hear your cry?
That in your arms supreme comfort I have found,
oh, for that, do not let me suffer.
Do not you one day scorn my solace!



If you do not return to me,
a curse, then, upon the whole wide world,
and may that from which the goddess withdraws
be for ever waste!



Oh, come, come back again!
Trust my favour, my love!

TANNHÄUSER
He who flies from you, goddess, flies from all favour for ever!

VENUS
Do not resist your longing from pride,
if it draw you back to me!

TANNHÄUSER
My longing urges me to combat;
I do not seek pleasure and rapture!
Oh, if you could understand it, goddess!
Hence, to the death I seek!
I am drawn to death!

VENUS
Return, when death itself flies from you,
when the grave itself closes before you.

TANNHÄUSER
Wie hätt' ich das erworben,
wie träf' mich solch Verschulden,
das mir die Lust geraubt,
dem Trauten zu verzeihn?
Der Königin der Liebe,
der Göttin aller Hulden,
wär' einzig dies versagt,
Trost dem Freunde zu weihn?
Wie einst, lächelnd unter Tränen,
ich sehnsuchtsvoll dir lauschte,
den stolzen Sang zu hören,
der rings so lang mir verstummt;
o! Sag, wie könntest je du wohl wähnen,
dass ungerührt ich bliebe,
dräng' zu mir einst deiner Seele
Seufzen, hört' ich dein Klagen?
Dass letzte Tröstung in deinem Arm ich fand,
o, lass' des mich nicht entgelten,
verschmäh einst auch du nicht meinen Trost!

(in Verzweiflung ausbrechend)

Kehrst du mir nicht zurück,
so treffe Fluch die ganze Welt!
und für ewig sei öde sie,
aus der die Göttin wich!

(verzweiflungsvoll flehend)

O kehr, kehr wieder!
Trau meiner Huld, meiner Liebe!

TANNHÄUSER
Wer, Göttin, dir entfliehet, flieht ewig jeder Huld!

VENUS
Nicht wehre stolz deinem Sehnen,
wenn zurück zu mir es dich zieht!

TANNHÄUSER
Mein Sehnen drängt zum Kampfe,
nicht such ich Wonn' und Lust!
ach, mögest du es fassen, Göttin!
Hin zum Tod, den ich suche,
zum Tode drängt es mich!

VENUS
Kehr zurück, wenn der Tod selbst dich flieht,
wenn vor dir das Grab selbst sich schliesst.

TANNHÄUSER
I carry death and the grave here in my heart,
through repentance and atonement I will find myself repose!

VENUS
Repose will never be your lot,
neither will you find peace!
Come again to me, if, some time, you should seek your salvation!

TANNHÄUSER
Goddess of pleasure and delight, no!
Oh, not in you shall I find peace and repose!
My salvation lies in Mary!
(Venus vanishes. - The scene is changed quickly)


Den Tod, das Grab, hier im Herzen ich trag',
durch Buss' und Sühne wohl find ich Ruh' für mich!

VENUS
Nie ist Ruh' dir beschieden,
nie findest du Frieden!
kehr wieder mir, suchst einst du dein Heil!

TANNHÄUSER
Göttin der Wonn' und Lust!
Nein! ach, nicht in dir find ich Frieden und Ruh'!
Mein Heil liegt in Maria!
(Venus verschwindet. - Die Szene verwandelt sich schnell)



SCENE THREE

A green valley stretching between the Hörselberg and the Wartburg. Blue sky, bright sun. In the foreground is a shrine to the Virgin. A Shepherd Boy is blowing his pipe and singing. Sleep bells tinkle.




DRITTE SZENE

Tannhäuser, der seine Stellung nicht verlassen hat, befindet sich plötzlich in ein schönes Tal versetzt. Blauer Himmel, heitere Sonnenbeleuchtung. - Rechts im Hintergrunde die Wartburg; durch die Talöffnung nach links erblickt man den Hörselberg. - Rechts führt auf der halben Höhe des Tales ein Bergweg von der Richtung der Wartburg her nach dem Vordergrunde zu, wo er dann seitwärts abbiegt; in demselben Vordergrunde ist ein Muttergottesbild, zu welchem ein niedriger Bergvorsprung hinaufführt. - Von der Höhe links vernimmt man das Geläute von Herdeglocken; auf einem hohen Vorsprunge sitzt ein junger Hirt mit der Schalmei, dem Tale zugekehrt


SHEPHERD
Dame Holda's come out of the mountain
to roam through field and meadow;
my ear caught a sound there so sweet,
m'eye longed to behold.


There I dreamt many a sweet dream,
and my eyes had scarcely opened when
there the sun shone warm.
May, May had come!
Now I gaily play my pipe.
May is here, the lovely May!
(From the direction of the Wartburg, a band of Pilgrims approaches, singing)

OLDER PILGRIMS
To Thee do I journey, Lord Jesus Christ,
for Thou art the pilgrims' hope!
Praise be to thee, Virgin sweet and pure.
Grant that our pilgrimage may prove propitious!




DER HIRT
Frau Holda kam aus dem Berg hervor,
zu ziehn durch Fluren und Auen,
gar süssen Klang vernahm da mein Ohr,
mein Auge begehrte zu schauen.

(Er spielt)

Da träumt' ich manchen holden Traum,
und als mein Aug' erschlossen kaum,
da strahlte warm die Sonnen,
der Mai, der Mai war kommen.
Nun spiel ich lustig die Schalmei,
der Mai ist da, der liebe Mai!
(Man hört den Gesang der älteren Pilger, welche, von der Richtung der Wartburgherkommend, auf dem Bergwege sich nähern. Der Hirt spielt auf der Schalmei)

DIE ÄLTERE PILGER
Zur dir wall ich, mein Jesus Christ,
der du des Pilgers Hoffnung bist!
Gelobt sie, Jungfrau süss und rein,
der Wallfahrt wolle günstig sein!

(Der Hirt, den Gesang vernehmend,
halt auf der Schalmei ein und hört
andächtig zu)



Alas, the burden of my sins weighs me down.
I can endure it no longer;
I will know neither sleep nor rest therefore
and gladly choose toil and vexation.
At the sublime feast of clemency and grace
I will atone for my sins in humility;
blessed is he who truly belives:
he shall be saved through penitence and repentance.

SHEPHERD


God speed! God speed to Rome!
Pray for my poor soul! (Tannhäuser falls to his knees, deeply moved)




TANNHÄUSER
Glory be to Thee, Almighty God!
Great are the marvels of Thy grace.  



OLDER PILGRIMS
To Thee do I journey, Lord Jesus Christ,
for Thou art the pilgrims' hope!



Praise be to thee, Virgin sweet and pure.
Grant that our pilgrimage may prove propitious!



TANNHÄUSER

Alas, the burden of my sins weighs me down,
I can endure it no longer;
I will know neither sleep nor rest therefore
and gladly choose toil and vexation.  

PILGRIMS

At the sublime feast of clemency and grace,
I will atone for my sins in humility;

blessed is he who truly belives.    

Ach, schwer drückt mich der Sünden Last,
kann länger sie nicht mehr ertragen!
Drum will ich auch nicht Ruh' noch Rast,
und wähle gern mir Müh' und Plagen.
Am hohen Fest der Gnad' und Huld,
in Demut sühn ich meine Schuld;
gesegnet, wer im Glauben treu:
er wird erlöst durch Buss' und Reu'.

DER HIRT
(als die Pilger auf der ihm gegenüberliegenden Höhe angekommen sind, ruft ihnen, die Mütze schwenkend, laut zu)

Glück auf! Glück auf nach Rom!
Betet fur meine arme Seele!

(Tannhäuser, der in der Mitte der Büne wie festgewurzelt gestanden, sinkt heftig erschüttert auf die Knie)

TANNHÄUSER
Allmächt'ger, dir sei Preis!
Gross sind die Wunder deiner Gnade! (Der Zug der Pilger biegt von hier an auf dem Bergwege bei dem Muttergottesbilde links ab und verlässt so die Bühne; - der Hirt entfernt sich ebenfalls mit der Schalmei rechts von der Höhe, - man hört die Herdeglocken immer entfernter)

DIE PILGER
Zur dir wall ich, mein Jesus Christ,
der du des Pilgers Hoffnung bist!
(auf dem Theater - immer entfernter)

Gelobt sei, Jungfrau süss und rein,
der Wallfahrt wolle günstig sein!

(Die Pilger haben hier die
Bühne bereits verlassen)


TANNHÄUSER
(auf den Knien, wie in brünstiges Gebet versunken)

Ach, schwer drückt mich der Sünden Last,
kann länger sie nicht mehr ertragen:
drum will ich auch nicht Ruh' noch Rast,
und wähle gern mir Müh' und Plagen.
(Tränen ersticken seine Stimme; er neigt das Haupt tief zur Erde und scheint, wie von Eisenach her, hört man Glockengeläute)

DIE PILGER
(sehr entfernt)
Am hohen Fest der Gnad' und Huld,
in Demut sühn ich meine Schuld;
(Waldhorn auf dem Theater, entfernt)
gesegnet, wer im Glauben treu.

(Waldhörner entfernt. Während sich der Klang der Hörner allmählich nähert, schweigt das entfernte Geläute) (Von der Anhöhe links herab, aus einem Waldwege, treten der Landgraf und die Sänger in Jägertracht einzeln auf)

libretto by Richard Wagner
🎼

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